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Fleisch als koscher verkauft : Bewährungsstrafen für Metzger

  • -Aktualisiert am

Die Wurst war koscher: eine Konserve aus dem Geschäft, in dem Akiwa H. und Leslie W. gewöhnliches Fleisch als koscher verkauft haben. Bild: Anna Jockisch

Sie haben übliches Fleisch als koscher ausgegeben. Für diesen Betrug sind Akiwa H. und Leslie W. zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft kündigt jedoch Revision an.

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          Die beiden Geschäftsführer eines koscheren Lebensmittelgeschäfts sind wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt worden. Sie hatten gestanden, gewöhnliches Fleisch als koscher verkauft zu haben. Metzger Akiwa H., der die Idee zu dem Betrug hatte, bekam zwei Jahre Haft auf Bewährung und muss 9000 Euro zahlen. Sein Geschäftspartner Leslie W. wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten sowie zur Zahlung von 7200 Euro verurteilt.

          „Der Betrug war fundamentaler Bestandteil des Geschäftsmodells der Firma“, sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht, Jörn Immerschmitt. So sei die Metzgerei um 2010 herum hoch verschuldet gewesen. Allein bei einem der Lieferanten von koscherem Fleisch standen rund 76.000 Euro aus. Weiter hätten H. und W. das besondere Vertrauen ihrer Kunden enttäuscht, von denen sie viele aus der Jüdischen Gemeinde persönlich kannten. Die Händler seien durch die soziale Ächtung nun schon hart gestraft. Das sei einer der Gründe, die beiden nicht vorbestraften Männer anders als von der Anklage gefordert zu einer Bewährungsstrafe zu verurteilen. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, das Urteil vom Bundesgerichtshof prüfen zu lassen.

          Schaden schwer zu berechnen

          Das Gericht hatte sich lange mit der Frage beschäftigt, was „koscher“ eigentlich bedeutet. Ein Rabbinatsgericht hatte befunden, H. und W. hätten keinen Verstoß begangen. Unter anderem deshalb hatten einige der ehemaligen Kunden des Ladens auf eine Anzeige verzichtet und erklärt, für sie gelte das damals gekaufte Fleisch weiter als koscher. Für das Landgericht ist das laut Urteil unerheblich: Wirtschaftlich betrachtet bleibe es Betrug, wenn jemandem nicht koscheres Fleisch als koscher verkauft werde, unabhängig davon, wie er es hinterher bewertet.

          Ebenso kompliziert ist die Berechnung des durch den Betrug entstandenen Schadens. Das Gericht sah es nach einer langen Beweisaufnahme als erwiesen an, dass die beiden Männer 2010 und 2011 insgesamt 27.000 Tonnen Fleisch verkauft haben, das entgegen ihrer Behauptungen nicht koscher war. Sie konnten dieses Fleisch demnach etwa zwei bis vier Euro je Kilogramm günstiger einkaufen und sparten zudem Transportkosten, die beim Import von koscherer Ware aus dem Ausland angefallen wären. So hätten sie mit ihrem Betrug 60.000 Euro Gewinn erzielt. Zum symbolischen Ausgleich wurde H. und W. auferlegt, zusätzlich zu ihren Geldstrafen jeweils 30.000 Euro an den Sportverein TuS Makkabi zu zahlen.

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