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„Flic Flac“ : Flugnummern an der Zirkusstraße

  • -Aktualisiert am

Tollkühn: Auf ihren fliegenden Kisten schießen die Motorrad-Helden bei „Flic Flac“ durch das Zelt. Bild: Wonge Bergmann

„Flic Flac“, der Zirkus der anderen Art, ist wieder da. Statt Poesie gibt es jede Menge PS und statt Gefühl rasende Geschwindigkeit.

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          Die schwarz-gelbe Warnfarbe, in der sich „Flic Flac“ präsentiert, hat Direktor Benno Kastein bewusst gewählt: „Achtung!“, lautet die Botschaft, „hier geht’s gefährlich zu“. Und Tatsächlich: Die Motorradfahrer in der neuen Show „Exxtrem“, die jetzt im Zelt auf dem Güterplatz an der Mainzer Landstraße zu sehen sind, rasen an der Grenze zwischen Leben und Tod in wahnwitzigem Tempo zu neunt in einer Eisenkugel herum. Und auch die Akrobaten auf ihren BMX-Rädern und die Rollerblader riskieren Kopf und Kragen, wenn sie sich von einer 15Meter hohen Rampe in die Tiefe stürzen und sich nach diesem gewaltigen Anlauf in den Zelthimmel katapultieren.

          Höher, schneller, riskanter: Das ist schon immer das Motto von „Flic Flac“ gewesen, dem etwas anderen Zirkus, der nicht auf Familienzirkus machen, sondern eine schräge und aufregende Show präsentieren will. Und deshalb bläst bei „Flic Flac“ keine Kapelle den Zirkusmarsch, vielmehr treibt Musik von „Rammstein“ die Darbietung voran. Immer rockig und immer etwas proll, das ist „Flic Flac“ seit jeher gewesen, und das hat sich auch beim Comeback nch dreijähriger Pause nicht geändert.

          Eine Wucht

          2010, als ein missgelaunter und ausgelaugter Direktor Kastein den Betrieb einstellte, obwohl das Zelt immer voll war, sah es so aus, als ob seine Zirkus-Rüpel sich auf ewig in den Ruhestand verabschiedet hätten. Deutschland schien einen seiner wenigen guten Zirkusse verloren zu haben, Branche und Fans waren bestürzt. Doch der Zirkus-Verrückte Kastein hat es nicht lange ohne Manegen-Luft ausgehalten. Nach einer Reise nach Las Vegas kam er mit neuen Ideen und neuem Schwung nach Deutschland zurück - und plante den „Flic Flac“-Neustart. Mit Thomas Schütte, dem früheren Geschäftsführer von „Roncalli“, hat sich Kastein einen exzellenten Manager ins Zelt geholt, der ihn von den administrativen Aufgaben weitgehend entlastet und ihm ermöglicht, sich ganz auf das Programm zu konzentrieren.

          Und dieses Programm ist eine Wucht. Die Freestyle Jumper von „Air- Force“ auf ihren 250-Kubik-Motocross-Maschinen sausen durch die Luft und wagen dabei spektakuläre Tricks inklusive einem sensationellen Salto rückwärts. Möglich sind diese und andere Nummern von der Steilschanze, weil das „Flic Flac“-Zelt nicht die traditionelle Rundform hat, sondern eine 120 Meter lange und 60 Meter breite Straße bedeckt, an der entlang hüben wie drüben die Zuschauer sitzen. Die enorme Länge dieser Kampfbahn ermöglicht den Motorrad- und BMX-Fliegern die nötigen Anlaufwege.

          Ein super Clown

          Allerdings muss das Zirkuspersonal für die anderen Nummer jeweils die nötigen Utensilien mit Hilfe von Schleppern und Gabelstaplern in die Mitte des langgezogenen Zeltes ziehen. Doch „Flic Flac“ nutzt die Zugmaschinen clever für einzelne Nummer: Die Jongleure Ira Rizaeva und James Jean Micheletty werfen sich von einem Stapler zum anderen die Keulen zu und ziehen sich dabei auch noch aus. Auch der Puff der Trampolin-Truppe „Wall Street“, durch deren Fenster die Artisten das Haus im Flug betreten und verlassen, wird von einem Traktor in die Manege geschleppt.

          Eine Augenweide sind die 14Bodenturner, die auf der langen Zeltstraße Überschläge im Übermaß zeigen. Man fühlt sich an den Filmpionier Eadweard Muybridge und seine Serienaufnahmen menschlicher Bewegungen erinnert. Wieder im Programm sind die beiden Töchter des Direktors, Larissa mit einer scharfen Nummer am chinesischen Masten, die jüngere Tatjana als tänzerische Handstandakrobatin. Dazu wird noch eine schöne Schwungtrapez-Nummer von Nicolai Kuntz geboten sowie eine gekonnte Hand-auf-Hand-Darbietung von Dima&Dima. Bei allem Motorengeheule und PS-Gedröhne kommt die klassische Zirkusartistik also keineswegs zu kurz.

          Sogar einen Clown hat „Flic Flac“ im Programm. Nicht irgendeinen, sondern der Besten einer, nämlich Peter Shub. Der Star aus Philadelphia, der es bei „Roncalli“ zu Weltruhm gebracht hat, hat ein wenig Deutsch gelernt und spricht mit dem Publikum an einigen Stellen sogar Frankfurterisch. Es gibt bei aller Dramatik und allem Nervenkitzeln bei „Flic Flac“ also durchaus auch etwas zu lachen.

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