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Festival in Frankfurts Bahnhofsviertel : Hip-Hop, House und Pop auf 100 Yards

Die Niddastraße im Bahnhofsviertel wird Ende Juni zu einer 90 Meter langen Tanzarena Bild: Schmitt, Felix

Das Bahnhofsviertel ist nicht nur Rotlichtbezirk, sondern auch ein Ort für Kreative: Dies soll ein Open-Air-Festival am 30. Juni beweisen. Organisiert wird es von Geschäftsleuten, die an der Niddastraße ansässig sind.

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          Schnurgerade zieht sich die Niddastraße von der Innenstadt in Richtung Hauptbahnhof. Hier, am nördlichen Rand des Rotlichtbezirks, sind oft auch dessen Schattengestalten anzutreffen - Drogenabhängige, Prostituierte, Zuhälter, Dealer und Obdachlose. Aber das stört David Ardinast nicht. „Das Bahnhofsviertel ist ein authentisches und ehrliches Viertel, hier trägt keiner eine Fassade, man sieht sofort, wen man vor sich hat.“ Ardinast betreibt mit seinem Bruder James die Gastronomie-Kette IMA World, die auch an der Niddastraße mit einem Restaurant vertreten ist. Zusammen mit anderen dort ansässigen Gewerbetreibenden planen sie für den letzten Samstag im Juni ein ganztägiges Open-Air-Konzert.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Veranstaltung werde das kreative Potential des Bahnhofsviertels zeigen und auch jenseits von dessen Grenzen beachtet werden, erwartet James Ardinast. Internationale Bands und Diskjockeys der Musikrichtungen Hip Hop, Indie, Electro-House und Pop sind nach Angaben von Mitorganisator Yves Hofmann für das Festival verpflichtet worden. Hofmann ist Gründer von Yosoy Music, einer Agentur für Kommunikation, Marketing und Musikproduktionen, die ihren Sitz an der Niddastraße hat. Dort sollen beim Open-Air-Konzert die Berliner Mädchen-Combo Laing, die Band Auletta aus Mainz, die Formation Break Spots aus Paris, die kanadische Gruppe Azari & III und der New Yorker Rapper Nas zu hören sein.

          90 Meter lange Tanzarena

          Zwischen Karlstraße und Düsseldorfer Straße, wo die Niddastraße als Sackgasse endet, soll eine zehn mal zwölf Meter große Festivalbühne aufgebaut werden. Der Straßenabschnitt, der in eine Musik- und Tanzarena verwandelt werde, sei gut 90 Meter lang, was etwa 100 Yards entspreche, sagt Ardinast. Deshalb heißt das Festival „Levi’s 100 Yards“ - der Jeanshersteller, dessen deutsche Unternehmenszentrale an der Niddastraße sitzt, ist Hauptsponsor.

          Torsten Widarzik, Geschäftsführer von Levi’s Deutschland, lobt die Idee, „vor der eigenen Haustür, im eigenen Kiez“ ein Konzert zu veranstalten. Das Quartier sei extrem bunt und berge eine kreative Energie, die sonst nur Großstädten wie New York, Paris und Berlin zugesprochen werde. Auch deshalb habe Levi’s vor vier Jahren beschlossen, sich dort anzusiedeln und nicht - wie es ebenfalls möglich gewesen wäre - im Ostend. An der Niddastraße seien neben den traditionellen Pelzhändlern mittlerweile Filmproduktionen, Designbüros, Kreativagenturen, Fotostudios und Restaurants ansässig, sagt James Ardinast. Es sei wichtig, dieses neue Bild vom Bahnhofsviertel stärker in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken, um noch mehr Künstler anzulocken.

          Dass genau dies zur Strategie der Stadt gehöre, bestätigt Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU). „Wir bemühen uns, im Viertel kreative Köpfe zusammenzubringen.“ Das Bahnhofsviertel habe viele Facetten. Weil manche davon unerfreulich seien, müsse auch die Sicherheit verbessert werden. „Hier gibt es noch viel zu tun.“ Dabei müsse aber maßvoll und mit Bedacht vorgegangen werden. Wenn man zu hart durchgreife, könne die „Identität des Bahnhofsviertels“ verlorengehen.

          Signal an Bürger und Firmen

          Genauso wichtig ist nach Ansicht Franks, über die Grenzen des Stadtteils hinaus an Bürger und Unternehmer das Signal zu senden: „Ihr seid hier willkommen.“ Wichtig sei die sogenannte Bahnhofsviertelnacht, die seit 2008 jährlich von der Stadt organisiert werde und Blicke hinter die Kulissen des Viertels erlaube. Jedoch werde nach weiteren Möglichkeiten gesucht, das Quartier zu präsentieren. Geplant sei zum Beispiel eine Aktion, bei der Bürger anderer Stadtteile eingeladen werden, zu vergünstigten Preisen in einem der vielen Hotels zu übernachten.

          Ziel sei, mehr Anreize zu schaffen, das Quartier zu besuchen. Das Open-Air-Festival auf der Niddastraße füge sich in das Konzept bestens ein, weswegen die Stadt gerne bei den Vorbereitungen helfe, sagt Frank. Ardinast erwartet maximal 3000 Besucher. „Wir wollen hier keine unbeherrschbaren Menschenmassen anlocken.“ Die „Location“ sei urban, aber überschaubar, und genau so solle es auch sein. Schließlich werde die Musik dort in gewisser Weise zu ihren Ursprüngen zurückgebracht.

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