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Fachkräfte für die Pflege : Flüchtlinge sollen in sozialen Berufen arbeiten

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Mangelberuf: Ein afghanischer Flüchtling und staatlich geprüfter Altenpfleger beim Brettspielen. Bild: Frank Röth

Ein Förderprogramm der Landesregierung soll Flüchtlinge mit einer Bleibeperspektive auf eine Ausbildung vorbereiten. Die Integration stellt eine große Aufgabe dar.

          Der Fachkräftemangel in sozialen Berufen wie der Altenpflege wird laut Prognosen in den nächsten Jahren weiter steigen. Zugleich stellt die Integration von Flüchtlingen und Menschen mit ausländischen Wurzeln eine große Aufgabe dar. Die Landesregierung hat jetzt deswegen das Förderprogramm „Sozialwirtschaft integriert“ aufgelegt. Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) übergab gestern in Wiesbaden die Förderbescheide an sieben Projektträger aus ganz Hessen, deren Konzepte als erfolgversprechend angesehen werden.

          Das Programm soll laut Grüttner Flüchtlinge mit guter Bleibeperspektive darauf vorbereiten, eine Ausbildung in einem sozialen Beruf anzutreten. „Die Berufe der Sozialwirtschaft sind der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält“, sagte Grüttner; Integration könne nur dann funktionieren, wenn sich die Zugezogenen auch in den Arbeitsmarkt einbrächten.

          Zeitintensive Integration

          2015 gab es in Hessen etwa 226.000 Arbeitsplätze im sozialen Sektor. Aktuellere Zahlen lägen nicht vor, so Grüttner. Aber: Von 2008 bis 2014 habe sich das Angebot verdreifacht, auch in diesem Jahr steige der Bedarf. Die Zahlen verdeutlichen, welche Probleme auf die Gesellschaft zukämen, wenn der Fachkräftemangel nicht behoben werde. Das Sozialministerium hat 10,4 Millionen Euro bereitgestellt, um die sieben Projekte bis zu fünf Jahre lang zu unterstützen.

          Auf die Frage, ob das angesichts des hohen Bedarfs ein zu geringer Betrag sei, verwies Grüttner auf weitere Förderangebote, um den Fachkräftemangel zu beheben. Zudem handele es sich um eine Aktion zur Integration von Flüchtlingen, und das brauche Zeit. „Es bedarf einer langen Begleitung“, sagte der Minister.

          40 Projektträger hatten sich mit ihren Konzepten um die Fördergelder beworben. „Unsere Erwartungen wurden übertroffen“, sagte der Minister. Jedes der sieben ausgewählten Projekte erhält jetzt rund 1,5 Millionen Euro, um die Menschen für eine Berufsausbildung zu qualifizieren.

          Qualifikation für die Ausbildung sammeln

          Fördergelder bekommt zum Beispiel das Projekt „Perspektive Gesundheitsberufe“ der privaten Initiative „Bildungsprofis“ aus Frankfurt. Die gemeinnützige Gesellschaft will neue Wege entwickeln, um Flüchtlinge und Menschen mit sprachlichem Förderbedarf in Gesundheitsberufe zu vermitteln. Geschäftsführerin Petra Rahn will in den nächsten drei Jahren rund 100 Flüchtlinge entsprechend schulen. Dabei geht es spartenübergreifend um alle Gesundheitsberufe. Die Landesunterstützung diene als Grundfinanzierung, sie wolle noch weitere Gelder einwerben.

          Die Stadt Wiesbaden war mit dem Projekt „Ausbildung zur Altenpflegehilfe APH intensiv“ erfolgreich. Ihm geht es darum, Flüchtlinge so weit zu qualifizieren, dass sie eine Ausbildung in der Altenpflegehilfe beginnen können. Während der Programmlaufzeit werden vier Kurse, die jeweils 15 Monate dauern, angeboten. 80 Menschen sollen später die Ausbildung beginnen können. Zugleich werden in Wiesbadener Einrichtungen der Altenpflege 20 Ausbildungsplätze geschaffen, in denen Flüchtlinge eine Ausbildung absolvieren können. Projektpartner sind Evim und die Bauhaus Werkstätten, wie Wiesbadens Sozialdezernent Christoph Manjura (SPD) erläuterte.

          „So Wirt’s“ heißt das Projekt aus Darmstadt und dem Kreis Darmstadt-Dieburg, das ebenfalls Migranten auf eine Berufsausbildung vorbereiten will. Die Darmstädter arbeiten mit Berufsschulen zusammen und möchten Sprachkenntnisse fördern und „interkulturelle Kompetenzen“ lehren. „Die hohe Bereitschaft der Menschen, in diesen Berufen zu arbeiten, ist ein großer Schatz, den wir mit diesem Projekt heben können“, sagte Darmstadts Sozialdezernentin Barbara Akdeniz (Die Grünen). Die Teilnehmer sollen auch während der anschließenden Ausbildung begleitet und unterstützt werden.

          Die sieben Projektträger äußerten übereinstimmend, dass es nicht nur um Integration gehe, sondern auch darum, den Fachkräftemangel in sozialen Berufen zumindest zu lindern. „Es gibt zu viele Menschen, die wegen fehlender Abschlüsse nicht in diesen Berufen arbeiten können, die aber eine hohe Affinität und Motivation dafür haben“, erläuterte Grüttner. Gleichwohl ist seinen Angaben nach nicht bekannt, wie viele Fachkräfte in Hessen in den nächsten Jahren für soziale Berufe gesucht werden.

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