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Vom Aussterben bedroht : Überlebenskampf der Feldhamster

  • -Aktualisiert am

Suchtrupp: Mitarbeiter des Feldhamsterprojekts spüren dem Feldhamster nach, dessen Bestand schrumpft. Bild: Michael Kretzer

Eine der letzten großen Populationen des Nagers in Hessen liegt zwischen Massenheim und Flörsheim - doch die Bestände nehmen dramatisch ab. Um sie zu erhalten, muss der Mensch reagieren.

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          Die Plage von einst sitzt immer noch in den Köpfen der Älteren. Mit Wassereimern sei er als Bub in den Flörsheimer Feldern auf Suche nach den Hamsterlöchern gegangen, habe die Baue so lange geflutet, bis die toten Nager zum Einsammeln herausgespült wurden. „Die Bauern zahlten mir 50 Pfennig je Stück“, erinnert sich der frühere Landrat Berthold Gall (CDU), der am Dienstag den neunundsechzigsten Geburtstag feierte. Er berichtet von gewaltigen Ernteausfällen der Landwirte in seiner Heimatstadt, die in den fünfziger Jahren noch mit der Sense auf dem Feld zu Werke gewesen und von den Feldhamstern um den Lohn ihrer harten Arbeit gebracht worden seien. „Der Mensch geht vor“, lautet Galls Devise bis heute.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Doch gerade im Main-Taunus Kreis, wo sich auf 750 Hektar Ackerland zwischen Flörsheim und Hochheim eines der letzten großen Feldhamstergebiete Hessens befindet, vollzieht sich ein Paradigmenwechsel. Grund hierfür ist der dramatische Rückgang der Population innerhalb von nur fünf Jahren. Hilft der Mensch dem Nagetier nicht mit Schutzzonen weiter, werden die einst so zahlreichen Feldhamster (Cricetus cricetus) innerhalb kürzester Zeit verschwunden sein. „Natur schützen und bewahren“ nannten die Bürger des Main-Taunus-Kreises jüngst bei einer Befragung zum Entwicklungskonzept „MTK Zwanzig 30“ nach der Mobilität als ihr wichtigstes Anliegen.

          „Akutes Aussterberisiko“

          „Wie geht’s unseren Feldhamstern?“, laute deshalb die Frage, die Galls Nachfolger Michael Cyriax (CDU) ihm bei fast jeder Begegnung auf den Fluren des Landratsamt stelle, berichtet Michael Orf, zuständiger Fachmann der Behörde für Natur- und Artenschutz. Aus Schädlingen wurden längst Schützlinge: Heute seien sogar die Schäden durch Windbruch für Landwirte weit höher, berichtet der Biologe Thomas Reiners. Mehr als 400 bis 500 Gramm Getreide, die jeder Nager hamstere, gehe den Landwirten von der Ernte nicht verloren. Gerade wieder ist der Wissenschaftler des Senckenberg-Museums, der an einer Doktorarbeit über die Feldhamster sitzt, unterstützt von Melanie Albert von der AG Feldhamsterschutz und drei Biologiestudentinnen, auf den Äckern auf der Suche nach Bauen des Feldhamsters. Es gilt den Bestand der Tiere zu kartieren. Immer intensiver und länger müssen die Naturschützer nach den so typischen Löchern für Fallgänge suchen.

          Reiners’ Bericht des Monitorings zum Schutz des Feldhamsters fiel im vergangenen Jahr alarmierend aus: Nur sieben Tiere konnten im Raum Hochheim nachgewiesen werden, vier weitere Baue fanden Reiners und seine Helferinnen in Flörsheim. Im Vergleich zu 2008, als Reiners die erste Kartierung erstellte, ist auf den 750 Hektar, der größten zusammengehörigen Feldhamsterpopulation Hessens, der Bestand statistisch von zwei Bauen je Hektar auf nunmehr lediglich 0,1 Baue je Hektar zurückgegangen. Ein Bestand von weniger als 50 Tieren aber sei aufgrund der natürlichen Feinde nicht lebensfähig. „Die Situation der Feldhamster in Flörsheim und Hochheim kann daher nur als katastrophal bewertet werden. Beide Populationen haben ein akutes Aussterberisiko“, hielt Reiners 2015 in seinem Bericht fest.

          Stehende Maschinen helfen den Tieren

          Gestern zeigte der Biologe sein Mobiltelefon und blickte erfreut auf die zehn roten Fähnchen auf der Landkarte im Display. Sie stehen für zehn neue aufgespürte Baue im Untersuchungsgebiet.

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