https://www.faz.net/-gzg-8f9h6

Fintechs in Frankfurt : Die große Aufholjagd

Führen Frankfurts bekanntestes Fintech: Oliver Vins (links) und Thomas Bloch vom Fondsvermittler Vaamo Bild: Max Kesberger

Ausgerechnet die Bankenstadt Frankfurt hat die Förderung der Fintech-Branche verschlafen - trotz bester Voraussetzungen. Noch ist es nicht zu spät.

          1 Min.

          Frankfurt hat verschlafen. Im Wettrennen um die Ansiedlung und Förderung von jungen Finanztechnologieunternehmen, die kurz Fintechs genannt werden, hatte die Stadt eigentlich die besten Voraussetzungen: die Nähe zu den zahlreichen nationalen und internationalen Großbanken, zur Europäischen Zentralbank und zur Finanzaufsicht Bafin, zahlreiche Experten, ein großes Reservoir an Fachkräften und eine gute Infrastruktur. All das waren Argumente für Frankfurt.

          Doch als diese neueste Welle der Digitalisierung über die Finanzwelt schwappte, hat Frankfurt seine Chance verpasst, Fintechs und damit neue Ideen und Konzepte zwischen den Türmen der Großbanken zu versammeln. Stattdessen hat sich Berlin, ohnedies mit einer lebendigen Existenzgründerszene gesegnet, als wichtigster Ort für diese Unternehmen etabliert.

          Schuld daran sind vor allem die Banken selbst. Sie waren in den vergangenen Jahren mit der Bewältigung von Regulierungsauflagen als Folge der Finanzkrise beschäftigt. Für Innovationen war kein Platz. Dabei gibt es in der Wirtschaftsgeschichte viele Beispiele großer Unternehmen, die sich gegen Neues gewehrt haben, aber plötzlich von der Bildfläche verschwanden, weil Gründer ihr Geschäftsmodell von heute auf morgen überflüssig machten.

          Die Finanzwirtschaft ist aufgewacht

          Auch Stadt und Land hätten viel früher klar sagen müssen, dass es in Deutschland und Kontinentaleuropa nur eine Hauptstadt für die aufstrebenden Fintechs geben kann, die Arbeitsplätze und Wachstum versprechen: Frankfurt. Ein Blick nach London, wo Studien zufolge bereits mehr als 60.000 Menschen für Fintechs arbeiten, zeigt, was Frankfurt gewinnen kann. Umgekehrt kann die Mainmetropole aber eben auch verlieren, weil die jungen Unternehmen in die Wertschöpfungsketten der Banken eingreifen, die trotz aller Krisen von zentraler Bedeutung für Frankfurt sind.

          Deshalb gibt es nun Bewegung. Endlich, könnte man sagen. Das hessische Wirtschaftsministerium ist zugange, die Frankfurter Wirtschaftsförderung ebenso. Ein Fintech-Zentrum soll entstehen, in dem die Gründer zusammenarbeiten und gefördert werden. Auch die Finanzwirtschaft ist aufgewacht: Mehrere Unternehmen haben private Initiativen vorgestellt, um sich für neue Technologien und digitale Produkte zu öffnen.

          Nun ist es in der Wirtschaft wie im Sport: Wer den Start verschläft, der muss, um das Wettrennen noch zu gewinnen, eben aufholen. Das ist mühsam. Aber möglich.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erledigen Sie die Spieler des gegnerischen Teams: Szene aus dem Handyspiel Call of Duty Mobile

          Anschlag von Halle : Vom Ballerspiel zum Mordanschlag

          Stephan B. wollte seine Attacke in Halle aussehen lassen wie ein Videospiel. Eine Spurensuche in einer Welt, in der alles nur ein Witz sein kann – oder bitterer Ernst.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.