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Verkehr der Zukunft? : Mit dem Flugtaxi zum Airport

Von Dubai lernen: Ein sogenannter Volocopter, eine deutliche Entwicklung, überfliegt die Metropole. Bild: Nikolay Kazakov

Wie sieht der Verkehr der Zukunft aus? Wiesbaden macht sich gedanklich mit einem weiteren Transportmittel vertraut. Doch sind Lufttaxis eine Antwort auf das wachsende Mobilitätsbedürfnis?

          Werden die Wiesbadener schon in wenigen Jahren ein Flugtaxi besteigen können, um sich hoch über den alltäglichen Staus auf der A66 und der A3 zügig und bequem zum Airport Frankfurt fliegen zu lassen? Nach Ansicht von Felix Toepsch und Jens Grabeleu vom Flughafenbetreiber Fraport ist das keine kühne Utopie oder vage Vision mehr, sondern schon mittelfristig Realität. „Der Regelbetrieb für Flugtaxis wird für das Jahr 2024 erwartet“, sagte Toepsch im Wiesbadener Ausschuss für Verkehr und Bauen. Dort hielt er einen Vortrag über „Personal Air Transport“, um die Wiesbadener auf die Zukunft einzustimmen. Denn die hessische Landeshauptstadt wird ebenso wie Mainz vermutlich innerhalb der Reichweite elektrisch betriebener Lufttaxis liegen.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Fraport beschäftigt sich offenkundig ernsthaft mit dem Zukunftsthema, seit 2017 ein Jungfernflug in Dubai weltweit für Aufsehen und Aufmerksamkeit sorgte. „Die Technik funktioniert“, meint Toepsch. Woran es bislang in Deutschland fehlt, sind ein tragfähiges Regelwerk, Konzepte für die Abfertigung der Passagiere am Boden und die Organisation und Koordination der Flüge in einem Luftraum, in dem es ohnehin eng zugeht.

          „Für jedermann erschwinglich“

          Fraport hat die Deutsche Flugsicherung und das Unternehmen Volocopter als „strategische Partner“ ins Boot geholt, um das Thema voranzubringen. Für Grabeleu sind Flugtaxis auch im Rhein-Main-Gebiet keine Frage des Ob, sondern nur des Wann. Sie könnten staugeplagte Metropolen zumindest punktuell entlasten, seien aber kein Massentransportmittel, sagt der Fraport-Manager. Er schätzt, dass bis 2021 ein Regelwerk für das Verkehrsmittel besteht und dass ein Erstflug – noch nicht autonom, sondern mit einem Piloten am Steuer – stattfinden kann.

          Mögliche Landeflächen seien wie bei einem Hubschrauber die Dächer exponierter Gebäude, aber auch Plattformen im Wasser seien denkbar. Für Fraport stellt sich die Frage, ob dort dann jeweils auch kleine Terminals entstehen werden, um Passagiere abzufertigen. Laut Grabeleu könnten Flugtaxis am Ende der Entwicklung „für jedermann erschwinglich“ sein.

          Verkehrsmittel der Zukunft?

          Dieser Satz war eine Replik auf Mutmaßungen im Ausschuss, es gehe bei Flugtaxis nur um ein Premium-Verkehrsmittel für wenige Betuchte. Sprecher von Grünen und Linkspartei gaben sich als Bedenkenträger zu erkennen und warnten vor Propellerlärm und Kollisionsgefahren. Claus-Peter Große (Die Grünen) passte die ganze Richtung nicht. Flugtaxis brächten Wiesbaden als Stadt nicht weiter, und noch mehr Kurzstreckenflüge könnten nicht die Lösung sein.

          Für Wiesbaden sei die Wallauer Spange, zur Stärkung des Bahnverkehrs, die bessere Lösung. Eine Haltung, die FDP-Fraktionschef Christian Diers als rückwärtsgewandt und technologiefeindlich kritisierte. Die Grünen hingen allzu sehr an den Verkehrsmitteln der Vergangenheit. Auch ihr Engagement für die Wiedereinführung der Straßenbahn sei dafür ein gutes Beispiel.

          Für Diers wird autonomes Fliegen in naher Zukunft Realität sein. Umso wichtiger sei es, Erfahrungen zu sammeln. Diers zeigt sich daher erfreut, dass der Magistrat nun gemeinsam mit anderen Städten der Region und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund die Potentiale der „regionalen autonomen Aeromobilität“ ausloten und die Ergebnisse in das Mobilitätsleitbild für Wiesbaden einfließen lassen soll.

          Für Diers wäre das Rhein-Main-Gebiet mit seiner hohen Bevölkerungsdichte, dem wachsenden Mobilitätsbedürfnis und dem Frankfurter Flughafen prädestiniert, um Modellregion für das autonome Fliegen zu werden. Für die CDU sieht die Stadtverordnete Nicole Röck-Knüttel (CDU) im Flugtaxibetrieb auch eine Chance für Wiesbaden als Standort internationaler Unternehmen.

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