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Finanzplatz Frankfurt : Nein zur Börsenfusion ärgert nicht jeden

Noch spitz: Die Hörner des Bullen vor der Frankfurter Börse haben nicht unter der gescheiterten Fusion gelitten. Bild: dpa

Am Finanzplatz ist von verpassten Chancen die Rede, aber auch von einem Gewinn für den Standort.

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          Nach dem endgültigen Nein der EU-Kommission zu den Fusionsplänen der Deutschen Börse und der New York Stock Exchange Euronext sieht die Frankfurter Finanzbranche zwar eine vertane Chance. Sie übt sich aber ansonsten in Optimismus.

          Jochen Remmert
          (jor.), Rhein-Main-Zeitung

          Beim Vorstand der Deutschen Börse AG selbst überwog gestern allerdings zunächst der Ärger: „Dies ist ein schwarzer Tag für Europa und seine zukünftige Wettbewerbsfähigkeit auf den weltweiten Finanzmärkten“, hieß es in einer Mitteilung. Die EU-Kommission habe realitätsfremd entschieden und gehe von einer falschen Marktdefinition aus, die der globalen Natur des Wettbewerbs im Derivatemarkt nicht gerecht werde.

          „Ich sehe das sehr unaufgeregt“

          Der Sprecher der Initiative Frankfurt Main Finance und Morgan-Stanley-Aufsichtsratsvorsitzende Lutz Raettig bedauerte das Scheitern. Mit der Fusion hätte Frankfurt am Aufbau des Weltmarktführers im internationalen Börsenhandel teilhaben können, sagte er. Zugleich gab sich Raettig aber zuversichtlich, dass der Finanzplatz weiter führend bleibe, was die „Bereitstellung von öffentlicher Finanzinfrastruktur für die Realwirtschaft“ betreffe.

          Michael Grote, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management, erkennt weder gravierende Nachteile noch große Vorteile: „Ich sehe das sehr unaufgeregt“, sagte er auf Nachfrage. Allerdings sei mit dem Aus für die Fusion zunächst einmal auch die Chance passé, ein gemeinsames Börsensystem zu installieren und damit Kostenvorteile zu erzielen. Was allerdings die Arbeitsplätze in Rhein-Main betrifft, spricht Grote zufolge viel dafür, dass eine Fusion und die damit anvisierten Synergien eher zu Lasten Frankfurts gegangen wären. Insofern ist das für den Standort Frankfurt ein positiver Effekt der Entscheidung.

          Die Oberbürgermeisterin bedauert die Entscheidung

          Aus diesem Grund zeigte sich auch die Betriebsratschefin der Deutschen Börse im Interview erleichtert über das Nein der EU-Kommission. Die Frankfurter Börse sei nicht auf die New Yorker angewiesen und könne mit Kooperationen wachsen, sagte Betriebsratsvorsitzende Irmtraud Busch dieser Zeitung.

          Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) bedauert dagegen das Scheitern des Fusionsprojekts. Mit dem Veto der EU-Kommission stelle sich weiter die Frage der Wettbewerbsfähigkeit der Frankfurter Börse, sagte sie. Roths Äußerung bezieht sich auf die immer wieder von der Börse vorgetragene Begründung, durch eine Fusion die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens erhalten zu wollen. Anders könne man sich auf Dauer nicht gegen den asiatischen Markt behaupten.

          Frankfurt bleibe führend

          Ulrich Caspar, Landtagsabgeordneter der CDU aus Frankfurt und ausgewiesener Gegner der Börsenfusion, zeigte sich dagegen hoch erfreut über die Entscheidung. Die Fusion hätte seiner Ansicht nach „zumindest mittelfristig“ zu einer De-facto-Übernahme durch die New Yorker Seite geführt. Zu diesem Schluss ist Caspar im August vergangenen Jahres gekommen, nachdem er sich mit Experten ausgetauscht und sich mit dem Vertragswerk zur Fusion im Detail beschäftigt hatte, wie er wissen ließ.

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