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Festival zum bewegten Bild : Ein amerikanischer Traum

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Mehr als nur Fernsehen: „The Killing“ mit Joel Kinnaman und Mireille Enos wird heute auf der B3-Biennale gezeigt. Bild: ddp

Fernsehserien sind ein Kernstück der B3-Biennale. Die Wissenschaftler sind noch skeptisch, heute kommen die Autoren zu Wort.

          „Das mit den Serien ist eigentlich gar nicht mein Ding“, gestand die Germanistin Eva Geulen gleich zu Beginn. Das geht schon als kleine Provokation durch, gehört es doch mittlerweile zum guten Ton unter Kulturinteressierten, das neue goldene Zeitalter der Fernsehserie zu preisen. „Breaking Bad“, „Mad Men“, „The Wire“ und andere Produktionen haben sich als eigene Kulturform etabliert, die wahlweise den Roman, das Kino oder gleich beides ersetzt. Kunst- und Filmfestivals reagieren mittlerweile auf diese Entwicklung. Sie nehmen die früher geschmähten Fernsehserien mit in ihr Programm auf, so auch die in diesen Tagen zum ersten Mal stattfindende Biennale des bewegten Bildes. Anspruch der B3-Biennale sei es, das Phänomen von allen Seiten zu beleuchten, erklärte Leiter Bernd Kracke vorab: Werkstatt-Gespräche mit den Machern, Vorführungen für das Publikum, aber auch wissenschaftlichen Auseinandersetzung.

          Klug war es, gleich am Mittwoch die Wissenschaftler zu Wort kommen zu lassen, bei der Diskussionsrunde „Philologen im Serienrausch“. Geulen machte schnell klar, dass sie keineswegs berauscht ist, sondern eher skeptisch. Die auch in den Philologien allgegenwärtige Serien-Euphorie, das ist ihre These, rühre nicht nur von der vielbeschworenen „Komplexität“ der neuen Serien her. Eine Rolle spiele auch „das gute Gewissen“, das sich hier leicht erzeugen ließe: „Man kriegt Aktualität und Relevanz frei Haus, die man für Goethe erst mal wieder herstellen muss.“ Der Anschein werde erweckt, dass da etwas ganz Neues in die Popkultur gekommen sei. Dass sich ein Traum erfüllt habe, den man gerade von Amerika, dem Heimatland der neuen Serien, immer gern geträumt habe: die Vereinbarkeit von Qualität und Popularität. Geulen schien diesem Traum zu misstrauen. Damit hatte sie die große Frage an das B3-Festival formuliert: Wie lässt sich das Thema Serien angehen, ohne in den Verdacht zu geraten, sich billig Aktualität und Relevanz abzuholen?

          „Breaking Bad“ beleuchtet die beschädigte Männlichkeit

          Geulens Zweifel konnte man am Donnerstag gleich bestätigt finden, als Diana Iljine für den Vortrag „Serien sind die Filme des 21.Jahrhunderts“ hauptsächlich Werbung für ihr Münchner Filmfest vorbereitet hatte. Den Rest der Veranstaltung bestritt sie damit, das Publikum erzählen zu lassen, welche Serien es schaut und was es daran toll findet. Sie halte das so, weil im Publikum meist sehr viele Serienfreaks säßen, die sich auskennten, sagte Iljine. Die Beiträge beschränkten sich auf die üblichen Phrasen: Die Protagonisten der Serien seien interessanter, weil moralisch ambivalent, die Entwicklung der Figuren irgendwie „tiefer“.

          Da war die Anglistin Julika Griem in der Mittwochsrunde schon wesentlich weiter, als sie das Thema der beschädigten Männlichkeit als ein verbindendes Faszinosum von „Breaking Bad“, „Sopranos“ und anderen Serien genannt hatte. Genauso wie die Filmemacherin Christine Lang, die gestern anhand der ersten fünf Minuten von „Breaking Bad“ aufzeigte, wie genau und dennoch subtil die Serie durch das Zeigen von Alltags-Stil erzählt: Wohnungseinrichtungen, Automarken, Kleidung. Zuvor hatte der Autor Christoph Dreher einen wenig bekannten ökonomischen Aspekt beleuchtet: Amerikanische Sender können viel Geld für Qualitätsfernsehen ausgeben, weil in den Vereinigten Staaten Kabelnetz-Betreiber den Sendern Millionen Dollar dafür zahlen, ihre Programme ausstrahlen zu dürfen. In Deutschland zahlen die Sender an die Netzbetreiber.

          „The Killing“ kombiniert Melancholie und Krimi

          Interessant war während Iljines Vortrag, wie groß die Verachtung des Publikums für deutsche Serien tatsächlich ist. Selbst über die als Positivbeispiele präsentierten Produktionen wie „Weissensee“ schmunzelte man nur. Dieses Schmunzeln zu überwinden ist Ziel der B3-Veranstaltungen, die sich an junge Fernsehmacher richten: Der vom ZDF geleitete Workshop „Writer’s Room“ soll Wege aufzeigen, wie die deutsche Serienlandschaft doch noch zum Blühen gebracht werden kann. Die Arbeit soll später in eine Produktion münden. Beim Auftakt am Donnerstag wurde dem Nachwuchs eine Sache besonders eingeschärft: Ohne Recherche gibt es keine Glaubwürdigkeit, ohne Glaubwürdigkeit keine Qualitätsserie. Dass das einer der wichtigsten Aspekte des neuen goldenen Serienzeitalters ist, davon erzählt auch Drehers Dokumentation „It’s More Than TV“, die heute zu sehen ist. Dreher zeigt nicht die Sets der Serien, sondern deren Milieus, das New Orleans aus „Treme“, Gefängnisse wie in „Oz“. Eben so, wie die Autoren der Serien sich zuerst wie Dokumentarfilmer für ihre Themen interessieren. Darüber wird er anschließend mit der „Treme“-Autorin Mari Kornhauser sprechen. Auch die ehemalige Journalistin Veena Sud gibt Einblicke in ihre Arbeit und zeigt ihre melancholische Krimi-Serie „The Killing“. Vielleicht können die Macher aus erster Hand erklären, wie das funktioniert mit der Vereinbarkeit von Qualität und Popularität – und die Skepsis gegenüber dem amerikanischen Traum vertreiben.

          Heute um 14 Uhr wird Veena Sud im Kunstverein zwei Folgen der dritten Staffel von „The Killing“ zeigen, um 20 Uhr präsentiert Christoph Dreher seine Dokumentation „It‘s More Than TV“. Informationen im Internet unter www.b3biennale.de

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