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Siedlungsbau in Rhein-Main : Flächenverbrauch wächst schneller als Bevölkerung

Frankfurt wächst: Die Stadt hat in den vergangenen drei Jahren relativ viel im Wohnungsbau getan. Bild: Röth, Frank

Der Regionalverband verfolgt erstmals genau, welche Flächen in Rhein-Main bebaut sind. Dabei zeigt sich, wie viele Reserven es noch gibt.

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          In der Wachstumsregion Rhein-Main gibt es nach Einschätzung des Regionalverbands noch genug Flächen für neue Wohnungen und Gewerbegebiete. Die vorgesehenen Flächenreserven, die einst von den Kommunen angemeldet wurden, sind in den vergangenen drei Jahren nur in geringem Umfang in Anspruch genommen worden. Danach sind seit 2010 rund acht Prozent der Wohnflächen und neun Prozent der Gewerbeflächen bebaut worden, heißt es im ersten Flächenbericht des Verbands.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Danach haben die Städte Frankfurt, Hanau, Erlensee, Nidderau, Bad Nauheim, Butzbach, Usingen und die Vordertaunuskommunen in den vergangenen drei Jahren relativ viel im Wohnungsbau getan. Städte und Gemeinden rund um den Flughafen haben hingegen eher Gewerbeflächen bebaut, wie etwa Raunheim, Rüsselsheim und Groß-Gerau.

          Neuer Flächenmonitoring-Bericht

          Laut aktuellem Flächenbericht gibt es auch Kommunen, die in ihrer Entwicklung stark eingeschränkt sind. Glashütten, Niederdorfelden und Kronberg haben praktisch keine Reserven mehr für Gewerbegebiete. Bischofsheim, Nauheim und Raunheim können wegen der Siedlungsbeschränkungen am Frankfurter Flughafen kaum noch Neubaugebiete für Wohnen ausweisen. Aber auch Schwalbach und Ginsheim-Gustavsburg haben nur noch sehr begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten im Wohnungsbau.

          Dass der Verband diese Daten abrufen kann, ist neu. Erstmals hat die für die Planung zuständige Erste Beigeordnete des Regionalverbands, Birgit Simon (Die Grünen), einen sogenannten Flächenmonitoring-Bericht vorgelegt. Er zeigt auf, welche und wie viele Flächen im Verbandsgebiet tatsächlich in Anspruch genommen werden. Simon will diesen Bericht nun jährlich vorlegen. Er werde dadurch immer präziser, sagt sie.

          Mehr Singlehaushalte ein Grund

          In dem Bericht beschäftigt sich Simon nicht nur mit den Arealen für Neubaugebiete, die im Regionale Flächennutzungsplan enthalten sind. Sie listet im Bericht auch die Reserven auf, die den Städten und Gemeinden noch im Innenbereich zur Verfügung stehen, etwa Baulücken, Brachen und alte Gewerbeflächen. Allerdings erfassen noch nicht alle der 75Kommunen diese ungenutzten Areale. Der Verband versucht die Städte und Gemeinde in diese Richtung zu beraten, um den Flächenverbrauch insgesamt zu verringern.

          Denn der ist in der Rhein-Main-Region beachtlich. Die Daten des Regionalverbands ergeben, dass sich die Siedlungsfläche in den vergangenen 60 Jahren mehr als verdreifacht hat, während sich die Einwohnerzahl in diesen Jahren nicht einmal verdoppelt hat. „Das Siedlungswachstum hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vollständig vom Bevölkerungswachstum abgekoppelt“, sagt Simon. Gründe für die Entwicklung sind ihrer Auffassung nach die große Zahl an Singlehaushalten und die Tatsache, dass jeder Einwohner mehr Wohnfläche für sich beansprucht. 1950 habe jeder Einwohner zehn Quadratmeter Wohnfläche benötigt, 2010 waren es 40 Quadratmeter. 2012 bestanden in Frankfurt 54Prozent aller Haushalte aus nur einer Person.

          Zweite Siedlungswelle ab 1980

          In der Region ist die Siedlungsentwicklung in den vergangenen 60Jahren in zwei Wellen erfolgt: Die erste setzte in den fünfziger Jahren mit der Nachkriegszeit und den Wirtschaftswunderjahren ein. Damals entstanden die großen Siedlungen am Stadtrand und im Umland wie die Nordweststadt in Frankfurt und die Limesstadt in Schwalbach. Das Main-Taunus-Zentrum und die Bürostädte Niederrad und Eschborn-Süd wurden gebaut.

          Eine zweite Welle setzte 1980 ein. Allein zwischen 1980 und 2010 sind die Siedlungsflächen doppelt so schnell gewachsen wie die Bevölkerung, ergaben die Daten des Regionalverbands. In dieser Zeit entstanden Dortelweil-West in Bad Vilbel, der Riedberg und das Mertonviertel in Frankfurt sowie das Gewerbegebiet Limes-Park in Sulzbach.

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