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Fintech-Unternehmen : App in die Zukunft

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Obwohl die meisten Fintech-Gründer aus der Region ihr Unternehmen wieder hier aufbauen würden, sagen auch viele: Von der Stadt kommt zu wenig. Debitos-Gründer Timur Peters brauchte Monate, um bei der Bafin zu klären, ob seine Geschäftsidee den Regulierungsvorschriften entspricht. Es sei enorm schwierig, bezahlbare Büroräume zu finden, beklagt Gernot Overbeck, Gründer des Portals Fintura. Oliver Vins, einer der Vaamo-Gründer, erzählt, dass ihm einmal ein Vertreter Londons Unterstützung versprach, falls er mit Vaamo nach England umziehe. Das Angebot machte ihm der Herr auf einer Konferenz in - Frankfurt. Von der Stadt am Main hingegen komme rein gar nichts. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies an der Goethe-Universität, meinte in der vergangenen Woche gar in einem Beitrag für diese Zeitung, Frankfurt drohe mangels Unterstützung den Anschluss an die Digitalisierung des Bankwesens zu verpassen.

Goethe-Uni richtet Fintech-Lab ein

Tatsächlich gebe es kein spezielles Programm für junge Fintech-Unternehmen, heißt es bei der Wirtschaftsförderung. Sie könnten aber die Angebote nutzen, die allen Start-ups offenstünden: Mentoren-Programme zum Beispiel und das Mieten günstiger Büros im Gründerzentrum. Zudem untersuche man derzeit, welche Fintechs es in der Region überhaupt gebe, um sie dann gezielter fördern zu können. Aber es sei eben alles ein Prozess.

Pure Entschlossenheit klingt anders, uns so bleibt es wohl weiterhin den Banken und Universitäten in der Region überlassen, Fintech-Unternehmer zu unterstützen und zu vernetzen. An der Goethe-Universität möchte man dieses Jahr ein Fintech-Lab einrichten. Auch den Machern des Kreditvergleichsportals Fintura war die Nähe zur Universität wichtig. Als sie ihr Unternehmen gründeten, war Frankfurt als Standort im Gespräch. Doch sie entschieden sich für Darmstadt, weil einige Werkstudenten der Technischen Universität für das Unternehmen arbeiten und Büroräume schneller und günstiger zu finden waren als am Main.

Sieben von zehn Start-ups scheitern

Doch wie bei vielen anderen Fintech-Start-ups auch sind die beiden Gründer des Kreditportals Fintura keine Studenten im zweiten Semester, sondern ehemalige Banker und Berater. Gründer Thomas Becher kündigte nach 15 Jahren bei der Deutschen Bank, um Fintura aufzubauen. Mit der Sehnsucht, selbst ein Unternehmen zu gründen, sei er dort nicht allein gewesen, sagt er. Immer strengere Regulierungen, die Skandale der vergangenen Jahre - Becher hat einige Banker getroffen, die sich überlegten, auszusteigen und selbst etwas aufzubauen. Man könnte doch mal hier, sollte doch mal dort: Das habe er oft gehört, aber oft sei es eben auch beim Konjunktiv geblieben. „Das sind schon sehr warme Betten, aus denen man steigt“, sagt Becher.

Mit hohen Gehältern können Start-ups nicht um die Mitarbeiter der Banken werben. Viele Fintechs suchen aber dringend Personal, vor allem Entwickler sind begehrt, und sie lassen sich auch nicht alle mit Kickertischen und Club Mate ködern. Was lockt, ist die Aussicht, Teil des nächsten großen Dings zu sein. „Es ist wie in anderen Branchen auch, die einen Umbruch erlebt haben: Sieben von zehn Start-ups fahren gegen die Wand, bei zwei bekommst du dein Geld zurück, und eines wird das neue Google“, sagt Debitos-Geschäftsführer Hajo Engelke.

Ungefähr 30 Fintechs gibt es zurzeit im Rhein-Main-Gebiet. Dreimal Google in der Region, das wäre doch was.

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