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Illusion als Kunstwerk : Der Altstadt den Spiegel vorhalten

Spieglein, Spieglein: Ein halbes Jahr lang wird die Skulptur „Die große Illusion“ in der neuen Altstadt zu sehen sein. Bild: Simulation Winter/Hörbelt

Vom 28. bis 30. September wird die neue Altstadt mit einem großen Fest eröffnet. Das Programm ist erstaunlich gehaltvoll, Highlight ist ein temporäres Kunstwerk.

          Der Kunstverein ist der Stachel im Fleisch aller Rekonstruktionsfreunde, die am liebsten die gesamte Altstadt eins zu eins wieder aufgebaut hätten. Anfang der sechziger Jahre wurde das spätgotische Steinerne Haus um einen modernen Anbau erweitert. Dieses Gebäude ist heute Teil der neuen Altstadt und ironischerweise ihr ältestes Haus und auch das einzige, das unter Denkmalschutz steht. Als die neue Altstadt gebaut wurde, hat der moderne Anbau des Kunstvereins einen neuen, gelungenen Eingang zur wiederauferstandenen Gasse Hinter dem Lämmchen erhalten.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun wird pünktlich zur feierlichen Eröffnung der Altstadt am letzten Septemberwochenende an dieser Stelle die Skulptur „Die große Illusion“ zu sehen sein: Wie ein silberner Wurm windet sich der neun Meter lange, glänzende Stahlblech-Koloss über das Dach des Kunstvereins, ragt in den öffentlichen Raum und hält der nur scheinbar authentischen Altstadt und ihren Besuchern so einen Spiegel vor.

          Spiel mit Illusion und Wirklichkeit

          Das Frankfurter Künstlerduo Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt hat die Skulptur eigens für das Altstadtfest geschaffen. Das Spiel mit Illusion und Wirklichkeit soll sechs Monate lang bis Mitte März zu sehen sein. Vom 18. September an wird die zwei Tonnen schwere Skulptur auf dem Gebäude des Kunstvereins installiert. Ein 21 Meter langer Tieflader bringt den Koloss zum Römerberg. Mit Hilfe von Hubkränen wird er dann auf dem Dach befestigt. Mehrere Tage soll der Aufbau dauern.

          Es ist das große Spektakel auf einem sonst an Spektakulärem armen Fest. Das Programm haben Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Tourismus-Chef Thomas Feda gestern vorgestellt. Es wirkt erstaunlich gehaltvoll. In den angrenzenden Institutionen, Kirchen und Museen gibt es viele Konzerte sowie Vorträge und Ausstellungen, die sich mit der Stadtgeschichte befassen. „Die Besucher werden nicht alles schaffen. Am besten stellt man sich vorab ein Menü zusammen“, rät Feldmann.

          „Symphonie für die Frankfurter Altstadt“

          Etwas Show wird abseits des seriösen Begleitprogramms aber auch nicht fehlen. Am Samstagabend um 21.45 Uhr werden Drohnen die Installation „Sternenbilder“ in den Nachthimmel zeichnen. Die Aktion wird als „Symphonie für die Frankfurter Altstadt“ angekündigt, zu sehen sein werden Porträts berühmter Frankfurter wie etwa Goethe. Wie genau das vonstatten geht, will Feda erst in zwei Wochen bei einem weiteren Pressegespräch verraten. So lange will er die Spannung noch halten.

          Auf dem Römerberg und am Mainufer auf Höhe des Eisernen Stegs werden zwei Bühnen aufgebaut. Vor dem Römer treten Frankfurter Theatergruppen, die HR-Bigband, Sänger aus dem Ensemble der Oper, die Band „re:jazz“, die Musikhochschule und der Cäcilienchor auf. Auf der zweiten Bühne am Eisernen Steg wird ein populäres Musikprogramm geboten, mit dabei sind Bands und Sänger wie die Rodgau Monotones, Gastone und Andreas Kümmert.

          Info-Meile am Mainufer

          Ebenfalls am Mainufer wird eine Info-Meile aufgebaut, auf der sich die Museen präsentieren, die in die Altstadt einziehen: Das Stoltze-Museum öffnet allerdings erst am 23. Oktober, das Struwwelpeter-Museum erst 2019. Und ob die Goldene Waage zumindest im Erdgeschoss fertig sein wird, ist auch noch nicht absehbar. Gleiches gilt für die meisten Geschäfte in der Altstadt. „Bauliche Probleme“ nennen Feda und Feldmann lapidar. Aus Sicherheitsgründen können in der Altstadt keine Stände aufgestellt werden. Das Viertel wird sich daher mehr oder weniger so präsentieren, wie es schon jetzt zu sehen ist. Es wird Stadtführungen im Viertelstundentakt geben, zu denen man sich anmelden muss.

          Auf dem Römerberg soll es zudem einen Ochsen am Spieß geben und acht weitere Stände mit Speisen und Getränken. Feda zweifelt nicht daran, dass die erwarteten 250.000 Gäste auch satt werden, die angrenzenden Restaurants und Geschäfte seien immerhin auch geöffnet. Für den Sonntag hat die Stadt beantragt, dass die Händler in der näheren Umgebung ihre Türen öffnen dürfen.

          Zum Beginn gibt es am Freitag um 10 Uhr eine Feier für geladene Gäste in der Paulskirche. Der Vorsitzende des Gestaltungsbeirats, Christoph Mäckler, hält den Festvortrag. Dann will Feldmann den früheren Kämmerer Ernst Gerhardt, ein Urgestein der Frankfurter Kommunalpolitik, als Zeitzeugen befragen.

          Das Programm wird auf der Internetseite www.altstadtfest-frankfurt.de laufend aktualisiert.

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