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FFC Frankfurt : Langsam, passiv, leidenschaftslos

  • -Aktualisiert am

Verkniffen: Celia Sasic gegen Vanessa Martini (links) auf der Balljagd. Bild: Heiko Rhode

Der FFC Frankfurt spielt 1:1 bei seiner Heimspielpremiere und macht gegen Essen genau jene Fehler, die der Frauenfußballklub auf jeden Fall vermeiden wollte.

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          In dieser Kontinuität wollten sie in der neuen Saison gerade nicht stehen: wenig überzeugende Heimspiele zeigen und darüber in Erklärungsnot geraten. Und doch hat der FFC Frankfurt gleich bei erster Gelegenheit die bösen Geister der missratenen Vorsaison geweckt. Die Frankfurterinnen kamen auf der Baustelle Stadion am Brentanobad am zweiten Spieltag der Frauenfußball-Bundesliga nicht über ein 1:1 gegen die SGS Essen hinaus. Manager Siegfried Dietrich sprach von einem „ersten Warnschuss“. In den Erklärungsversuchen der Spielerinnen, warum insgesamt zehn eingesetzte Nationalspielerinnen wackere, aber in der Summe doch limitierte Essenerinnen nicht besiegen konnten, kamen auffällig oft Begriffe wie „eigentlich“ oder „irgendwie“ vor.

          Ein ähnliches Bild wie in den Monaten zuvor, die man beim FFC tunlichst aus den Kleidern bekommen wollte. Der neue Trainer Colin Bell bemängelte nach Schlusspfiff das häufig „zu langsame Passspiel“, er kreidete „Passivität“ an und monierte mitunter fehlende „Leidenschaft“. Es hakte an einigen Stellen im neuen FFC-Gebilde. Nach dem Starterfolg in Freiburg nun also vor eigenem Publikum gleich der erste Rückschlag für den neuformierten FFC, der nur zu gern die bislang nur verbal entfachte Aufbruchsstimmung auch auf den Rasen gebracht hätte. Das gelang exakt sechs Minuten lang. Die Frankfurterinnen legten vor 1820 Zuschauern einen so starken Start hin, das im Essener Trainer Markus Högner schon die „Angst vor einem Waterloo“ in Frankfurt keimte.

          Die Kabinenpredigt war nötig

          Die neue Kapitänin Kerstin Garefrekes schloss eine gute Kombination mit einem platzierten Rechtsschuss zum 1:0 ab. Und keine Minute später hatte Celia Sasic per Kopf nach Flanke von Kozue Ando die große Chance, zu erhöhen. Doch die SGS-Torfrau Lisa Weiß entpuppte sich in dieser, wie auch in weiteren Szenen, als großer Störenfried der Frankfurter Offensivbemühungen. Diese erlahmten jedoch nach dem Treffer auf unerklärliche Weise. „Ich möchte, dass sich meine Mannschaft dann in einen Rausch spielt und nicht dass sie das Tempo herausnimmt und das Ergebnis verwaltet“, sagte Bell, der 90 Minuten lang an der Seitenlinie impulsiv zu Werke ging. Doch aufrüttelnde Impulse aus der Mannschaft heraus vermochte sich das FFC-Team in der äußerst schwachen Phase bis zur Halbzeit nicht zu geben. „Das Tor hätte uns eigentlich Sicherheit geben müssen“, sagte Abwehrchefin Saskia Bartusiak. „Das darf uns so nicht passieren.“

          Stattdessen mussten die Frankfurterinnen in der Nachspielzeit der ersten Hälfte noch den Ausgleich hinnehmen. Die in ihrer Rolle im zentralen Mittelfeld schwache Melanie Behringer brachte Irini Ioannidou im Strafraum ungeschickt zu Fall. Die Gefoulte selbst verwandelte sicher. Erst die Kabinenpredigt Bells brachte den FFC nach der Pause wieder einigermaßen in die Spur. Zwischen der 55. und 66. Minute erarbeiteten sich die Hessinnen gleich vier hochkarätige Torgelegenheiten. Doch Peggy Kuznik verfehlte aus dem Gewühl das leere Tor, Kerstian Garefrekes köpfte drüber und Dzsenifer Marozsan fand zwei Mal ihre Meisterin in der Essener Torfrau. Mit der zweiten Halbzeit zeigte sich Coach Bell anschließend „zufrieden“, weil Laufbereitschaft und Willen wieder stimmten. Eine spielerische Dominanz und dauerhafter Druck auf das gegnerische Tor wollte sich beim FFC aber nicht einstellen. Passend dazu: Celia Sasics Versuch (84.) klatschte gegen den Außenpfosten und der letzte Schuss von Dzsenifer Marozsan (89.) verfehlte sein Ziel. „Wir stehen vor einer großen Herausforderung“, sagte Bell. „Wir müssen noch einiges ins Visier nehmen.“ Widerspruch brauchte der Engländer nicht zu fürchten.

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