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Videobotschaft an die Bürger : Urbi et orbi aus Flörsheim

Drehort Stadthalle: Bernd Blisch nimmt jede Woche eine Videobotschaft für seine Bürger auf. Bild: Samira Schulz

Der Flörsheimer Rathauschef Bernd Blisch wendet sich jeden Freitag mit einer Videobotschaft an die Bürger. Wie läuft so ein Dreh eigentlich ab?

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          Auf dem Platz vor der Stadthalle weht ein leichter Wind, und Bernd Blisch fährt sich mit der Hand durchs Haar. Dann sagt der Flörsheimer Bürgermeister: „Gut, ich wäre so weit.“ Der Mitarbeiter aktiviert die Digitalkamera auf dem Stativ. Die Aufzeichnung von „Blisch am Freitag“ läuft.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vorher hat es eine kurze Diskussion gegeben: Im Sitzen oder im Stehen? Der 57 Jahre alte CDU-Politiker hat sich auf dem Rand einer Skulptur niedergelassen. Das städtebauliche Kunstwerk sieht aus wie drei aus der Fasson geratene Badewannen aus Beton, eine in Weiß, eine in Ocker, eine in Terrakotta. Blisch sitzt auf der weißen Wanne. Oder sollte er lieber stehen? Blisch erhebt sich. Mitarbeiterin Corinna Allendorff findet „das mit dem Sitzen gar nicht so verkehrt, bisschen locker“. Aber Hauptsache, die Stadtbücherei ist gut im Bild – außer der Stadthalle das zweite schmuckarme Gebäude an dem grau gepflasterten Platz, der sonst nur ein paar verwehte sommergrüne Platanenblätter zu bieten hat. Und an diesem Morgen eben den Bürgermeister vor der Skulptur.

          Untertitel für Gehörlose

          Die Bücherei ist der Grund, warum Blisch, Allendorff und Andreas Wörner diesmal diesen Platz als Drehort ausgesucht haben. Wörner ist stellvertretender Leiter des Hauptamts und der Mann hinter der Kamera. Normalerweise gehört auch Hauptamtsleiterin Katrin Remsperger zum Team, aber mit der wird Blisch erst später am Tag zu einer Arbeits-Wanderung aufbrechen.

          In der Hand hält Blisch ein bunt bedrucktes Blatt. Unten steht „Stadtbücherei“ und oben „Flörsheim-Rallye“. Es geht um eine Handy-Schnitzeljagd für Familien. Bis zum Ende der Sommerferien können Kinder und Erwachsene QR-Codes scannen, Rätsel lösen und so alle Stadtteile genauer kennenlernen. Darüber will Blisch gleich reden. Er ist schon für die Wanderung gekleidet: Polohemd, dunkelblaue Jeans, Sakko, dazu Brille und braune Leder-Sneakers. Der Oberlippenbart ist dunkler als das Haar. Ein andermal hat Blisch sein Video im dunklen Anzug mit Krawatte aufgenommen. Damals war ein Altbürgermeister verstorben, zu dessen Beerdigung Blisch anschließend gehen musste.

          An diesem Tag scheint die Sonne, als der Bürgermeister anhebt. „Guten Morgen, liebe Flörsheimerinnen und Flörsheimer, diesmal von der Stadthalle einen schönen guten Morgen und eigentlich eben auch von der Stadtbücherei hinter uns, denn heute ist, wenn man so will, der letzte Schultag, wenn nicht Corona wäre, wäre zumindest heute der letzte Schultag, und ab Montag beginnen die Ferien.“ Was Andreas Wörner hinter der Kamera jetzt denkt, weiß nur er selbst, aber Blisch selbst hat vor dem Gespräch verraten, dass der stellvertretende Hauptamtsleiter immer die Sätze abtippt, die der Bürgermeister im Wochen-Video sagt. Weil unter den 3000 der 22.000 Flörsheimer, die das Video regelmäßig schauen, auch ein paar Gehörlose sind. Blisch berichtet, dass ihn das Lesen der Untertitel seines eigenen Textes diszipliniere, hin und wieder kürzere Sätze zu bilden. Klappt nicht immer – und ist auch nicht nötig. Worum es geht, verstehen die Betrachter auch so, denn Blischs Sätze mögen lang sein, aber sie sind klar. Schnell kommt er zur Rallye. Viele können nicht wegfahren, aber auch in Flörsheim können die Bürger etwas unternehmen – „mit Handy und viel Kreativität und viel Gehirnschmalz“.

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