https://www.faz.net/-gzg-94m2q

Winterlichter im Palmengarten : In Licht und bunte Farben getaucht

Tierische Kulisse: Die Pferde-Silhouetten sind während der „Winterlichter“-Schau bis zum 21. Januar zu sehen. Bild: Maria Klenner

Der Palmengarten zeigt zum sechsten Mal seine „Winterlichter“, die den dunklen Garten zum Leuchten bringen. Der Künstler Wolfgang Flammersfeld hat die Idee dazu gehabt.

          2 Min.

          Als Wolfgang Flammersfeld vor mehr als zehn Jahren die Idee hatte, in Dortmund ein „Outdoor-Event“ im Winter zu organisieren, das über Wochen gezeigt werden sollte, erklärten ihn alle für verrückt. Der Satz „Du spinnst doch“ sei noch das Harmloseste gewesen, was er damals zu hören bekommen habe, berichtet der inzwischen Fünfundsechzigjährige. Dabei war Flammersfeld, der von sich sagt, er sei als Dozent für Rockmusik ausgebildet worden, im Event-Geschäft, das gemeinhin schon als extrovertiert gilt, schon kein Unbekannter mehr. Doch bis dahin hatte er Abend-Veranstaltungen lediglich im Auftrag anderer organisiert – nun wollte er in eigener Regie Lichteffekte mit Musik zusammenbringen und daraus ein Spektakel inszenieren. Für Flammersfeld lag es auf der Hand, die Idee Parks anzubieten, die im Winter gemeinhin unter Besuchermangel leiden.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Einstieg gelang 2006 im Westfalenpark in Dortmund. Dort wird das „Winterleuchten“ heute schon zum zwölften Mal eröffnet, zur gleichen Zeit wie die „Winterlichter“ im Frankfurter Palmengarten. Sie tauchen die den weitläufigen Park nun schon zum sechsten Mal in den frühen Abendstunden in buntes Licht. Mit Hilfe von Lasern und Strahlern werden Bilder und Effekte auf Bäume, Blätter, Wege und Wasserflächen projizieren, manches untermalt von Klängen.

          Lohnendes Geschäftsmodell

          Auch die Dortmunder waren zunächst ziemlich skeptisch. Der Musiker bot an, die Kosten der Installation selbst zu tragen, wollte dafür aber an den Einnahmen aus den Eintrittspreisen beteiligt werden. Für Flammersfeld hat sich dieses Geschäftsmodell, das er bis heute betreibt, gelohnt. In Dortmund kamen im ersten Jahr 6500 Besucher, und in den nächsten beiden Jahren verdoppelte sich die Gästezahl jeweils. Mittlerweile bietet der Künstler seine Ideen, Dienste und selbstgefertigten Installationen zahlreichen Städten an, darunter außer Dortmund und Frankfurt auch Mannheim und Erfurt. Und erst Anfang November hat er die frühere Bundeshauptstadt mit „Bonn leuchtet“ für ein Wochenende illuminiert.

          Nach Frankfurt kommt Flammersfeld seit 2012. Auch hier sind die „Winterlichter“ ein Erfolg: Während im ersten Winter gut 15000 Besucher kamen, waren es vor einem Jahr schon knapp 33000. Und Palmengartendirektor Matthias Jenny hofft, dass es in diesem Winter noch einmal mehr werden. Schließlich seien die „Winterlichter“ die „schönsten Art den Winter im Palmengarten zu inszenieren und leuchten zu lassen“. Zusammen mit der vor einer Woche eröffneten Weihnachtsausstellung im Palmenhaus will Jenny mit Ruhe und besinnlicher Stimmung einen „attraktiven Gegensatz zur lauten, umtriebigen Stadt“ bieten.

          Eine Stunde auf den Spuren Flammersfelds

          In den vergangenen Tagen ist Flammersfeld mit mehreren Lastwagen aus Unna angereist, um alles herzurichten. Von heute bis zum 21.Januar bleibt der Palmengarten nun jeden Abend bis 21 Uhr geöffnet, der letzte Einlass ist um 20 Uhr. Nur an Heiligabend und Silvester schließt der Park mit der Dämmerung. Auch der öffentliche Nahverkehr stellt sich auf die „Winterlichter“ ein: Die Buslinie 75 verkehrt in den Wochen der Installation bis 21.30Uhr.

          Gut eine Stunde sind die Besucher unterwegs, wenn sie den Lichtspuren Flammersfeld folgen wollen. Gleich zu Beginn am Oktogonbrunnen wird die Wasserfontäne als Projektionsfläche für Videobilder genutzt, unterlegt mit Musik der Sängerin Enya. Ein paar Schritte weiter präsentiert sich eine ganze Reihe von vermeintlichen Strichmännchen, die in bunten Farben getaucht werden. Aus Holz gefertigte Pferdesilhouetten tauchen unter alten Bäumen auf und scheinen dort zu grasen, Flammersfeld nennt das die „Mädchen-Abteilung“. Im haushohen Bambus sind Spiegelkugeln installiert, die alles glitzern lassen. An anderer Stelle scheint ein Würfel in der Luft zu schweben, und leuchtende Reifen bilden einen „Zeittunnel“. Übergroße Schneeglöckchen sprießen ebenso wie riesige, bunte Blüten aus dem Rasen. Und auf dem Dach thront leuchtend der „Palmenhaussitzer“.

          Weitere Themen

          „Empört Euch !? – Arm im Wohlfahrtsstaat“ Video-Seite öffnen

          Ökumenischer Kirchentag : „Empört Euch !? – Arm im Wohlfahrtsstaat“

          Die Deutschen leben in einem reichen Land, das Milliarden Euro mobilisieren kann, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu bekämpfen. Und dennoch sind viele Menschen arm. Ein Gespräch zwischen Georg Cremer, ehemaliger Generalsekretär der Caritas, und Joachim Rock, Abteilungsleiter im Paritätischen Gesamtverband. Aus der Gesprächsreihe „Schaut hin- zum Ökumenischen Kirchentag 2021“.

          Topmeldungen

          Sonnenbaden im Kreis der Familie - ist aber nicht überall erlaubt

          Alle Länder im Überblick : Darf ich an Ostern Verwandte besuchen?

          Picknick im Park, Reisen in andere Bundesländer oder zum Zweitwohnsitz, Osterfeier mit den Verwandten oder Sonnenbaden im Park: Was in der Corona-Krise in welchem Bundesland noch erlaubt ist.
          Mit Mundschutz an Bord: die Crew der „Alan Kurdi“

          Rettungsschiff „Alan Kurdi“ : Es fehlt schon an einem Hafen

          In Corona-Zeiten können Bootflüchtlinge nicht verteilt werden. Italien meint, Berlin solle sich um die 150 Flüchtlinge auf dem Rettungsschiff „Alan Kurdi“ kümmern. Ist das so?
          Liberal und weltoffen: Mit Ole von Beust konnte die CDU in Hamburg in urbanen Milieus noch stark punkten

          Schwache Wahlergebnisse : Die Großstadt-Kleinpartei CDU

          Die CDU verliert in den großen Städten bei Wahlen immer mehr an Boden. Das urbane Publikum wählt dort lieber Grüne oder SPD. Die Großstadtschwäche wird von der Parteispitze seit Jahren verdrängt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.