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Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe : Viel mehr als nur Sprachunterricht

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Einsatz für Flüchtlinge: Ronjit Medda von „Teachers on the road“ (stehend) hilft einem Mann im IG-Metall-Haus beim Lernen der deutschen Sprache. Bild: Norbert Müller

Flüchtlinge können bei den Freiwilligen von „Teachers on the road“ Deutsch lernen. Viele sind wissbegierig. Das, was sie von ihrem Schicksal berichten, geht unter die Haut.

          Ronjit Medda klebt bunte Schilder an die Tafel: „Ich bin“, „Du bist“, „Er, sie, es ist“. Heute ist er besonders gefordert. Das improvisierte Klassenzimmer im IG-Metall-Haus an der Wilhelm-Leuschner-Straße platzt aus allen Nähten. Stühle gibt es für etwa 25 Personen. An diesem Donnerstagabend sind mehr als 30 Lernwillige gekommen. Medda und seine Lehrerkollegen Stien Höhn und Annalina Böcher begrüßen jeden einzelnen. Ihre Botschaft ist: Hier seid ihr alle willkommen! Es sind mehrheitlich Männer, die sich auf engstem Raum zusammenfinden. „Wow. Schon wieder jemand, den wir noch nicht kennen“, sagt Medda. Es ist 19 Uhr. Er staunt über den großen Andrang und darüber, dass immer wieder neue Flüchtlinge donnerstags den Weg zu ihnen finden.

          Medda, der Ingenieurwissenschaft in Mainz studiert, prüft jede Woche aufs Neue die Flipchart-Tafel. An weißem Papier mangelt es heute auch. Aber die „Teachers on the road“, wie sich die ehrenamtlichen Deutschlehrer nennen, sind Improvisation gewohnt. Seit 2013 bieten sie Asylbewerbern, die in Deutschland keinen Rechtsanspruch auf Deutschkurse haben, an vielen Orten in Hessen und Rheinland-Pfalz unentgeltlich Unterricht. Mittlerweile sind es etwa 150 freiwillige Helfer, 70 allein in Frankfurt. Der Unterricht findet hier von Montag bis Freitag statt, unter anderem in den Räumen des Gewerkschaftshauses.

          In Flüchtlingslagern „wie Dreck“ behandelt

          Die Deutschkurse sind nur eines von vielen Hilfsangeboten, die das Netzwerk in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt hat. Ob Wohnungssuche oder Behördengang: Die Teachers - wie sie kurz heißen - kümmern sich um die Neuankömmlinge und integrieren sie in den Alltag. Viele Flüchtlinge kommen aus Afrika und dem arabischen Raum. Medda und seine Freunde unterstützen Menschen wie den Marokkaner Abdelrani, der zunächst sein Heimatland und Jahre darauf auch Italien verließ, um in Deutschland nach beruflichen Perspektiven zu suchen. Das sogenannte Dubliner Übereinkommen sieht vor, dass ein Asylantrag in dem Land gestellt werden muss, in dem ein Asylbewerber nachweislich zuerst eingereist ist. „Diese Regelung ist für viele ein Problem“, sagt Medda. Auch für Abdelrani. Eigentlich müsste er zurück nach Italien.

          Kriegsflüchtlinge wie die Syrer Ahmad Almolawi und Mohamad Ismail profitieren vom selbstlosen Engagement der Teachers. „Niemand verlässt seine Heimat aus Spaß“, sagt Medda. Die jungen Männer erzählen, dass sie zunächst in einem Flüchtlingslager waren. Sie berichten von menschenunwürdigen Zuständen und Behörden, die sie „wie Dreck“ behandelt hätten. Die beiden wirken müde und ausgelaugt. In einer Ecke lauschen sie den Worten der Deutschlehrer, die sie kaum verstehen. „Wie können die Behörden von uns Flüchtlingen erwarten, dass wir von Anfang an fließend Deutsch sprechen?“, fragt Ismail und erzählt, dass er auch nach Deutschland kam, um sich operieren zu lassen. Er war im Krieg in Syrien verletzt worden. Auf die Operation wartet er bis heute. „Ich habe mir das Leben in Deutschland anders vorgestellt.“

          Um an der Gesellschaft teilzuhaben

          Der Syrer Almolawi hat seine vom Krieg gebeutelte Heimat verlassen, um in Deutschland noch einmal von vorne anzufangen. „Ich würde hier gerne als Fotograf arbeiten“, sagt er und erzählt auf Arabisch, dass ihm das Sozialamt ein Hotelzimmer in Frankfurt zugewiesen hat. Der Staat ist verpflichtet, Asylbewerbern eine Unterkunft und Hilfe für den Lebensunterhalt zu gewähren. Arbeiten darf Almolawi noch nicht. Erst muss sein Asylantrag genehmigt werden.

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