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Finanz-Skandal der Awo : „Sause statt Dienstreise“

Finanz-Skandal: Im Juni hat die Awo Jasmin Kasperkowitz gekündigt (Symbolbild). Bild: dpa

Zwischen der Frankfurter Awo und ihrer ehemaligen stellvertretenden Geschäftsführerin Jasmin Kasperkowitz ist es zu keiner Einigung gekommen. Der Anwalt der Awo teilte mit, die Awo wolle Kasperkowitz lediglich loswerden.

          2 Min.

          Beim Gütetermin zwischen dem Frankfurter Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt und der ehemaligen stellvertretenden Geschäftsführerin Jasmin Kasperkowitz ist es am Dienstag vor dem Arbeitsgericht zu keiner Einigung gekommen.

          Martin Ochmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kasperkowitz war Teil des Führungsteams unter dem umstrittenen ehemaligen Geschäftsführer Jürgen Richter, unter dessen Ägide sich Funktionäre des Vereins unter anderem üppige Gehälter und teure Dienstwagen leisteten. Zu diesem Team gehörte auch Panagiotis Trinatafillidis. Gegen ihn und Richter ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem Betrieb zweier Flüchtlingsheime für die Stadt Frankfurt. Als Richter wegen zahlreicher Vorwürfe zurücktrat, übernahmen Kasperkowitz und Triantafillidis die Führung. Bei der Kreiskonferenz im Februar wurden beide jedoch mit sofortiger Wirkung als Vorstand abberufen. Kasperkowitz arbeitete zunächst weiter bei der Awo, ihm Juni kündigte der Verein ihr jedoch.

          „Keinerlei Unrechtsbewusstsein“

          Ihr ehemaliger Arbeitgeber wirft Kasperkowitz insbesondere drei Dinge vor: Zum einen soll sie für private Fahrten mit ihrem Dienstwagen getankt und das mit der Tankkarte der Awo bezahlt haben. Der zweite Vorwurf betrifft Honorarvereinbarungen über 147.000 Euro, die Jürgen Richters Ehefrau Hannelore, Geschäftsführerin der Awo Wiesbaden und Sonderbeauftragte für Frankfurt, eigenmächtig mit dem Kreisverband Frankfurt abgeschlossen haben soll – fällige Steuern musste sie allerdings selbst zahlen. Daraufhin habe Richter angewiesen, ihr zum Ausgleich 27.000 Euro zu überweisen – was Kasperkowitz nach Angaben des Awo-Anwalts tat. Der dritte Vorwurf betrifft eine fünftägige Dienstreise nach Berlin mit Unterkunft im Hotel Adlon. Offizieller Zweck der Reise seien Gespräche über die deutsch-türkische Awo-Kita „Dostluk-Freundschaft“ gewesen. Awo-Anwalt Norbert Pflüger sprach jedoch von einer „schönen Sause“. Selbst die Minibar sei über die Awo abgerechnet worden, allein die Museumsbesuche hätten 1900 Euro gekostet. „Wir bestreiten den Anlass der Reise, das war eine reine Privatreise“, sagte Pflüger, der bedauerte, dass die ehemalige Mitarbeiterin „keinerlei Unrechtsbewusstsein“ zeige.

          Sie sei nicht der „Hauptübeltäter“, man wolle auch nicht weiter juristisch gegen sie vorgehen, sondern sie lediglich loswerden, sagte Pflüger über Kasperkowitz. Deren Anwalt verwies lediglich darauf, dass der Vertrag, der noch unter der alten Führungsriege ausgearbeitet wurde, auf fünf Jahre laufe. Den Kompromissvorschlag der Awo lehnte er ab. Demnach sollte der Vertrag bis September gültig sein, eine Abfindung werde nicht gezahlt. „Reden Sie mit Ihrer Mandantin“, mahnte Pflüger mit Verweis auf eine weitere anonyme Anzeige, die bei der Staatsanwaltschaft vorliege.

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