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Kommentar : Eine natürliche Reaktion von Rentsch

Sieht für sich offenbar mehr Chancen in der Bankenwelt als in der Politik: Florian Rentsch Bild: dpa

In der Bundespolitik hat er offenbar keine Perspektive für sich gesehen. Nun wechselt Florian Rentsch vom Posten des FDP-Fraktionschefs im hessischen Landtag in die Wirtschaft. Ein herber Schlag für seine Partei.

          Das ist ein herber Schlag für die hessische FDP, und er kommt zur Unzeit. Im Fraktionsvorsitzenden Florian Rentsch verlässt der Steuermann das liberale Schiff, das gerade erst wieder seetüchtig geworden ist. Auch wenn er für Berlin nicht zur Wahl stand, ist das eine Schwächung der hessischen Liberalen mit Blick auf die Bundestagswahl. Im Wahlkampf wird er fehlen.

          Rentsch ist eine politische Begabung, wie es sie selten gibt: eloquent mit jenem Schuss Frechheit, der Schlagzeilen sichert, ohne dass dafür die Seriosität geopfert würde. Offen und zugewandt im Umgang mit Bürgern wie mit Politikern anderer Parteien. Zudem verfügt er über taktische und strategische Fähigkeiten. Dass er in seiner kurzen Zeit als Landesminister nicht jedes Thema in ganzer Tiefe durchdrungen hat und mitunter zu populistischen Schnellschüssen neigte, darf man seiner Jugend zuschreiben.

          Bouffier erzürnt

          Als Oppositionspolitiker wird Rentsch schwer zu ersetzen sein: wahlweise mit Florett oder Säbel hat er die zur Selbstgerechtigkeit neigende CDU-geführte Landesregierung gepiesackt. Dass Ministerpräsident Volker Bouffier ernsthaft erzürnt war über den unbotmäßigen jungen Mann, der die FDP nicht als Reservepartner der Union bereithalten wollte, darf der als Auszeichnung werten.

          Stellt sich die Frage, warum das political animal Rentsch die Politik verlässt, einmal abgesehen von den hübschen finanziellen Perspektiven, die mit dem neuen Job verbunden sein dürften. Wenn sich nach so vielen Jahren im Landtag eine gewisse Routine einstellt, ist es für einen ehrgeizigen Mann von 42 Jahren eher eine natürliche Reaktion, sich nach Alternativen umzuschauen. Selbst eine nach 2018 eventuell mögliche Rückkehr in das Landeskabinett musste ihm wenig attraktiv erscheinen; das kennt er schon, und er weiß, wie bescheiden die Spielräume eines Landesministers sind.

          Und die Bundespolitik? Dass Rentsch kurz vor der Bundestagswahl die Seiten wechselt, deutet darauf hin, dass er sich auch für den Fall einer Rückkehr der FDP an die Macht keine Chancen in Berlin ausgerechnet hat. In Generalsekretärin Nicola Beer hätte dort eine Hessin den ersten Zugriff; danach wären erst einmal viele andere Landesverbände an der Reihe.

          Der Abgang Rentschs wird in der hessischen FDP personelle Weiterungen haben. Es gilt als ziemlich sicher, dass René Rock neuer Vorsitzender der Fraktion wird. Schon bald wird sich auch die Frage nach dem Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 stellen. In erster Linie wäre der Landesvorsitzende Stefan Ruppert gefragt, doch der sieht seine Zukunft offenbar in der Bundespolitik. Die Geschlossenheit der hessischen FDP in den vergangenen Jahren könnte bald auf die Probe gestellt werden.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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