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Fintech-Unternehmen „Cashlink“ : Von der Paypal-Kopie zur Krypto-Plattform

Sicherer Halt: Cashlink-Mitgründer Michael Duttlinger will neue Finanzierungswege schaffen. Bild: Cornelia Sick

Ursprünglich wollte das Fintech Cashlink Überweisungen erleichtern. Doch nun setzen die Frankfurter auf ein neues Geschäftsmodell. Es soll vielen Start-ups das Überleben sichern.

          Es gibt viele Gründe, weshalb junge Firmen scheitern. Manchmal passen die Gründer nicht zusammen; oft findet das Produkt am Markt keine Abnehmer, ist zu teuer oder nicht ausgereift; manchmal ist die Konkurrenz auch schlichtweg besser. Einer der häufigsten Gründe ist aber die Frage der Finanzierung. Eine Studie der Technologieplattform CB Insights ergab kürzlich, dass bei einem Drittel der gescheiterten Gründungen fehlendes Kapital der Grund dafür war. Auch in Frankfurt kritisieren Start-ups häufig, dass zu wenig Investitionen in junge Unternehmen fließen. Das hier ansässige Unternehmen Cashlink will das nun ändern.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Idee: Investoren sollen sich einfacher als bisher an Unternehmen beteiligen können. Dafür hat Cashlink etwas gemacht, was für junge Betriebe nicht unüblich, aber dennoch mutig ist: das ursprüngliche Geschäftsmodell über Bord geworfen und sich einer neuen Technologie zugewandt. Denn bislang war Cashlink eine Art Paypal-Kopie, die Überweisungen unter Freunden erleichtern sollte – ein klassisches Produkt für Endkunden.

          Nun hat Cashlink diesen Massenmarkt verlassen – und sich einem B2B-Produkt zugewandt, das sich an Geschäftskunden richtet. Cashlink-Mitgründer Michael Duttlinger sagt, der frühere Ansatz sei nicht gescheitert, wenngleich der Markt für sogenanntes Peer-to-Peer-Payment, also für eine vereinfachte Form der Zahlungen unter Privatpersonen, stark umkämpft sei. Vielmehr sei es eine Entscheidung für ein neues und nicht gegen das alte Geschäftsmodell gewesen.

          Mitreden dürfen sie nicht

          Im Kern geht es bei dem neuen Angebot des Frankfurter Unternehmens, das seinen Sitz im Fintech-Büro der Deutschen Börse am Frankfurter Sandweg hat, um die digitale Form einer Aktie. Cashlink hilft jungen Unternehmen künftig dabei, diese Wertpapiere auszugeben. Man habe bei eigenen Finanzierungsrunden gemerkt, wie schwierig es sei, Kapital aufzutreiben, sagt Duttlinger. „Bislang ist die Aufnahme von Risikokapital mit hohen Transaktionskosten verbunden.“ Wenn sich etwa ein Venture-Capital-Fonds an einer GmbH beteiligen will, sind nach deutschem Recht in der Regel komplexe Beteiligungsverträge und aufwendige Notar-Termine nötig, „ausländische Investoren springen dadurch oft von vornherein schon ab“, berichtet Duttlinger.

          Hier kommt das Cashlink-Modell ins Spiel, bei dem es sich um sogenannte Security Tokens handelt. Und das funktioniert so: Ist ein Geldgeber überzeugt von einem Investment in ein Unternehmen, setzt Cashlink auf Grundlage der Blockchain-Technologie digitale Wertpapiere auf, die der Kapitalgeber dann im Rahmen eines sogenannten Security Token Offerings, also einer Emission digitaler Wertpapiere, kaufen kann. Dabei handelt es sich um Genussrechte, die dem Investor stimmrechtlose Anteile garantieren. Sprich: Die Kapitalgeber partizipieren, wenn das Unternehmen Gewinne erwirtschaftet oder verkauft wird; mitreden dürfen sie jedoch nicht.

