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Fintech-Unternehmen : App in die Zukunft

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Alterwürdige Finanzinstitute und nerdige Fintechs

„Ich würde jedem Fintech-Unternehmer klar empfehlen, in Frankfurt zu gründen“, sagt Yassin Hankir, inzwischen ausgestiegener Gründer des Anlageportals Vaamo, der zurzeit an einem neuen Startup bastelt. Vaamo zählt zu den wenigen Frankfurter Fintechs, die auch außerhalb der Szene etwas bekannter sind, weil das Unternehmen vor einigen Monaten die Stadt mit Plakaten zuklebte und Andreas Hackethal, Professor für Finanzen an der Goethe-Universität, daran beteiligt ist. Für Frankfurt sprächen die zentrale Lage in Deutschland und vor allem die Nähe zu den Banken, sagt Hankir.

Die alterwürdigen Finanzinstitute und die nerdigen Fintechs - das klingt nach größtmöglichem Widerspruch und reichlich Konflikten: Angriff der Cyber-Banken und so. Doch tatsächlich ist das Verhältnis derzeit viel mehr von Kooperation als von Konfrontation geprägt. Viele Start-ups arbeiten mit Kreditinstituten zusammen, weil sie selbst keine Banklizenz haben. Die Jungen brauchen die Alten, zumindest noch. Auch weil die Banken etwas haben, was die Fintechs dringend suchen: Fachwissen und vor allem Kunden.

Anzahl der Bankfilialen sinkt

Der Vorteil der Start-ups hingegen ist, dass sie deutlich wendiger sind als ein Riesentanker wie die Deutsche Bank und Ideen nicht so lange von einer Hierarchieebene in die nächste gereicht werden, bis nichts mehr von ihnen übrig bleibt. Außerdem haben viele Finanzinstitute inzwischen gemerkt: Die Veränderung der Branche hat längst begonnen; die Revolution ist schon da. „Die Frage ist: Wird es die Etablierten richtig treffen oder können sie den Wandel mitgestalten?“, sagt Sebastian Schäfer, Leiter des Unibators, der Start-up-Brutstätte der Goethe-Universität.

Die Zahl der Sparkassenfilialen in Hessen ist in den vergangenen zehn Jahren von knapp 1400 auf gut 1100 zurückgegangen. In den nächsten zehn Jahren wird jede dritte Bankfiliale in Deutschland schließen, schätzt Commerzbank-Chef Martin Blessing. Die Zukunft ist online und die Frage nicht mehr, ob Fintechs das Bankwesen verändern, sondern nur noch, wie sie es tun.

Frankfurt bietet zu wenig

Aus dieser Erkenntnis heraus ist auch der Main Incubator der Commerzbank entstanden. Er finanziert junge Fintechs, zum Beispiel das Frankfurter Unternehmen Traxpay, einmal im Monat findet die Veranstaltungsreihe „Between the Towers“ statt, um Gründer, Banker und Investoren zu vernetzen. Im Gegenzug erhofft sich die Commerzbank Beteiligungen an aussichtsreichen Start-ups, deren Produkte die Kunden der Bank nutzen können. Klar, auch die eigenen Mitarbeiter der Commerzbank tüfteln an neuen Apps, doch die kleinen Technologiefirmen sind oft schneller oder haben neue Ideen. „Es ist nicht so, dass wir uns zurücklehnen und zu den Start-ups sagen: ,Seid mal kreativ‘. Aber Gründer brennen für die eigene Sache und arbeiten Tag und Nacht dafür“, sagt Christian Hoppe, der drei Tage die Woche im Turm der Commerzbank arbeitet und zwei Tage in seiner Funktion als Mitgründer des Main Incubators tätig ist. Hoppes Anspruch ist es, Frankfurt als „Herz des Fintech-Ökosystems in Kontinentaleuropa“ zu etablieren.

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