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Finanz-Affäre : Awo fordert 1,2 Millionen Euro von Tochterfirma

Rückzahlungen: Die Awo fordert von ihrer Tochterfirma hohe Summen (Symbolbild). Bild: dpa

Die Aufklärung der Vorgänge rund um die Tochterfirma der Arbeiterwohlfahrt Awo-Protect wird noch Wochen in Anspruch nehmen. Der Awo-Kreisverband Frankfurt fordert eine Millionensumme von der Sicherheitsfirma.

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          Die Aufklärung der Vorgänge rund um die insolvente Sicherheitsfirma der Arbeiterwohlfahrt Awo-Protect und die Prüfung der Unterlagen wird noch einige Wochen in Anspruch nehmen. Der Insolvenzverwalter Frank Mößle rechnet damit, dass die Geschäftsunterlagen in vier bis sechs Wochen so weit aufgearbeitet sind, „dass die Ansprüche auch für einen möglichen Gerichtsprozess dokumentiert wären“, teilte Mößle mit.

          Martin Ochmann
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Die verschachtelten Gesellschaftsstrukturen um die Awo Frankfurt und Awo Wiesbaden machen die Prüfung nicht einfach. Es sind komplexe buchhalterische und rechtliche Vorgänge zu prüfen“, sagte Mößle weiter. „Neben Haftungsansprüchen gegen die Geschäftsführung prüfen wir Ansprüche gegen mehrere beteiligte Personen.“ Angesichts der Schwierigkeit, Licht in das Geschäftsgebaren der Tochter des Frankfurter Awo-Kreisverbands zu bringen, ruft Mößle dazu auf, sich „vertraulich an den Insolvenzverwalter“ zu wenden, wenn man über „hilfreiche Informationen“ verfüge. Die Awo-Protect befindet sich seit Februar 2020 in einem Insolvenzverfahren. Gegründet wurde sie zur Bewachung der Flüchtlingsheime, die die Arbeiterwohlfahrt bis Ende 2018 im Auftrag der Stadt Frankfurt betrieb. Awo-Protect betreute von Juli 2017 an die beiden Flüchtlingsunterkünfte an der Gutleutstraße und „Am Poloplatz“. Für Sicherheitsleistungen zahlte die Stadt von 2016 bis 2018 rund 6,7 Millionen Euro, 1,7 Millionen Euro davon gingen an den vorherigen Dienstleister, die „AllService“. Für den „Poloplatz“ wurden für denselben Zeitraum drei Millionen Euro gezahlt, davon gingen rund 840.000 Euro an „AllService“.

          Es floss also sehr viel Geld. Die Stundensatz-Forderungen der Awo waren noch höher, die Stadt zahlte aber nur den branchenüblichen Betrag. Als Unregelmäßigkeiten beim Betrieb der Unterkünfte bekannt wurden und das Revisionsamt tätig wurde, trennten sich Stadt und Awo. Aufgrund dieser Vorgänge ermittelt seit Monaten die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue, unter anderem gegen den früheren Geschäftsführer des Frankfurter Awo-Kreisverbands, Jürgen Richter.

          Verluste in Millionenhöhe

          Bei den Geschäftsbeziehungen innerhalb der eng verwobenen Awo-Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden spielen die Tochtergesellschaften, darunter die Awo-Protect, eine Schlüsselrolle. Insider vermuten, dass diese Firmen nicht zuletzt der Verschleierung von Zahlungen dienten. Fraglich ist unter anderem, wohin das ganze Geld geflossen ist. Laut dem vorläufigen Jahresabschluss 2018, der der F.A.Z. vorliegt, hat die Awo-Protect einen Verlust in Millionenhöhe eingefahren. Die Bilanz listet auffällig hohe Positionen auf – unter anderem 5,4 Millionen Euro für betriebliche Kosten oder 600.000 Euro für Personalaufwand. Nach Informationen der F.A.Z. zahlte der Kreisverband im Jahr 2019, als der Konkurs bereits abzusehen war, im Rahmen eines bestehenden Kreditvertrags der Awo-Protect zudem noch einmal mehrere Hunderttausend Euro, aufgeteilt in mehrere Teilbeträge.

          Der Kreisverband bestätigt auf Anfrage entsprechende Zahlungen über 50.000 Euro und 250.000 Euro, die im Rahmen eines Kreditvertrags ausgezahlt worden seien. Dies sei auf Bitten der Geschäftsleitung der Awo-Protect erfolgt und zwischen der Geschäftsleitung und dem früheren Awo-Vorstand abgestimmt worden. Awo-Vorstand war zu dem Zeitpunkt unter anderem noch Panagiotis Triantafillidis, ein Jugendfreund von Awo-Protect Geschäftsführer Klaus Roth. Dieser war auch Abteilungsleiter Kindertagesstätten der Frankfurter Awo, jedoch trennte sich der Kreisverband im Mai von ihm.

          „Wir prüfen alle uns zur Verfügung stehenden Optionen, um unseren Schaden reguliert zu bekommen“, teilt der Kreisverband weiter mit. Die Gesamthöhe der Forderungen des Kreisverbandes gegenüber der Awo-Protect belaufe sich auf rund 1,2 Millionen Euro.

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