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Feuerwehr Hofheim : Kameradschaft im Löschwasser

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Kernkompetenz: Den Umgang mit Schläuchen muss jede Feuerwehrfrau und jeder Feuerwehrmann beherrschen (Symbolbild). Bild: dpa

Die Hofheimer Feuerwehr feiert Jubiläum. Seit 150 Jahren löscht sie Brände und holt die eine oder andere Katze vom Baum.

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          Was Großbrände in Hofheim betrifft, lässt sich Herbert Köhler nichts vormachen. Schließlich gehörte der 76 Jahre alte Veteran sechs Jahrzehnte der Freiwilligen Feuerwehr Hofheim an. 1962 war er bei den Bränden in der Lederfabrik Neumann und in Hof Hausen dabei, 1979 in der Obermühle. Köhler lässt auch nicht mit sich reden, wenn die Broschüre zum einhundertfünfzigjährigen Bestehen den Brand in Hof Hausen auf 1957 datiert. Nein, ein echter Feuerwehrmann hat die exakten Daten im Kopf. Er weiß sogar noch, welche Fahrzeuge in welchem Jahr zum Einsatz bereitstanden.

          Die Einsatzfahrzeuge sind der ganze Stolz einer jeden freiwilligen Feuerwehr, und mit den Aufgaben wachsen die Anforderungen an die Technik. In der Anfangszeit aber war der Feuerschutz schlicht geregelt: „Alles, was Hände hatte“, schöpfte Wasser mit Eimern am Brunnen oder am Bach. Als offizielles Gründungsjahr der Hofheimer Feuerwehr gilt das Jahr 1868, auch wenn keine Gründungsurkunde existiert. Damals wurde nach einem Großbrand auf Beschluss des Stadtrats eine Saug- und Druckspritze angeschafft. Der Bürgermeister rief seine Einwohner auf, sie mögen sich auf freiwilliger Basis in einer Feuerwehr zusammenschließen. Spontan erklärten sich dazu 40 Männer bereit. Damals zogen noch Pferde die Spritzen zum Einsatz.

          Brandschutz zeigt Wirkung

          Lange Zeit waren Brände die Auslöser zu den meisten Einsätzen, doch das hat sich geändert. Heute ist die Zahl der großen Brände geringer geworden. Rauchmelder, gute Melde- und Löschanlagen und generell der vorbeugende Brandschutz haben Wirkung gezeigt. Doch damit einher gingen neue Aufgaben wie das Retten der berühmten Katze im Baum, aber auch das Sichern von Unfallstellen und das Beseitigen von Ölspuren.

          Nicht jede Katze möchten die Wehrmänner aus Bäumen retten. Doch wenn sie verzweifelten Anrufern sagen, sie hätten noch nie ein Katzengerippe in den Wipfeln gefunden, und die Tiere kämen selbst hinunter, dann fließen die Tränen der Halter. An eine nervige Katze, die sich in aller Seelenruhe habe retten lassen, erinnert sich Wehrführer Jörg Daniel. Zu 412 Einsätzen rückte die Hofheimer Feuerwehr samt den Kameraden in den sieben Stadtteilen im vergangenen Jahr aus. „Unwetterbereinigt“, wie Daniel sagt.

          Alarmierung via Mobiltelefon

          Dazu bedarf es vieler Mitglieder. Knapp 100 Aktive listet die Kartei auf, auf 60 kann sich der Kommandant verlassen. Er ist damit zufrieden, kennt aber die Probleme genau: Weniger junge Leute wollen sich ehrenamtlich betätigen und binden, die Arbeitgeber sehen es nicht so gerne, wenn ihre Angestellten während der Arbeitszeit zum Einsatz gerufen werden. Doch wenn Menschenleben in Gefahr seien, ließen auch die Unabkömmlichen die Arbeit liegen und kämen rasch zum Stützpunkt. An der Art der Alarmierung via Mobiltelefon sehen die Wehrleute, um welche Art von Einsatz es sich handelt. Sirenen werden nur noch selten angeworfen.

          Hofheimer Feuerwehr: ein Feuerwehrauto vor der Wagenhalle

          Zu den zusätzlichen Aufgaben der Hofheimer Feuerwehr gehören seit einigen Jahren auch die Autobahnen 3 und 66, die quer durch den Main-Taunus-Kreis führen, sowie die ICE-Strecke Frankfurt–Köln auf Kreisgebiet. Das bedeutet, dass die Feuerwehrleute dafür geschult werden, dass sie Unfälle absichern, dass sie, um Menschenleben zu retten, exakt wissen müssen, wo sich bei jedem Fahrzeug der Airbag abschalten, wo sich Benzin abpumpen und wie sich ein Elektroauto ausschalten lässt.

          Keine Nachwuchssorgen

          Computerprogramme helfen und spezielle Feuerwehrfahrzeuge auch. Dafür müssen sich die Kameraden auf Lehrgängen und Seminaren mehr um Technik kümmern als früher. Nach mehreren Erweiterungen haben sie inzwischen ihren festen Stützpunkt an der Katharina-Kemmler-Straße. Daneben steht ein Haus mit Wohnungen für elf Feuerwehrleute, die alle ihren Berufen nachgehen, zu verschiedenen Zeiten arbeiten und so einfacher zur Verfügung stehen. Hinzu kommen sieben hauptamtliche Kräfte, die die täglichen Arbeiten erledigen, hauptsächlich aber Fahrzeuge und Geräte warten.

          Nachwuchssorgen kennt man in Hofheim nicht. Man steuerte gegen mit der Gründung einer Jugendfeuerwehr und einer Kindergruppe. Die 20 Sechs- bis Zehnjährigen nennen sich „Feuerfüchse“, die Jugendfeuerwehr, die bis zum Alter von 17 Jahren reicht, besteht aus 26 Mädchen und Jungen. 80 Prozent der erwachsenen Einsatzkräfte kommen aus dem eigenen Nachwuchs.

          Die Kameradschaft wird unter den Feuerwehrleuten nach wie vor großgeschrieben. Doch Veteran Köhler merkt an, dass die Aktiven nicht mehr so trinkfest seien wie früher. Von den Gelagen früherer Jahre seien sie weit entfernt. An diesem Sonntag feiert die Freiwillige Feuerwehr Hofheim an der Katharina-Kemmler-Straße ihr Jubiläum, zu dem der hessische Innenminister ein neues Löschfahrzeug spendiert.

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