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Fit gegen den Sturz : „Ich danke Gott und meinem Fitnesstrainer“

  • -Aktualisiert am

Vorsorge: Gegen das allmähliche Nachlassen von Kraft, Koordination und Gleichgewichtssinn lässt sich sich etwas tun. Zum Beispiel in einem Kurs der TG Bornheim. Bild: Frank Röth

Die Gefahr von Stürzen nimmt mit jedem Lebensjahrzehnt um zehn Prozent zu. Doch es lässt sich gegensteuern - mit Kursen zur Sturzprophylaxe.

          „Ausfallschritt nach vorne und runter mit euch. Zehn, neun, acht, super macht ihr das“, feuert Rainer Peichl seine Kursteilnehmerinnen an. Sie folgen seinen Bewegungen im Rhythmus der dröhnenden Popmusik. „Drei, zwei, eins und Pause. Super, klasse! Und das Trinken nicht vergessen.“

          Peichl hat vormittags um 10 Uhr schon eine Spitzenlaune. Das gehört zum Job. Er ist ausgebildeter Fitnesstrainer und arbeitet bei der Turngemeinde Bornheim. Seine Kursteilnehmerinnen sind keine gewöhnlichen Aerobic-Frauen in Sport-BHs und neonfarbenen Turnschuhen. Der Kurs ist auch kein gewöhnlicher Fitnesskurs.

          Ein kleiner Aufprall kann große Folgen haben

          Erna Gerlach wollte vor dem Frühstück nur schnell die Zeitung holen. Draußen regnete es, aber von der Haustür bis zum Briefkasten waren es nur wenige Meter. Sie griff nach der Zeitung und machte sich schnell auf den Weg zurück ins Trockene. Etwas schneller als sonst, sie wollte schließlich nicht nass werden. Plötzlich verlor sie die Kontrolle und rutschte aus. Früher konnte sie sich in solchen Situationen noch abfangen und einen Sturz vermeiden. Aber ältere Menschen können nicht mehr so schnell reagieren. Gerlach stürzte so unglücklich, dass sie sich einen doppelten Bruch zuzog.

          Jeder dritte Fünfundsechzigjährige und jeder zweite Achtzigjährige stürzt mindestens einmal im Jahr. Mit dem Alter verlören die Senioren leichter die Balance und fielen hin, sagt die Leiterin der Altersmedizin des Klinikums Höchst, Kerstin Amadori. Bei älteren Menschen könne schon ein geringer Aufprall zu Verletzungen wie starken Prellungen und Knochenbrüchen führen. Jeder zehnte Sturz müsse von einem Arzt behandelt werden. Oft könnten Senioren nach solch einem Unfall nicht mehr für sich selbst sorgen. Der Sturz gefährde ihre Selbständigkeit.

          Gleichgewichtssinn lässt im Alter nach

          Erna Gerlach, die eigentlich anders heißt, musste am Arm operiert werden. Seitdem ihr Mann gestorben ist, lebt sie allein. In der Zeit nach der Operation kam ihre Tochter öfter als sonst zu Besuch, half beim Waschen und Anziehen, übernahm die Einkäufe. Eine Putzhilfe hatte sie bereits. Die Schmerzen ließen nach, die schlaflosen Nächte wurden weniger, aber die Angst vor dem Hinfallen, vor allem vor einer dadurch drohenden Abhängigkeit blieb. Würde sie noch einmal schwer stürzen, müsste sie vielleicht in ein Pflegeheim und sich den dortigen Abläufen anpassen.

          Im Frühjahr stolperte sie ein weiteres Mal über eine Treppenstufe, konnte sich aber am Geländer festhalten. Dann machte ihr Hausarzt sie auf den Kurs bei der TG Bornheim aufmerksam. Denn der Gefahr zu stürzen lässt sich mit Fitness entgegenwirken. Muskeln und auch der bei älteren Menschen nachlassende Gleichgewichtssinn lassen sich trainieren und wieder aufbauen. „Dadurch kriegen wir auch die Angst wieder in den Griff“, sagt Peichl.

          Erna Gerlach kommt jetzt jeden Mittwoch zum Sturzprophylaxe-Kurs. Einige Übungen fallen ihr noch schwer. Wie die mit dem Block. Jeder nimmt sich einen Schaumstoffquader und stellt sich mit einem Fuß darauf. Mit dem anderen tippen die Kursteilnehmerinnen erst nach vorne, dann zur Seite und nach hinten. Wer sich noch unsicher fühlt, kann sich dabei an der Wand abstützen. Die Übung schult Gleichgewicht und Koordination.

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