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Fleischhandel : Schweinebacken aus der Region - oder aus Osnabrück

Nicht nur aus der Region: Fleisch bei Frankfurter Metzgern Bild: Rosenkranz, Henner

Die Eröffnung der Frankfurter Fleischbranchen-Messe Iffa fällt mit dem Angrillen zusammen. Auf der Messe geht es auch um Regionalität. Doch längst nicht jedes Würstchen oder Steak von einem Metzger in Rhein-Main stammt von einem Tier aus der Region.

          Bei der Metzgerei Feldmann in Pfungstadt denken sie gerne an den 22. August vergangenen Jahres zurück. An jenem Tag traten 51 Fleischer aus dem Rhein-Main-Gebiet auf dem Frankfurter Liebfrauenberg an - zum „1.Frankfurter Würstchen-Casting“. Das Ergebnis: Das beste Frankfurter Würstchen kommt aus Pfungstadt, von Feldmann. Doch woher kommt die Rohware, aus der die südhessische Metzgerei die preisgekrönten Würstchen macht? Die Antwort aus dem Hause Feldmann: Sie kommt auch aus der Region. Ansonsten bezieht die Metzgerei ihr Schweinefleisch von einer Erzeugergemeinschaft nahe Osnabrück.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für die Frankfurter Würstchen braucht ein Fleischer vor allem Schweinebacken und Schulterstücke, wie es heißt. Diese Rohware kommt im Fall Feldmann vom Schlachthof in Bensheim, der seinerseits die Schweine aus seinem Umland bezieht, und von einem Händler im Taunus. Feldmann ist selbst kein Schlachtbetrieb mehr, wie ein Sprecher sagt, und deshalb auf Zulieferer angewiesen. Auf die Dienste der mittelständisch geprägten Erzeugergemeinschaft Osnabrück greift das Unternehmen nach eigenen Angaben aus Qualitätsgründen zurück, wenn es um Frischfleisch geht. Die von dort gelieferte Ware sei von gleichmäßig hoher und verlässlicher Güte. Und das sei letztlich entscheidend, um den Kunden gute Steaks, Lendchen oder Gulasch anbieten zu können. Entsprechende Rohware sei in Rhein-Main nicht so leicht zu finden.

          39 Kilogramm Fleisch pro Jahr

          Das wiederum hat einen einfachen Grund: Die Fleischproduktion in Hessen ist seit vielen Jahren ebenso rückläufig wie die Schlachtmenge. Nachdem 1975 noch knapp 1,65 Millionen Schweine geschlachtet worden waren, sank ihre Zahl bis 2011 auf 540000, wie das Statistische Landesamt ermittelt hat. Die Bestände an Schweinen, die jedoch nicht allesamt zur Schlachtung bestimmt sind, gingen von gut 727000 im Jahr 2008 auf 612000 im vergangenen Jahr zurück. Dabei spielt der Regierungsbezirk Darmstadt mit Frankfurt und Pfungstadt eher eine untergeordnete Rolle: Standen dort zuletzt 107000 Schweine, waren es im Schwalm-Eder-Kreis, dem hessische Schweinemastzentrum, mehr als 162000.

          Diesen Abwärtstendenzen steht ein seit Jahren stagnierender Pro-Kopf-Verzehr an Schweinefleisch gegenüber. Rund 39 Kilogramm isst ein Mensch in Deutschland im Schnitt im Jahr, wie der Deutsche Fleischer-Verband berichtet. Der Gesamtverzehr inklusive Rind, Huhn und Lamm belief sich auf 61 Kilogramm. Woher das Fleisch kommt, ist damit allerdings noch nicht gesagt. Klar ist: Hessen kann die Nachfrage der Fleischesser zwischen Kassel und dem Odenwald nicht alleine decken. Nach Berechnungen des Statistischen Landesamts von 2008 betrug der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch fast 46 Prozent und bei Rindfleisch gut 50 Prozent. Hessens Städte können sich laut Studie in Durchschnitt jeweils nur zu etwa einem Prozent selbst mit Fleisch versorgen. Insofern stößt der zuletzt infolge des Pferdefleischskandals vielfach formulierte Anspruch, Rohware aus der jeweiligen Region zu beziehen, an natürliche Grenzen.

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