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„Wollte selbst zum Löschen kommen“ : Feuerwehrmann legt mit Freund 18 Brände

  • -Aktualisiert am

Auch im Einsatz gegen Brände, gelegt von anderen Feuerwehrmännern: die Feuerwehr Frankfurt (Symbolbild). Bild: Manz, Florian

Zwei junge Männer legten im Westen Frankfurts 18 Brände. Oft zündeten sie Heuballen und Mülltonnen an. Manchmal wurden sie auch zu den selbst gelegten Bränden gerufen. Nun sind zu Bewährungsstrafen verurteilt.

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          Als die Heuballen loderten, fuhren die Brandstifter auf einen Hügel und sahen der Berufsfeuerwehr beim Löschen zu. Fast ein Jahr lang zündeten Ronny E. und Kevin K., heute beide 20 Jahre alt, vor allem im Frankfurter Stadtteil Sindlingen Gartenhütten, Heuballen und Mülltonnen an. Ronny hatte im Herbst 2011 gerade die Erlaubnis bekommen, als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr bei Löscheinsätzen dabei zu sein. Er wollte Arbeit haben, hatte Spaß am Löschen und manchmal wurde er tatsächlich zu den selbst gelegten Bränden gerufen. „Wenn man die Feuerwehrleute seines Zuges fragte, würden sie sagen, dass er der Fleißigste beim Löschen war“, sagte Ronnys Anwalt vor Gericht.

          Ronny E. und Kevin K. waren vor dem Landgericht wegen Sachbeschädigung und Brandstiftung angeklagt und gaben beide zu, die 18 Brände im Westen der Stadt gelegt zu haben. Ihnen sei langweilig, der Kick beim Anzünden groß gewesen, sagten die Freunde. Aber vor allem hätten sie gewollt, dass Ronny zu seinen Löscheinsätzen kommt. Das Landgericht verurteilte sie wegen der Brandserie zu je einem Jahr Bewährungsstrafe. Die Kammer entschied darauf, sie wegen ihrer fehlenden Reife nach dem Jugendstrafrecht zu behandeln.

          Beinah wären Menschen verletzt worden

          Als die beiden das erste Mal einen mit Stroh und Heuballen beladenen Anhänger sahen, hielten sie nur ihre Feuerzeuge an das Brandgut. Später zapften sie Benzin aus den Tanks ihrer Roller in Plastikflaschen und zogen los. Einmal fraß sich das Feuer auf einer Benzinspur bis zu einer Gartenhütte. Drei Hütten brannten aus: 5.000 Euro Schaden. Ein anderes Mal griff das Feuer von einer Mülltonne auf die Fassade eines Hauses über: 10.000 Euro Schaden. Und in einer Nacht bespritzten sie die Lagerhalle des Sindlinger Karnevalvereins mit Benzin: 500 Euro Schaden – die Wand wollte nicht richtig Feuer fangen.

          Ronny K. hatte Mühe, die Frage zu verstehen, ob er sich denn während der Taten keine Gedanken darum gemacht habe, dass er Menschen wehtut, wenn er ihre Gartenhütten, ihre selbst errichteten Refugien niederbrennt. „Mir ist erst in der Therapie klar geworden, dass auch Menschen hätten verletzt werden können“, sagte er. So war die Frage zwar nicht gemeint, aber zumindest einmal bestand tatsächlich Gefahr, jemanden zu verletzen: Es sollte ein besonders großer Brand werden, der vierzehnte in der Serie. Auf einem Feld lagen im Sommer 2012 Heuballen, zu einem Haufen getürmt. 88 davon brannten schließlich, und das Feuer drohte, auf ein benachbartes Ferienhaus überzugreifen. Die Dachpappe kokelte an, das Badezimmerfenster zerbarst in der Hitze. Die beiden Bewohner bemerkten den Brand rechtzeitig und konnten sich hustend ins Freie retten.

          Noch Forderungen von 150.000 Euro

          Während der Brandserie konnte Isabell M. kaum schlafen. Die Einunddreißigjährige bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann viele landwirtschaftliche Flächen in Sindlingen und sagte vor Gericht, dass sie nachts immer gelauscht habe, ob es einen Feueralarm gebe. „Bei uns hat es in der Zeit drei Mal gebrannt, und noch öfter waren wir nachts draußen, weil Freunde betroffen waren“, sagte sie

          M. und ihr Mann kannten den Angeklagten Ronny E. schon länger, er fuhr vor den Taten ab und zu Traktor auf den Feldern und arbeitet seither seine Schulden mit kleinen Hilfen ab. „Ich würde heute meine Hand dafür ins Feuer legen, dass er nichts mehr anzündet“, sagte M. vor Gericht, selbst belustigt über die Wortwahl. Sie will keinen Schaden mehr bei den jungen Männern geltend machen, andere wollen das hingegen schon: Insgesamt, so der Anwalt von Ronny E., hätten die beiden mit Forderungen von etwa 150.000 Euro zu tun.

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