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Flüchtlingshilfe : Kinderwagen dringend gesucht

Gesucht: Familien auf dem Neckermann-Areal fehlen oft Kinderwagen. Bild: dpa

Für vieles ist bereits gesorgt, doch manche Alltagsdinge fehlen Frankfurter Flüchtlingen auf dem Neckermann-Areal einfach. Familien brauchen oft einen Kinderwagen und werden erfinderisch.

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          Die Eltern der fünf Tage alten Kaffia freuen sich: Sie haben einen der Kinderwagen ergattert, die Frauke Ackfeld in die Fechenheimer Flüchtlingsunterkunft gebracht hat. Zusammen mit anderen ehrenamtlich engagierten Bürgern hat sie die gebrauchten Wagen und Buggys für die Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Neckermann-Areal gesammelt.

          Livia Gerster
          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach Ankunft der Lieferung hatten sich sogleich Menschentrauben um die Wagen gebildet. „Baby, Baby!“, riefen zwei Väter, auf ihre Kinder deutend. „Ich brauche den Kinderwagen unbedingt für mein Kleines!“, sagte eine syrische Mutter energisch und war schon im Begriff, ihr Kind hineinzulegen. Mit vielen Entschuldigungen musste Koordinatorin Manuela Freitag ihr den Buggy wieder entreißen. Immer wieder fiel das Wort „Warteliste“. „Aber ich warte doch schon seit zwei Monaten!“, klagte die Syrerin. „In einem Jahr kann mein Kind laufen.“

          Kinder einfach in Einkaufswagen gelegt

          Obwohl die Kleiderkammern voll sind und sich die ehrenamtlichen Helfer vor gespendeten Klamotten kaum retten können, fehlen bestimmte Dinge nach wie vor: Außer Kinderwagen sind das Koffer und Taschen. Wenn die Flüchtlinge nach sechs Wochen von der Erstaufnahmestelle an der Hanauer Landstraße in ein Flüchtlingsheim ziehen, packen sie ihr Hab und Gut in Müllsäcke.

          Frauke Ackfeld vom Netzwerk Inklusion Frankfurt hatte gesehen, wie Flüchtlinge ihre Kinder in Einkaufswagen herumfuhren. Da kam ihr die Idee mit den Kinderwagen: „Als dreifache Mutter weiß ich, wie anstrengend es ist, sich mit kleinen Kindern zu bewegen.“ Von der Resonanz auf ihre Initiative war sie überwältigt. Viele seien froh gewesen, Abnehmer für die seit Jahren im Keller stehenden Kinderwagen zu finden.

          Die Mutter von Kaffia ist aus Somalia über Libyen mit dem Boot nach Europa gekommen. Für ihre in Deutschland geborene Tochter wünscht sie sich ein besseres Leben. Kaffia schlummert im neuen Kinderwagen. „Bald kann sie besser Deutsch als ich!“, sagt ihre Mutter lachend.

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