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Fintechs : Wirbelwind zwischen Bankentürmen

Überzeugungstäter: Andreas Hackethal sieht Banken im Umbruch. Bild: Lukas Kreibig

Die Digitalisierung erfasst die Bankenbranche – aber mit welchen Folgen? Finanzprofessor Andreas Hackethal glaubt, dass den Banken unruhige Zeiten bevorstehen.

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          Andreas Hackethal hat schon lange keine Bankfiliale mehr von innen gesehen. Der Professor für Finanzen am House of Finance der Frankfurter Goethe-Universität tätigt seine Geldgeschäfte in der Regel vom Computer oder vom Handy aus. Mit diesem Verhaltensmuster liegt Hackethal im Trend, denn mit der Verbreitung von Hardware wie Smartphones oder Tablets und Software, vor allem Apps, entstehen auf dem Finanzmarkt seit einigen Monaten fast wöchentlich neue Akteure, sogenannte Fintechs, die mit digitalen Geschäftsmodellen den großen Instituten Konkurrenz machen. Die Finanz-Start-ups könnten den Finanzplatz gehörig durcheinanderwirbeln, sagte Hackethal bei der von Manfred Köhler, stellvertretender Ressortleiter der Rhein-Main–Zeitung, moderierten und von dieser Zeitung gemeinsam mit der Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt veranstalteten Diskussionsrunde „Wissenschaft im Dialog“. „Die Banken sind aufgeschreckt.“

          Daniel Schleidt
          Stellvertretender Koordinator der Wirtschaftsredaktion in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Gründe für die Sorgen der etablierten Banken sind schnell aufgezählt: Neben dem Niedrigzinsumfeld und der von der Finanzkrise ausgelösten Regulierungswelle müssen sich die Banken eben jener Digitalisierung ihrer Branche widmen, die sie viel zu lange vor sich her geschoben haben. „Es gibt in den Banken immer noch IT-Systeme aus den Achtzigern“, hob Hackethal hervor. Erst kürzlich hatte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan, kritisiert, die Informationstechnik seines Hauses sei viel zu komplex.

          Frankfurt kann „Fintech-Hauptstadt“ werden

          An diesem Punkt kommen die Fintechs ins Spiel: Sie nutzen die Unbeweglichkeit der Konzerne, die zwar stark in der Weiterentwicklung bestehender Geschäftsmodelle sind, aber schwach, sich disruptiven Innovationen zu widmen, die ihr Tagesgeschäft zum Teil in Frage stellen. Und sie nutzen die Tatsache, dass es heute einfacher ist denn je, einen Finanzdienstleister an den Markt zu bringen. Die Gründer – in der Regel ehemalige Banker oder Berater – müssten sich nur aus einem bestehenden Baukasten bedienen und ihr Unternehmen zusammensetzen, „das funktioniert in sehr kurzer Zeit“, sagte Hackethal. Deswegen werde der Wandel in der Finanzbranche schnell kommen, „und die Veränderung wird rabiat sein“. Sowohl der internationale Zahlungsverkehr wie auch die Geldanlage, die Kreditvermittlung oder die Versicherungen würden von der Digitalisierung betroffen sein, hob Hackethal hervor. Aber der Professor ist auch überzeugt davon, dass die Banken die Zeichen der Zeit erkannt haben. „Wer davon nichts mitbekommen hat, der lebt auf einem anderen Stern.“

          Hackethal, der selbst den Aufsichtsrat des Frankfurter Fintechs Vaamo leitet, schreibt der Mainmetropole gute Karten im Wettbewerb um den Titel „Fintech-Hauptstadt Deutschlands“ zu. Zwar habe Berlin in den vergangenen Jahren mit Fördergeldern und Infrastruktur stark in die wachsende Szene investiert und deshalb noch die Nase vorn. „Aber das wird nicht mehr lange so sein“, schließlich sei Frankfurt als Bankenstadt und durch den Sitz der Aufsichtsbehörden prädestiniert als Plattform für Fintechs. Das Interesse und die Zahlungsbereitschaft aus Wirtschaft und Politik sei vorhanden, sagte Hackethal, noch leide die Region allerdings an einem Koordinationsproblem. „Wir müssen die Kräfte bündeln.“

          „Fintechs fungieren lediglich als Vermittler“

          Die Skepsis vieler Verbraucher, ihr Geld über eine App in junge Unternehmen zu investieren, teilt der Professor nicht. „Wir müssen keine Angst vor Fintechs haben.“ Zwar sei davon auszugehen, dass aufgrund des Hypes und der guten Chancen, mit digitalen Geschäftsmodellen gutes Geld zu verdienen, ein starker Wettbewerb entstehe, dem fünf bis sechs von zehn Gründungen auch wieder zum Opfer fielen. Das Geld der Kunden sei dann aber nicht verloren, da die Fintechs lediglich als Vermittler fungierten, die Einlagen aber in der Regel über lizenzierte Banken abgesichert seien.

          Mit der Digitalisierung der Branche sieht Hackethal auf lange Sicht 40 bis 50 Prozent der Ertragsbasis von Banken wegbrechen. „Da zieht ein Wirbelwind zwischen den Bankentürmen umher.“

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