          Aufgrund des vereinfachten digitalen Handelsmodells können die Anteile ohne feste Fristen wieder verkauft werden, sofern sich dafür ein Käufer findet. Auch das ist im bisherigen Beteiligungsmodell bei einer GmbH deutlich aufwendiger, hebt Duttlinger hervor. Cashlink profitiert in dem Geschäft durch eine prozentuale Beteiligung am Investitionsvolumen.

          Den Geldgebern die Angst nehmen

          Damit bewegt sich Cashlink auf einem schwierigen, häufig noch negativ konnotierten Feld von Kryptowährungen, wie die digitalen Wertpapiere gemeinhin genannt werden (siehe Kasten). Allerdings bemüht sich das Unternehmen darum, seine Emissionsplattform rechtlich sauber und in Abstimmung mit der Finanzaufsicht Bafin aufzustellen. Deshalb hat sich Cashlink von der Frankfurter Anwaltskanzlei Ashurst beraten lassen. Ashurst-Anwalt Matthias von Oppen ist sich bewusst, dass um Tokens in den vergangenen Monaten ein „negativer Hype“ entstanden sei. Umso wichtiger sei es, für Security Tokens ein rechtssicheres Umfeld zu schaffen, das Geldgebern die Angst vor Investments nehme, sagt er.

          Weil die Bafin bei den digitalen Genussscheinen bislang aufwändige Prospekte verlangt, wie sie auch bei Aktien-Emissionen üblich sind, richtet sich das Angebot von Cashlink derzeit nur an professionelle Investoren, nicht an Privatpersonen. Dadurch entfalle die Prospektpflicht, erklärt von Oppen. Aktuell hat Cashlink sein neues Produkt mit fünf Kunden getestet, bei weiteren fünf Unternehmen stehe die Ausgabe digitaler Wertpapiere bevor. Die Zahl der Mitarbeiter soll deshalb von derzeit zwölf in den nächsten Wochen auf 16 erhöht werden. „Der Markt digitaler Wertpapiere ist riesig“, ist Duttlinger überzeugt.

          Auf eines legt der Gründer in diesem Zusammenhang besonderen Wert. Die 180-Grad-Wende vom Zahlungsdienstleister zur Technologieplattform sei zwar nicht einfach gewesen, aber: „Kein einziger unserer Mitarbeiter hat uns deshalb verlassen.“

          Digitale Wertpapiere

          In den vergangenen Monaten haben Unternehmen mit Hilfe von Initial Coin Offerings (ICO) auf der ganzen Welt Milliardensummen eingesammelt. Allerdings sind sie aufgrund mehrerer Betrugsfälle zwischenzeitlich erheblich in Verruf geraten. Dazu gehört unter anderem der Fall des Frankfurter Fintechs Savedroid. Im April 2018 hatte Savedroid-Gründer Yassin Hankir behauptet, sich mit der bei einem ICO erlösten Summe in Höhe von 40 Millionen Euro ins Ausland abgesetzt zu haben. Kurz darauf stellte er dies als PR-Gag dar, mit dem Savedroid angeblich auf die fehlende Regulierung der ICO-Szene hinweisen wollte. Dennoch fügte der Fall der Kryptoszene erheblichen Schaden zu und verstärkte die Zweifel daran, dass es sich dabei um einen seriösen Markt handele. Während bei ICOs Unternehmen Gutscheine für Leistungen ihrer Firmen und damit die unsichere Hoffnung verkaufen, dass diese digitalen Währungen tatsächlich im Wert steigen, wird bei den Security Token Offerings ein tatsächlicher Anteil an einem Unternehmen, also faktisch ein digitales Wertpapier, erworben. Viele Experten gehen davon aus, dass Security Tokens den Hype um ICOs, der vor allem im vergangenen Jahr herrschte, ablösen werden. Sie sollen nicht nur für Start-ups, sondern für alle Unternehmen interessant sein, die neue Projekte finanzieren möchten. (ddt.)

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