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Angeklagt wegen Mordversuchs : Feuerwehrmänner gestehen Brandstiftung in Hochhaus

  • -Aktualisiert am

Anklage wegen Mordversuchs: Zwei freiwillige Feuerwehrmänner haben gestanden, ein Hochhaus angezündet zu haben (Symbolbild). Bild: dpa

Zwei Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr haben vor Gericht gestanden, ein Hochhaus in Offenbach angezündet zu haben. Die beiden Männer wollte beim Einsatz als Helden dastehen.

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          Es ist viertel nach eins in der Nacht, als am letzten Oktobertag vergangenen Jahres Rauchschwaden aus dem Keller eines Offenbacher Mehrfamilienhauses dringen. Innerhalb einer Minute wird der gelblich-weiße Qualm so dicht, dass die dahinter liegende Fassade kaum zu erkennen ist. Um 1.26 Uhr trifft die Polizei an der Richard-Wagner-Straße ein, Bewohner retten sich ins Freie.

          Es sind gespenstische Szenen, die Prozessbeteiligte am Donnerstag im Landgericht Darmstadt zu sehen bekommen. Die Bilder stammen von Überwachungskameras der Polizei, die diese installiert hatte, um zwei mutmaßlichen Brandstiftern auf die Spur zu kommen. Das gelang. Zwei junge Männer, die auf dem Video zu sehen sind, müssen sich nun wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten.

          Bewohner in Lebensgefahr gebracht

          Weil sie sich als Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Offenbach-Rumpenheim bei den Löscharbeiten als Helden hätten hervorheben wollen, haben sie laut Anklage im Keller des Mehrfamilienhauses mit Grillanzündern ein Feuer entfacht und damit Bewohner in Lebensgefahr gebracht. Der Brand sei nur durch Zufall entdeckt worden, die städtische Berufsfeuerwehr habe gerade noch verhindern können, dass die Flammen auf eine darüberliegende Erdgeschosswohnung übergriffen.

          Im Obergeschoss lebte unter anderem ein gehbehindertes Ehepaar, dass seine Wohnung ohne Hilfe nicht verlassen konnte. Beim Einsatz in dem verrauchten Keller war ein Feuerwehrtrupp in Gefahr geraten. Von den 43 in dem Haus gemeldet Bewohnern erlitten vier Rauchvergiftungen, eine Frau kam in die Klinik. Besonders erschreckend: In dem Haus wohnte der jüngere der beiden Angeklagten selbst, zusammen mit seiner Mutter. Sie lag im Bett, als ihr Sohn gezündelt haben soll.

          Zu Prozessbeginn gestehen die beiden jungen Männer, 21 und 22 Jahre alt, die Tat. Allerdings, so das Gericht, mehr schlecht als recht. Der ältere Angeklagte lässt von seiner Verteidigerin eine Erklärung verlesen. Die beginnt mit Vorwürfen. Der Angeklagte misstraue den Behörden, deswegen rede er nicht selbst und werde auch keine Fragen beantworten. Die Begründung: Als er kurz nach dem Brand bei der Polizei ausgesagt habe, hätten ihm die Beamten nicht richtig zugehört, Details nicht aufgenommen und im Anschluss Sachverhalte verwechselt, so dass der Anschein entstanden sei, der Angeklagte würde lügen. Der Zweiundzwanzigjährige sei von diesem Erlebnis enttäuscht, so die Verteidigerin.

          „Wir wollten auf jeden Fall beim Angriffstrupp dabei sein“

          Offenbar hat der junge Mann den Ernst der Lage nicht begriffen, obgleich er gegen Ende seiner Einlassung von seiner Anwältin verlesen lässt, das „es“ ihm leidtue. Man habe das Haus der Mutter seines Freundes deswegen ausgesucht, weil dort Rauchmelder im Treppenhaus gehangen hätten und der Keller mit Feuerschutztüren gesichert gewesen sei. Dadurch habe niemand zu Schaden kommen können. Das Feuer sei nur deswegen so heftig geworden, weil die Berufsfeuerwehr im Keller Fenster eingeschlagen habe. Durch die Frischluftzufuhr seien Glutnester entflammt worden. Außerdem hätten es die Angeklagten von dem Haus aus rasch zur Feuerwache schaffen können, „denn wir wollten auf jeden Fall beim Angriffstrupp dabei sein“, heißt es in der Einlassung. Nur so hätten sie sich als Helden hervorzutun können. Das habe nicht geklappt, weil der Angriffstrupp schon vollzählig gewesen sei. „Obwohl wir uns so beeilt haben.“ Der Mitangeklagte schließt sich den Worten seines Freundes an. Allerdings habe er nicht erwartet, „dass es so krass wird“. Ansonsten antwortet er auf Fragen immer wieder mit den Sätzen: „Dazu kann ich nichts sagen“ oder „Daran erinnere ich mich nicht mehr“.

          Aufgeflogen waren die beiden mutmaßlichen Brandstifter, weil sie zuvor Gartenhütten angesteckt hatten. Der Berufsfeuerwehr war aufgefallen, dass es immer dann zu Bränden kam, wenn die Rumpenheimer Dienst hatten. Und immer seien die Angeklagten als erstes an Ort und Stelle gewesen. Daraufhin überwachte die Polizei die Mobiltelefone der beiden, die sich prompt schrieben, dass „bald ’mal ’was Großes“ brennen müsse. Schließlich wurde das Wohnhaus des jüngeren Angeklagten kameraüberwacht – und lieferte jene Videosequenzen, die im Prozess gezeigt wurden.

          Mit ihrem Wunsch, dass endlich mal „etwas Großes“ brenne, seien sie nicht alleine gewesen, behaupten die Angeklagten. „So haben alle in der Feuerwehr gedacht.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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