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Mülldeponie in Flörsheim : Frieden in der Nachbarschaft

Sorgt für Proteste: die geplante Erweiterung der Mülldeponie in Flörsheim-Wicker Bild: Rhein-Main Deponie GmbH

Die Bewohner von Flörsheim und Hochheim sind gegen die Erweiterung der Mülldeponie im Flörsheimer Stadtteil Wicker. Um Spannungen aufzufangen, müssen die Planer den Anliegen der Bürger Gehör schenken.

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          Die Flörsheimer haben schon viel mitgemacht und müssen einiges ertragen. Sie leiden unter Fluglärm und das mehr denn je, seit die neue Landebahn im Kelsterbacher Wald in Betrieb ist, trotz aller Proteste gegen den Ausbau des Flughafens. Die Bewohner von Weilbach müssen den Durchgangsverkehr durch ihren Stadtteil erdulden. An Weilbach vorbei verläuft außerdem die ICE-Strecke von Frankfurt nach Köln. Auch bei deren Planung in den neunziger Jahren gab es Protest. Bei einer Versammlung kamen damals einer Weilbacherin die Tränen, weil sie sich machtlos dem Handeln der planenden Behörden ausgeliefert fühlte.

          Nun regt sich wieder Protest, und zwar gegen die Erweiterung der Mülldeponie im Flörsheimer Stadtteil Wicker. Die Belastungen, die damit verbunden sind, treffen seit Jahrzehnten neben den Flörsheimern auch die Bewohner der Nachbarstadt Hochheim. Die Müllberge liegen zwischen deren Kernstadt und dem Stadtteil Massenheim. Und sie sollen weiterwachsen, noch 20 Jahre lang, noch 20 Meter höher.

          Spannungen auffangen

          Doch seit den Neunzigern haben die Planer dazugelernt. Damals, vor dem Bau der ICE-Strecke, durften die Anwohner nur zu einer Anhörung kommen, die als Teil des Genehmigungsverfahrens vorgeschrieben war. Sie konnten kaum Einfluss auf das Vorhaben nehmen. Hat das Genehmigungsverfahren einmal begonnen, stehen die Pläne mehr oder weniger fest, meist geht es nur noch um Details. Anders als früher üblich gibt es nun für die Deponiepläne eine Bürgerbeteiligung schon lange vor dem Antrag auf eine Genehmigung, also vor dem gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren mit seinen formellen Anhörungen.

          Das ist richtig. Die Anwohner haben einen Anspruch auf einen fairen Ausgleich der Interessen, und ein solcher beginnt mit einer Verständigung, bevor die Pläne feststehen. Eine informelle Beteiligung kann Spannungen auffangen und die Nachbarschaft befrieden.

          Für den Weiterbetrieb der Deponie gibt es gute Argumente. Dafür sprechen vor allem wirtschaftliche Gründe und die normative Kraft des Faktischen, weil es kaum gelingen wird, eine neue Deponie anderswo im Rhein-Main-Gebiet durchzusetzen. Gerade deshalb müssen die Planer den Anliegen der Bürger in der Umgebung Gehör schenken.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

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