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Mörfelden-Walldorf : Das Ende der Flughafen-Banner

Mittlerweile Geschichte: Der Anti-Flughafenausbau-Banner am Wasserturm in Mörfelden-Walldorf Bild: Rainer Wohlfahrt

Viele Jahre war Mörfelden-Walldorf eine Hochburg des Protests gegen den Flughafen. Das soll sich jetzt ändern.

          3 Min.

          Andere Städte begrüßen Besucher mit einem „Willkommen in . . .“. In Mörfelden-Walldorf hingegen herrscht ein rauherer Ton. „Für ein echtes Nachtflugverbot“ ist schon am Langener Waldsee zu lesen, bevor die ersten Häuser auftauchen. Am Rathaus in Walldorf hängen Plakate mit roten und schwarzen Großbuchstaben: „Kein Flughafenausbau“ steht oben, darunter „Nachtflugverbot“. Überall in der Stadt finden sich solche Plakate und Aufkleber, an öffentlichen Gebäuden, auf Autos und an Gartenzäunen.

          Dieter Schwöbel
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zumindest, was kommunale Bauten betrifft, findet dieser Anti-Flughafen-Kurs jetzt aber ein Ende. Die Stadtverordneten haben nach einer hitzigen Debatte und unter Buhrufen und „Zensur“-Vorwürfen aufgebrachter Bürger beschlossen, alle Banner abzuhängen. Noch in dieser Woche soll das Banner, das sich gegen den Ausbau des Flughafens richtet, vom Rathaus in Walldorf entfernt werden. Am Wasserturm ist es bereits verschwunden. Die Politik setzt künftig auf einen „konstruktiven Dialog“ mit dem Flughafen.

          „Identität der Stadt“

          Für manchen alten Startbahn-Kämpfer, Kritiker der ungebrochenen Expansion des Airports, Umweltschützer oder einfach unter dem Krach der Düsenmaschinen Leidenden gleicht das einem Verrat - und zwar an der „Identität der Stadt“, wie Redner der Grünen und der DKP/LL zuletzt im Stadtparlament ausriefen. Sie warfen der Mehrheit „unfassbare Naivität“ vor, wenn sie glaube, Fraport werde sich jetzt kooperativer zeigen. Die Stadt isoliere sich nicht, wenn sie die Banner lasse, sondern wenn sie diese beseitige - in Städten wie Raunheim, Kelsterbach oder Rüsselsheim hingen sie nämlich weiterhin.

          Die von den Kritikern beschworene „Identität“ hat sich in den Auseinandersetzungen um den Bau der Startbahn 18 West Anfang der achtziger Jahre entwickelt. Damals trieb der Protest gegen den Ausbau des Airports Zehntausende auf die Straßen und auch in den Mönchsbruchwald, wo die Bahn gebaut wurde. Einige Figuren des „Widerstands“ wie der Umweltpfarrer Kurt Oeser kamen aus Mörfelden-Walldorf, das seit der 18-West-Eröffnung 1984 am stärksten unter dem Startlärm zu leiden hat.

          Doch die Niederlage führte nicht zur Resignation, im Gegenteil: Seither setzten sich die Stadt um den damaligen Bürgermeister Bernhard Brehl (SPD) und viele ihrer Bürger für ein Nachtflugverbot und gegen den Bau des Terminals 3 im Süden des Flughafens ein. Diese Haltung war über Jahrzehnte hinweg Teil des Selbstverständnisses der Stadt und ihrer Politik über Parteigrenzen hinweg. So war es ein Christdemokrat, der als Erster forderte, eine Million im Kampf gegen die Flughafenexpansion bereitzustellen. Auch gründeten die Stadtverordneten einen wohl deutschlandweit einmaligen „Ausschuss gegen die Flughafenerweiterung“, der wie ein Vorzeichen auf das, was am Dienstagabend kommen sollte, kürzlich nach 16 Jahren aufgelöst wurde.

          Millionen Euro für Prozesse und Gutachten

          Nach Angaben des Magistrats hat die finanzschwache Kommune, die unter dem Schutzschirm des Landes steht, in den vergangenen 15 Jahren knapp drei Millionen Euro unter anderem für Prozesse und Gutachten in Sachen Flughafen ausgegeben. Zugleich allerdings verdienen mehrere tausend Bürger aus Mörfelden-Walldorf - darunter diverse Stadtverordnete - ihr Geld am Flughafen.

          Die aktuelle Wende wäre ohne die Freien Wähler nicht denkbar. Sie erzielten bei der Kommunalwahl im März dieses Jahres aus dem Stand 22,8 Prozent und wurden hinter der traditionell führenden SPD zweitstärkste Kraft. Die erstmals angetretene Gruppierung war vor dem Urnengang offen für einen Kurswechsel gegenüber dem Airport eingetreten - und war dafür vom Wähler belohnt worden. Rot-Grün dagegen hatte zusammen 21,5 Prozentpunkte verloren und nach zehn Jahren damit auch die Mehrheit. Sie fanden keinen Partner für ein Dreierbündnis - SPD und CDU können nicht miteinander, und ein Pakt mit der DKP/LL kam nicht zustande.

          So blieb den Sozialdemokraten für den Machterhalt nur eine Koalition mit den Freien Wählern und der immer schon flughafenaffinen FDP, wie der Fraktionschef Alexander Best im Stadtparlament zu verstehen gab. Der Schwenk in der Flughafenfrage, der durch das Einrollen der Banner symbolisch vollzogen wird, darf als Preis für das Zustandekommen des Bündnisses verstanden werden. Best verteidigte den neuen Kurs aber auch mit dem Hinweis, dass es für die Stadt auf juristischem Weg ohnehin nichts mehr zu gewinnen gäbe. Sinngemäß meinte er, alle Schlachten seien geschlagen.

          Von der neuen „Willkommenskultur“ verspricht sich die Koalition einen volleren Stadtsäckel und mehr Arbeitsplätze. „Wir wollen neue Unternehmen mit Flughafenbezug und gute Jobs in der Stadt ansiedeln“, sagte der Stadtverordnete der Freien Wähler, Frederic Krahn. Bisher habe die Stadt mit ihrer „Negativ-Botschaft am Ortseingang“ interessierte Betriebe abgeschreckt. Künftig suche die Kommune den Dialog, um für sich das Bestmögliche herauszuholen.

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