https://www.faz.net/-gzg-93s29

Film: „Fikkefuchs“ : Kino-Plakat befeuert Sexismus-Debatte

Plakat des Anstoßes: Werbung für den Film „Fikkefuchs“ Bild: dpa

Die provokative Plakatwerbung für den Film „Fikkefuchs“ sollte nicht in den öffentlichen Frankfurter Verkehrsmitteln angebracht werden. Nun rudert die VGF aber zurück.

          Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) genehmigt nun doch, dass das Werbeplakat für den Kinofilm „Fikkefuchs“ auch an Frankfurter Bus-, Straßenbahn- und U-Bahn-Haltestellen angebracht werden darf. Damit revidiert die VGF ihre bisher ablehnende Haltung. „Wir haben unsere Entscheidung noch einmal in einem größeren Kreis des Unternehmens diskutiert und sind zu dem Schluss gekommen, das Plakat nun doch freizugeben“, teilte gestern ein VGF-Sprecher mit. Zuvor hatte die für Werbung zuständige Fachabteilung das Plakat als sexistisch eingestuft und deshalb untersagt, dass es auf den VGF-Werbeflächen gezeigt werden dürfe. Um wie viele Plakate es sich handelt, die in Frankfurt aufgehängt werden sollen, ist nicht bekannt. Die VGF konnte dazu gestern ebenso wenig Auskunft geben wie zu dem Sinneswandel im Unternehmen.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Münchener Verkehrsgesellschaft hatte das Filmplakat in der vergangenen Woche aus den U-Bahn-Stationen in ihrer Stadt entfernen lassen. Das Plakat, das für eine deutsche Filmkomödie wirbt, die an diesem Donnerstag in den Kinos anläuft, zeigt einen stilisierten weiblichen Unterleib, dessen Scham von einem ebenfalls stilisierten Fuchskopf bedeckt wird.

          Satire statt Sexismus

          Die Frankfurter Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) hält das Filmplakat nicht für sexistisch. Hier gehe es um ein Plakat, das mit satirischen Mitteln für einen Film werbe, der sich „mit grimmigem Humor mit den gescheiterten Potenzfantasien von Männern auseinandersetzt“, sagte Heilig auf Anfrage. Anders sei es, wenn halbnackte Frauen sich auf Kühlerhauben räkelten und damit Werbung für Automarken machten. Das sei Sexismus, da die Frau nur als Blickfang benutzt werde.

          Heilig kritisierte auch die Werbung eines Frankfurter Feinkostunternehmens in diesem Sommer, das mit einer kaum bekleideten Frau und dem Slogan „Unverschämt frisch“ für seine eigenen Frischeprodukte geworben hatte. Das Unternehmen hat in der Stadt einen untadeligen Ruf als guter Fischhändler. Auch im Fall dieses Unternehmens, so Heilig, sei die Frau nur als Dekoration benutzt worden. „Da werde ich sauer“, sagte sie gestern, „da müssen auch klare Grenzen gesetzt werden.“ Für Heilig ist über die aktuelle Aufmerksamkeit hinaus eine grundsätzliche Sensibilisierung für das Thema Sexismus „sinnvoll und wichtig“.

          Beim Deutschen Werberat in Berlin sind wegen des aktuellen Filmplakats noch keine Sexismus-Beschwerden eingegangen. Wie eine Sprecherin mitteilte, erwartet sie auch nicht, dass es für größere Aufregung sorgen werde. Die Bürger würden in der Regel ganz gut verstehen, wenn es sich, wie in diesem Fall, um einen satirischen Film und dessen Ankündigung handele. Auch der Hamburger Verein Pinkstinks, der sich unter anderem gegen Sexismus in der Werbung engagiert und dazu eine vom Bund geförderte App mit dem Namen Werbemelder entwickelt hat, hält das Plakat nicht für sexistisch. „Es ist stereotyp“, teilte Stevie Schmiedel von Pinkstinks mit. Schade sei, dass mit dem perfekt geformten weiblichen Unterleib ein Film beworben werde, der offensichtlich Männlichkeitsklischees demontieren solle. „Damit werden auf keinen Fall neue Sichtweisen verkauft.“

          Weitere Themen

          Elf Patienten aus Krankenhaus entlassen Video-Seite öffnen

          Nach Busunfall auf Madeira : Elf Patienten aus Krankenhaus entlassen

          Nach dem Busunglück auf Madeira sind elf der Unfallopfer aus dem Krankenhaus entlassen worden. 16 weitere Personen würden weiter behandelt, ihr Zustand sei aber stabil und verbessere sich. Noch sei nicht abzusehen, wann die verletzten Touristen zurück nach Deutschland transportiert werden können.

          Den Unrat anderer Leute eingetütet

          „Fridays for Future“ : Den Unrat anderer Leute eingetütet

          Normalerweise halten die Schüler von „Fridays for Future“ ihre Plakate in die Höhe, an diesem Karfreitag aber geht ihr Blick zum Boden. Sie sammeln in Frankfurt den Müll ein, den andere hinterlassen haben.

          Topmeldungen

          Kämpfer von General Haftar beim Angriff auf Tripolis: Mit seiner Unterstützung für den Rebellenführer gefährdet Donald Trump den UN-Friedensplan für Libyen.

          Krieg in Libyen : Trump telefoniert mit General Haftar

          In dem Gespräch betont Trump die wichtige Rolle des Generals im Kampf gegen Terror und bei der Sicherung der libyschen Ölvorkommen. Durch seinen Zuspruch wird eine ausländische Intervention in dem Bürgerkriegsland wahrscheinlicher.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.