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Dresden Frankfurt Dance Co. : Festival der jungen Talente

Duett im Spiegel der Natur: Daphne Fernberger probt mit Ulysse Zangs ihr Duett „Whole“ Bild: Wonge Bergmann

Vom Konzept bis zum Kostüm alles selbst erdacht: Tänzer der Dresden Frankfurt Dance Company zeigen erste eigene Choreographien im Frankfurt Lab.

          Hier Haufen von Spitzenschuhen am Rand des Tanzbodens, dazwischen kleine Gruppen, die, jede für sich, tief versunken in ihre Tanzwelten sind. In der großen Halle des Frankfurt Lab an der Schmidtstraße 12 herrscht gespannte Probenstimmung, kurz vor dem Festival „Flab – Festival for performing arts“, mit dem das Frankfurter Experimentierzentrum der Künste allen seinen Partnern die Gelegenheit bieten will, ihre Schwerpunkte zu präsentieren.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hinter einem Trennvorhang im Trainings- und Probenraum der Dresden Frankfurt Dance Company, gleich nebenan, erklingt Pianomusik von Chilly Gonzales. Dazu tanzen, in zarter Zweisamkeit miteinander wie verflochten, Daphne Fernberger und Ulysse Zangs. Es ist ihr von Fernberger choreographiertes Duett „Whole“, das sie proben. Am Ende der zweiten Saison der noch jungen Compagnie haben die Tänzer, die meisten erst Anfang, Mitte 20, während des Festivals erstmals die Möglichkeit, in Frankfurt eigene künstlerische Arbeiten zu zeigen. „Open Grounds“ heißt der gemischte Abend, der in zwei unterschiedlichen Programmen von Donnerstag bis Sonntag jeweils abwechselnd im Frankfurt Lab zu sehen ist: zehn Choreographien und fünf Installationen.

          Was die Tänzer besser macht

          „In den ersten beiden Spielzeiten haben wir viel über Gemeinschaft nachgedacht. Am Ende der ersten Saison wurde das Projekt ,Open Grounds‘ beschlossen“, sagt Fernberger. „Choreographieren macht dich als Tänzer in jedem Fall besser“, ist die Erfahrung, die sie schon in der Ausbildung an der New Yorker Juillard School gemacht hat. Fernberger war mit Zangs, die beiden sind auch privat ein Paar, im vergangenen Sommer wandern in Schweden und hat die Naturerfahrungen, die sie dort in den Bergen gemacht hat, versucht in Tanz zu fassen. Das sieht ein wenig nach den Ovidschen „Metamorphosen“ aus, wie sie auch eine Daphne durchlaufen hat.

          Ein Jahr lang konnten die zehn Nachwuchschoreographen an ihren Projekten arbeiten. Oft in ihrer Freizeit – auch wenn die Compagnie Zeit für Proben eingerichtet hat, strapaziert die schiere Menge der neuen Stücke zwischen fünf und 20 Minuten die Kapazitäten an Raum und Zeit. Für „Open Grounds“, das demnächst auch in Hanau zu sehen sein wird, hat der Kulturfonds Mittel in Höhe von 35.000 Euro vergeben. Und anders als sonst üblich bei choreographischen Ausflügen einer Compagnie haben die jungen Künstler mit einem kleinen Budget alles selbst verantwortet: Bühne, Licht, Kostüme, Ton, Planung ihrer Choreographien, die sie teilweise selbst, meist aber ihre Kollegen tanzen. So haben etliche mit der Kostümbilderin Dorothee Merg kooperiert, die schon für William Forsythe gearbeitet hat, das Musikduo SAD der beiden einstigen Forsythe-Tänzer Cyril Baldy und Josh Johnson ist in Projekte eingebunden. Tänzer wie Rob Fordeyn haben sich vertraute Gäste eingeladen. Fordeyn wird die Compagnie zum Ende der Saison verlassen und will als freier Tänzer und Choreograph in Berlin Fuß fassen. Sein „Drama, Chaos, Confusion and Madness“ ist also Abschied und Debüt zugleich. Darin tanzt er nicht nur, er hat Raum, Akustik, Licht, Kostüme selbst mitgestaltet.

          Live-Gitarre und Tanz

          Überhaupt ermöglicht „Open Grounds“ den jungen Tänzern zu zeigen, was sie, außer phantastisch tanzen, noch können. Musik machen zum Beispiel, wie Ulysse Zangs, mit 21 Jahren der jüngste männliche Tänzer der Compagnie. Der Franzose macht, seit er sechs Jahre alt ist, Musik, hat an der Pariser Opernballettschule und an der Paluccaschule in Dresden gelernt und hat, als Winzersohn, nun auch eine Installation zum Thema Achtsamkeit vor, bei der er sogenannte Naturweine zur Degustation anbieten wird. Außerdem hat er nicht nur für sein eigenes Solostück „Criss Cross“ eine, wie er sagt, „sehr eigene“ Variante des Songs „Smooth Operator“ im Zusammenklang von Live-Gitarre und Tanz geschaffen. Auch für „Act I – How long is now“, die Debütarbeit von Julian Nicosia, der sieben Kollegen zum Thema Timing tanzen lässt und „das Publikum ein bisschen fordern“ möchte, hat er die Musik gemacht, die für Claudia Philips’ Choreographie „Duality of both“ hat er gemixt. Und auch an der Klanglandschaft Rob Fordeyns ist er beteiligt. So ist nicht nur der Tanz, sondern alles an „Open Grounds“ sehr persönlich. „Man kann nicht verbergen, dass man selbst darin steckt“, sagt Daphne Fernberger, „Geist, Seele, Herz, alles.“

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