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Filmtheater Valentin : Eine deutsch-amerikanische Freundschaft

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Der Umzug ist geschafft: Die Valentin-Betreiber Werner Rosmaity (l.) und Holger Ziegler im neuen Kinosaal. Bild: Röth, Frank

Das Filmtheater Valentin feiert in Frankfurt-Höchst Wiedereröffnung im Bolongaropalast mit Bill Ramsey.

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          Die Stühle ziehen mit um. Zumindest 50. Insgesamt waren es 240, auf denen das Publikum des Filmtheaters Valentin achtzehn Jahre lang Platz gefunden hatte. „Wir haben alle Stühle einzeln geprüft. Die, die am besten erhalten sind, werden neu bezogen und kommen mit“, sagt Valentin-Geschäftsführer Werner Rosmaity. Er und der für die Kinoleitung und die Programmredaktion zuständige Holger Ziegler freuen sich auf die Wiedereröffnung des Filmtheaters im Höchster Bolongaropalast am 27.August.

          Grund für den Umzug des Valentins ist der Abriss der ehemaligen amerikanischen Kaserne an der Windthorststraße in Höchst, um dem Neubau einer Kita Platz zu machen. Die Stadt wirkte unterstützend bei der Suche nach einem neuen Quartier mit, und das barocke Palais inmitten des Höchster Stadtkerns mit einem in Terrassenstufen angelegten Garten, der sich zum Main hin öffnet, ist sicherlich nicht die schlechteste Kulturstätte. Dennoch sprechen beide nur von einer „Zwischenlösung“. Gut gefällt ihnen nämlich der weitere Vorschlag der Stadt, in den Höchster Bahnhof einzuziehen nach Abschluss von dessen Grundsanierung. Dort lassen die Räumlichkeiten auf den Betrieb zweier Kinosäle mit 120 und weiteren 40 Plätzen hoffen. Eine Option, die nach Rosmaitys Wissens „vorsichtig geschätzt 2015“ konkret werden könne.

          Optimistischer Blick in die Zukunft

          Ob an der Windthorststraße, im Bolongaropalast oder im Bahnhof von Höchst, das wichtigste für das Valentin-Publikum ist sicherlich, dass das Programm dasselbe bleibt. Und das wird es, versichern Rosmaity und Ziegler. Zum Stadtteilkino- und Programmkino-Konzept des Filmtheaters gehören Arthouse-, Schul- und Unterhaltungsfilme. „Unterhalten“ soll etwa eine James-Bond-Nacht mitsamt Fangruppen-Diskussion, womit strenggenommen Unterhaltung im Arthouse-Gewand angeboten wird.

          Trotz gegenteiliger Prognosen blicken die beiden Kinomacher optimistisch in die Zukunft: „Der Zuschauerschwund der vergangenen fünf Jahre traf nicht die Programmkinos“, sagt Rosmaity. Auch das Heimkino sei keine Konkurrenz. „Im Gegenteil. Die DVDs machen die Leute neugierig, sich die Filme auch auf der großen Leinwand anzusehen.“ Das mag auf die cineastische Valentin-Kundschaft zutreffen, die den Programmverantwortlichen ihres Kinos blind zu vertrauen scheint. „Unsere regelmäßigen Besucher lassen sich gerne auf das ,Abenteuer Kino‘ ein, sie suchen ihre Kino-Institution auf, egal, welcher Film gerade gezeigt wird.“ Und doch hat der Filmfreund Mitspracherecht: Die Reihe „Filme für Freunde“ präsentiert die anhand von Wunschlisten ermittelten Lieblingsfilme der Besucher.

          Ein nicht zu unterschätzender Einfluss

          Im ehemaligen amerikanischen Truppenkino an der Windthorststraße eröffnete das Valentin im Jahr 1994 mit Billy Wilders Ost-West-Komödie „Eins, Zwei, Drei“ (1961), deren Dreharbeiten in Berlin in die Zeit des Mauerbaus fielen, als der jüdische Emigrant Wilder schon lange in den Vereinigten Staaten lebte. Nun wird die Wiedereröffnung des Filmtheaters im Bolongaropalast mit dem Jazz- und Schlagersänger Bill Ramsey gefeiert, der heute noch im Alter von 81 Jahren durch die Sendung „Swingtime“ auf HR 2 führt und zu Beginn der fünfziger Jahre GI-Betreuer und Chefproduzent beim Soldatensender American Forces Network (AFN) in Frankfurt war.

          Wie die Geschichte des Filmtheaters Valentin ist auch die Geschichte von AFN eine deutsch-amerikanische. 1942 vom amerikanischen Kriegsministerium eingerichtet mit dem Ziel der Rundfunkversorgung der Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Europa, hatte AFN einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die deutsche Nachkriegsgeneration. Nach 1945 standen die Amerikaner für die Befreiung von Nazideutschland. Amerika galt als Land der unbegrenzten Möglichkeiten, als Inbegriff von Freiheit, Demokratie und Moderne. Verheißung versprachen die Neue Welt und die neuen Klänge von Glenn Miller, Bing Crosby, den Andrew Sisters, Bill Haley und Elvis Presley. Der „Candy-Bomber“ warf über dem Flughafen Berlin-Tempelhof Schokolade und Kaugummis für die Kinder ab, und AFN ließ die Teenager das Lebensgefühl des Rock’n’Roll spüren. „AFN war wie eine Offenbarung, exotisch, dynamisch, eine völlig andere Welt. Es war, als würde man plötzlich Musik und Discjockey nicht mehr unterscheiden können, das war eine verflochtene Einheit“, erinnert sich Moderator Fritz Egner in dem Dokumentarfilm „Radio Star – die AFN-Story“ (1994). Egner heuerte in den siebziger Jahren beim AFN-Studio in München als Tontechniker an: „Ich wäre auch als Parkwächter da hingegangen. AFN war ein Teil meiner Kindheit.“ Als der Moderator eines Morgens verschlafen hatte, witterte Tontechniker Egner seine Chance: „Da ging ich einfach auf Sendung.“

          Am Eröffnungsabend des Filmtheaters Valentin wird der Film von Hannes Karnick und Wolfgang Richter zu sehen sein, in dem neben weiteren 31 Zeitzeugen natürlich auch Bill Ramsey zu Wort kommt, aber auch das Höchster Schloss als Frankfurter Sitz von AFN bis in die sechziger Jahre hinein eine nicht unbedeutende Rolle spielt – „an der Grenze des Erlaubten“.

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