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Flugbegleiter : Augen und Ohren des Cockpits

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Mit einer Ausbildung - wie hier als Flugbegleiter - landen junge Menschen sanfter in der Arbeitswelt. Bild: Cunitz, Sebastian

Nur ein wenig servieren und dafür viel von der Welt sehen - über Flugbegleiter kursieren viele Klischees. Doch der Beruf verlangt einem viel ab, ein Blick auf die Ausbildung bei Condor zeigt das.

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          Die Lichter in der Flugzeugkabine gehen aus. Von draußen stürmt und tost es, als würde dort tatsächlich das Meer und nicht das Übungsgelände von Condor liegen. Jetzt müssen die drei Flugbegleiter in den orangenen Leibchen handeln. „Gurte los, alles liegen lassen, raus“, rufen sie im Chor und zeigen auf den geöffneten Seitenflügel der Boeing. Das Sturmtosen hüllt ihre Stimmen ein. Während die Passagiere einer nach dem anderen die Gummirutsche hinuntersausen, weckt einer der Flugbegleiter zwei schlafende Frauen, die von der Wasserlandung noch nichts mitbekommen haben.

          Thorsten Buls ist zufrieden. Er steht in der Kabine eines nachgestellten Flugzeugs vor 18 angehenden Flugbegleitern und lächelt. Die jungen Frauen und Männer tragen weiße Ganzkörperanzüge und warten, bis ihr Trainer zu Ende gesprochen hat. Sie sind der 199. Ausbildungskurs der Condor. Heute ist die vorletzte Einheit des Notfalltrainings, für das sie anderthalb Wochen auf dem Übungsgelände der Condor mitten in Gateway Gardens am Frankfurter Flughafen verbracht haben. In dieser Zeit, sagt Buls, hätten sie deutliche Fortschritte gemacht. Diesmal sei die Reaktion auf die Wasserlandung fast perfekt gewesen.

          Gegen brenzlige Situationen hilft ein Käse

          Das Sicherheitstraining ist der wichtigste Bestandteil der Ausbildung zum Flugbegleiter. Es dauert elf Tage und wird mit einer praktischen und einer theoretischen Prüfung abgeschlossen. Sechs Wochen lang dauert die gesamte Ausbildung bei Condor. Während dieser Zeit absolvieren die angehenden Stewards und Stewardessen einen Erste-Hilfe-Kursus und lernen, im Flugzeug zu bedienen. Auch Tipps zu Fragen des Aussehens und der Kosmetik gehören dazu. Gegen Ende der Ausbildung begleiten die frisch Ausgebildeten als zusätzliche Crew-Mitglieder einen Flug.

          Löcher in Käsescheiben - darum geht es ein Stockwerk über dem Übungsgelände. Der 200. Ausbildungskursus bekommt gerade eine Schulung in Crew Resource Management (CRM) - ein Kommunikationstraining. Die Leiterinnen des Kurses, Birgitta Lindner und Petra Kaiser, bringen den 18 Frauen vor ihnen bei, wie sie sich an Bord verhalten müssen, um brenzlige Situationen von vornherein zu vermeiden. Gerade sind sie bei dem „Swiss Cheese Model“ des britischen Psychologen James Reason angelangt.

          Sagen, wenn man schlecht geschlafen hat

          Das Modell soll veranschaulichen, dass hinter großen Unglücken wie Flugzeugabstürzen immer sehr viele einzelne menschliche Fehler stecken. Sie entstehen dann, so die Theorie, wenn sich die Fehlentscheidungen verketten wie die Löcher von mehreren Scheiben Schweizer Käse. „Das Problem ist, man weiß nie, ob man vielleicht die letzte Käsescheibe in der Reihe ist“, sagt Kaiser. Deshalb sei Sicherheit das oberste Gebot im Flugzeug. Konkret bedeutet das, die vielen Regeln an Bord genau zu beherrschen und zu befolgen.

          Das gilt vor allem in puncto Schlaf, eines der wichtigsten Themen an Bord. In der Luftfahrt geschehen viele Unfälle wegen Übermüdung der Crew. Auf Langstreckenflügen könne es vorkommen, dass man zu wenig Schlaf bekomme, sagt Lindner. „Deshalb müsst ihr sagen, wenn ihr schlecht geschlafen habt.“ Die Piloten müssten sich auf die Crew verlassen können. „Wir sind die Augen und Ohren des Cockpits.“

          Kennt sich besser in Las Vegas als in Frankfurt aus

          Kaiser und Lindner sprechen aus Erfahrung. Lindner ist seit 18 Jahren Flugbegleiterin, Kaiser sogar seit 30 Jahren. Kaiser hat zuerst Zahnmedizin studiert. Flugbegleiterin wurde sie zunächst nur, um sich ihr Studium zu finanzieren. „Nach einiger Zeit habe ich dann gemerkt, dass mir das mehr Spaß macht.“ Leidenschaft für das Fliegen und fremde Kulturen seien der Grund, aus dem sie sich für die Ausbildung entschieden hätten, erzählen viele der jungen Frauen in der Pause. Kristin Süss hat wie viele ihrer Kurskameradinnen gerade Abitur gemacht. Weil sie immer schon viel gereist ist, will sie Flugbegleiterin werden. Später plant sie, mit einem Teilzeitmodell von Condor zu studieren. Madlan Josse hat ihr Studium schon hinter sich. Nachdem sie ein Jahr lang in den Vereinigten Staaten war, hat die 27 Jahre alte Betriebswirtin sich dafür entschieden, ihren Traum zu verwirklichen und Stewardess zu werden.

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