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Finanzierung des RMV : Zu wenig Geld

Immer noch nicht die letzte Sperrung: In den Sommerferien wird der Frankfurter S-Bahn-Tunnel gesperrt. Die letzte Sperrung ist für 2018 angesetzt. Bild: dpa

Öffentlicher Nahverkehr in Hessen ist zu teuer. So die weit verbreitete Meinung. Das ist aber zu kurz gedacht.

          Zu teuer. So lautet ein gängiges Urteil über den Rhein-Main-Verkehrsverbund. Die Kritiker verweisen dann gerne auf andere Verbünde, deren Tickets angeblich günstiger sind. Zumindest bei den Dauerkarten schneidet der RMV im Preisvergleich mit den anderen Verbünden aber nicht so schlecht ab, wie manche behaupten.

          Was dabei herauskommt, wenn man die Fahrpreise ganz besonders niedrig hält, sieht man übrigens in Berlin. Weil die Verkehrsbetriebe nicht genügend Einnahmen haben, sparen sie an der Instandhaltung. S-Bahn-Benutzer dort können ein Lied davon singen.

          Tatsache ist, dass die Preise für die Fahrscheine nirgendwo in Deutschland kostendeckend sind. Auf jeden Euro, den etwa der RMV vom Fahrgast einnimmt, legen Bund, Land und Kommunen etwa 90 Cent drauf. Ohne diesen öffentlichen Zuschuss müssten in Hessen und im Rhein-Main-Gebiet viele Bus- und Bahnfahrten gestrichen werden.

          Das strukturelle Defizit des öffentlichen Nahverkehrs vergrößert sich mit jeder Schienenstrecke, die neu gebaut, und jedem Bus, der zusätzlich auf die Strecke geschickt wird. Doch im Rhein-Main-Gebiet muss man neue Strecken bauen und mehr Busse fahren lassen. Denn die Bevölkerung der Region wächst, Frankfurt etwa zählt jedes Jahr 15 000 Einwohner mehr, und auch die Zahl der Pendler in die Mainmetropole nimmt zu.

          Dagegen schrumpft die Bevölkerung im ländlichen Raum. Dort fahren viele Erwachsene mangels Alternative mit dem Auto. Die Busse nutzten fast nur noch die Schüler, und weil deren Zahl rapide zurückgeht, wird es immer schwieriger, den öffentlichen Verkehr für jene aufrechtzuerhalten, die auf ihn elementar angewiesen sind, etwa viele Ältere.

          Die Preisfrage für das Land und die Verkehrsverbünde lautet: Wie lässt sich im ländlichen Raum der öffentlichen Verkehr aufrechterhalten und gleichzeitig die Frequenz des Bus- und Bahnverkehrs im Ballungsraum erhöhen? Wer beides will, wird mehr Geld ins System pumpen müssen. Mit der Erhöhung der Regionalisierungsmittel des Bundes ist jetzt etwas mehr Geld vorhanden, aber bei weitem nicht genug, um den Bedürfnissen der Landbewohner genauso gerecht zu werden wie denen der Großstädter. Deshalb wird es noch einige Kämpfe um die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehr geben.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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