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Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe : Viel mehr als nur Sprachunterricht

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Anders ergeht es Hilda aus Ghana. Die Neunundzwanzigjährige erzählt, dass sie mit ihrem Mann seit mehr als einem Jahr in Niederrad lebt und als Reinigungskraft arbeitet. Hilda möchte schneller Deutsch lernen, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Heute sitzt sie auf dem Boden und notiert die Sätze, die sie an der Tafel liest. „Das Verb steht im deutschen Aussagesatz immer am Ende“, wiederholt Medda mehrmals. Der junge Mann gestikuliert wild und erklärt die Grammatik auf Deutsch und Englisch. Seine Kollegin Böcher erläutert die Zusammenhänge auf Französisch. „Bitte nur Deutsch“, ruft Abdelrani, der sich besonders oft zu Wort meldet.

Die Kinder müssen im Hotel warten

Für die Teachers ist es jedes Mal eine große Herausforderung, alles nur auf Deutsch zu erklären. „Das ist eine heterogene Gruppe. Hier sitzen Anfänger und Fortgeschrittene in einem Raum“, sagt Medda. Es ist auch eine Mischung aus Akademikern und Menschen ohne Berufsqualifikation. Das macht den Unterricht besonders schwierig. Dennoch scheint alles erstaunlich gut zu funktionieren. Zumindest in den ersten 30 Minuten. Die Schüler stellen viele Fragen und schreiben mit. Immer wieder fallen Sätze, die mit „Why“ beginnen. Englisch verstehen die meisten. Für den Rest ist es umso schwieriger, dem Unterricht zu folgen.

Abdelrani sitzt weit vorne und blickt gebannt an die Tafel. Er wirkt ungeduldig. Der Vierundvierzigjährige lebt erst seit drei Monaten in Deutschland. Zwölf Jahre lang hatte er als Bauzeichner in Italien gearbeitet, bis die Krise ausbrach und er seine Anstellung verlor. Seine Familie hat er zurückgelassen. Finanzielle Unterstützung erhält er nur von Verwandten aus Marokko.

Die Eheleute Ahmad Fallaha und Heba Dar sitzen mit ihrem Neffen Wissam Raruani nur wenige Zentimeter vor den Lehrern. Sie hören genau hin und notieren sich die neuen Vokabeln. Das Ehepaar hat drei Kinder, die heute im Hotel warten müssen. Seit zwei Monaten ist die Familie dort untergebracht. „Ich hoffe, dass wir bald eine Wohnung finden. Die Lehrer helfen uns, wo sie nur können. Wir sind sehr dankbar“, sagt Dar. Die junge Frau ist immer wieder den Tränen nahe. Über mehrere Länder hat sie ihre Flucht aus dem syrischen Bürgerkrieg geführt. In einem winzigen Boot mit 250 Flüchtlingen an Bord ist die Familie von Libyen nach Italien und von dort mit dem Zug nach Deutschland geflohen. „Wenn wir dir unsere Geschichte erzählen würden, würdest du nur noch weinen“, sagt ihr 24 Jahre alter Neffe, der viel älter aussieht, als er ist. Er freut sich immer wieder, wenn er ein neues Wort lernt.

„Ich möchte endlich arbeiten“

Der Unterricht endet um 20.30 Uhr. Raruani würde am liebsten länger bleiben. Nicht allen Anwesenden geht es so wie ihm. Viele können sich in dem überfüllten Raum mit so vielen unterschiedlichen Menschen kaum konzentrieren. Die Lehrer werden nicht allen Bedürfnissen gerecht, obwohl sie die Gruppen aufteilen und immer wieder fragen, was die Schüler schon gelernt haben.

Abdelrani zieht nach dem Unterricht sein Diplom aus der Tasche. In Italien hätten ihm noch zwei Jahre gefehlt, um das Ingenieurstudium abzuschließen, erzählt er. Seinen Lebenslauf hat er auch dabei. Sogar auf Deutsch. Die Teachers sind beeindruckt. „Wo kann ich mir meinen Abschluss anerkennen lassen?“, fragt er auf Englisch, Französisch und Arabisch. Er möchte sichergehen, dass sein Anliegen auch verstanden wird. Das Lehrerteam überlegt. „Wir schauen uns das an und sagen dir dann Bescheid“, versprechen sie. Abdelrani wirkt erleichtert. „Ich möchte endlich arbeiten“, sagt er. So wie fast alle, die sich freundlich verabschieden: „See you next week!“

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