https://www.faz.net/-gzg-9hl77

Filmstadt Frankfurt : Gute Chancen auf eine internationale Kinokarriere

Tatort Neue Mainzer Straße: In Krimis ist das Bankenviertel eine beliebte Kulisse. Bild: Niklas Grapatin

Die Skyline, der Fluss, Industrieromantik und ein Image als Stadt der Banker und Gangster: Frankfurt hat Filmemachern etwas zu bieten – und endlich greifen diese auch zu.

          Deutschlandweit hat es Frankfurt in diesem Jahr geschafft: Mit der ZDF-Serie „Bad Banks“, die 2018 etliche Preise abgeräumt hat, ist auch die Stadt als Filmkulisse zu neuem Ruhm gelangt. Im neuen Jahr könnte nun der internationale Durchbruch folgen: Der Streaming-Dienst Netflix lässt 2019 in der Mainmetropole eine Serie drehen, die später in 190 Ländern angeboten wird. Diese Aussichten und die Tatsache, dass derzeit etliche prominent besetzte Spielfilm-Projekte im Land entstehen, weckt die Hoffnung, dass der Filmstandort Hessen an Gewicht gewinnt.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ganz unbedeutend war und ist die Branche in der Rhein-Main-Region ohnehin nicht, auch wenn sie an die Hochburgen München, Hamburg und Berlin höchstens im Segment der Postproduktion heranreichen kann. In Hessen sind die Werbeagenturen sowie die Software- und Spieleindustrie die großen Akteure innerhalb der Kreativwirtschaft, sie erwirtschaften zusammen acht Milliarden Euro Umsatz, die Filmbranche inklusive der Kinobetriebe spielt mit rund 800 Millionen Euro Jahresumsatz in einer anderen Liga.

          Neben Geld auch Glamour und Kultur

          Die Hessen möchten gern aufsteigen, denn das Geschäft mit den bewegten Bildern ist nicht irgendeines: Es bringt neben Geld auch Glamour und Kultur ins Land und kann das Image von Städten und Regionen aufwerten. In diesem Sinne wurde im Jahr 2016 die Filmförderung des Landes neu aufgestellt und die Hessen Film und Medien GmbH, kurz Hessenfilm genannt, gegründet. Seitdem wurden Jahr für Jahr höhere Fördersummen vergeben, im vergangenen Jahr wurden mit insgesamt 11,5 Millionen Euro Dreharbeiten, Postproduktionen, Dokumentarfilme, Filmfestivals, Programmkinos und Nachwuchsfirmen unterstützt.

          Rausgeschmissen ist das Geld in keinem Fall, denn für den größten Teil dieser Förderung gilt die Bedingung, dass das Geld nur in Hessen ausgegeben werden darf. Und nicht nur das, die 500.000 Euro Zuschuss für die zweite Staffel von „Bad Banks“ beispielsweise wurden mit der Auflage bewilligt, dass die Produzenten für mindestens 750.000 Euro Aufträge an hessische Unternehmen und Freiberufler vergeben müssen.

          „Aber die Lage bleibt schwankend“

          Hans Joachim Mendig, Geschäftsführer von Hessenfilm, schätzt die Rendite für das Land noch weitaus höher ein: Jeder Euro, der in die Filmförderung gesteckt werde, spiele drei bis fünf Euro ein. Der Image-Gewinn für die Drehorte komme noch dazu. Karl-Eberhard Schäfer, als Gründer und Geschäftsführer der Firma U 5 einer der wenigen größeren Filmproduzenten in Frankfurt, schätzt die Lage dagegen etwas vorsichtiger ein. Es sei großartig, dass man mit Erfolgen wie „Bad Banks“ zeigen könne, was am Standort möglich sei. „Aber die Lage bleibt schwankend.“

          Immerhin, die Zahlen gehen nach oben, der Umsatz der Branche ist in Hessen in sieben Jahren um 26 Prozent gewachsen. Zudem verzeichnete die Stadt Frankfurt in den vergangenen drei Jahren eine steigene Nachfrage nach Drehgenehmigungen – und Straßensperrungen für die Aufnahmen. Besonders gern filmen die Teams auf den Brücken, das beliebteste Motiv neben der Skyline ist die Häuserschlucht an der Neuen Mainzer Straße.

          Doch auch schon vor fünf Jahren, als Filmgrößen wie Matthias Schweighöfer und Moritz Bleibtreu in Frankfurt Kinofilme drehten und über die Stadt als Kulisse schwärmten, war die Euphorie groß. Seitdem geht der Aufstieg nur langsam. „Um zu sehen, ob es mit den Nachwuchsprogrammen und den höheren Fördermitteln wirklich gelingt, mehr Akteure an den Standort zu locken, braucht es mindestens fünf Jahre“, sagt Schäfer.

          Bekannte Namen sind für dieses Ziel in jedem Fall hilfreich. Und so kommen „Bad Banks“ mit der vielgelobten Hauptdarstellerin Paula Beer und das Netflix-Projekt gerade recht: „Skylines“ soll die sechsteilige Serie heißen, als Regisseure wurde Max Erlenwein und Soleen Yusef gewonnen, unter den Produzenten sind Maren Ade und ihre Firma Komplizenfilm. Die Stadt Frankfurt wird mit „Skyline“ wohl eher ihren Ruf als spannungsreiche, weniger als besonders attraktive Stadt stärken können – vorausgesetzt, die Stadt wird in der für den internationalen Markt bestimmten Produktion überhaupt erkennbar sein. Erzählt werden soll laut Netflix die Geschichte eines jungen Hiphop-Produzenten, der mitten hineingerät in eine Welt voller Musik, organisierter Kriminalität und gieriger Banker. Heimatfilme dreht man eben anderswo.

          Weitere Themen

          EKG für unterwegs Video-Seite öffnen

          Infarkt oder nicht? : EKG für unterwegs

          Eine App fürs Handy und ein Kabel mit Elektroden - Cardiosecur hat ein mobiles EKG entwickelt. Gründer und Geschäftsführer Markus Riemenschneider erklärt im Video, wie das Ganze funktioniert.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.