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Flugsicherung : Software-Panne mit großen Folgen

  • Aktualisiert am

Software-Probleme halten an: Auch Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt ist betroffen. Bild: dpa

Kurz vor dem Luftfahrtgipfel in Hamburg zeigt die Deutsche Flugsicherung sich nicht von ihrer besten Seite. Das bundeseigene Unternehmen bekommt Probleme mit der Fluglotsen-Software nur schwer in den Griff.

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          Die Lotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS) kämpfen mit heftigen Software-Problemen. Bis diese behoben sind, wurde aus Sicherheitsgründen die Kapazität des Luftraums beschränkt, der vom Center Langen bei Frankfurt kontrolliert wird. Über dem Südwesten Deutschlands dürfen seit Mittwoch nur noch 75 Prozent der Flüge stattfinden, weil die Überwachung des Flugbetriebs aufwendiger ist. Betroffen sind vor allem Passagiere am größten deutschen Flughafen in Frankfurt, wo in den vergangenen Tagen regelmäßig Flüge gestrichen wurden. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.

          Welches Gebiet ist betroffen?

          Die Störung ist laut DFS allein im Gebietskontroll-Center Langen aufgetreten. Von hier wird der untere Luftraum im Südwesten Deutschlands überwacht, der vom Bodensee bis Kassel und von der französischen Grenze bis nach Thüringen reicht. Wichtige Flughäfen in diesem Gebiet sind Frankfurt am Main, Stuttgart und Köln-Bonn. Am Flughafen Düsseldorf wird laut DFS nur ein Teil der ankommenden Flüge von Langen aus kontrolliert. In den anderen Centern in Bremen, München und Karlsruhe funktioniert die Software kurioserweise.

          Welches System ist gestört?

          Bis vor wenigen Jahren nutzten die Lotsen noch beschriftete Papierstreifen zur eindeutigen Identifizierung der Flüge in ihrem Sektor. Diese so genannten „Strips“ waren mit allen wesentlichen Informationen zum jeweiligen Flug versehen. Sie wurden in kleinen Plastikrahmen am Bildschirm bereitgehalten, geordnet und nach Gebrauch ins Archiv gegeben. Die Streifen sind inzwischen durch ein elektronisches System ersetzt worden. Das „Paperless Strip System“ funktioniert über einen kleinen separaten Touchscreen.

          Exakt dieses System ist laut DFS nach einem Software-Update aus dem Februar in Langen gestört und liefert in Einzelfällen fehlerhafte Informationen - nämlich dann, wenn einzelne Streifen sich gegenseitig überlagern. Die Lotsen müssen aufmerksamer sein und benötigen daher mehr Zeit pro kontrolliertem Flug.

          Wie groß sind die Auswirkungen?

          Vor allem am Frankfurter Flughafen waren die Beschränkungen im Luftraum zu spüren, während von den anderen Flughäfen keine Störungen gemeldet wurden. Die Frankfurter Ausfälle bewegten sich allerdings mit 50 bis 68 pro Tag im einstelligen Prozentbereich der geplanten Flüge. Das lässt sich mit den Folgen eines schweren Gewitters vergleichen. Die Airlines können selbst aussuchen, welche Flüge sie ausfallen lassen. Daher sind in der Regel kurze und häufige Verbindungen betroffen, etwa nach Hamburg oder Berlin. Im Winterflugplan bis einschließlich Samstag sind zudem deutlich weniger Flüge vorgesehen als im Sommer. Im europäischen Rahmen leitet der zentrale Netzwerk-Manager der Eurocontrol in Brüssel die Verkehrsströme wenn möglich um den Langener Luftraum herum. Überflüge in großer Höhe werden ohnehin vom Center Karlsruhe geleitet.

          Wann und wie soll die Störung behoben werden?

          Die DFS will in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag eine nach eigenen Angaben „erprobte“ Software-Version aufspielen. Sie soll allerdings an die aktuellen Gegebenheiten angepasst und getestet werden. Ab den frühen Morgenstunden am Donnerstag soll dann wieder die volle Kapazität im Luftraum zur Verfügung stehen.

          Warum dauert das so lange?

          Nach Angaben aus Lotsenkreisen handelt es bei der „erprobten“ Version um die Software, die bis Februar ihren Dienst ohne Störungen verrichtet hat. Nach den strengen Vorschriften zur Luftsicherheit müsse es vor einem erneuten Einsatz wieder neue Testläufe und Überprüfungen geben. Den Zeitverlust habe die DFS in Kauf genommen, um nicht auf das Reserve-System „Phoenix“ umschalten zu müssen. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) bemängelt, dass im Unternehmen inzwischen zu wenig kundige Techniker und IT-Fachleute bereit stünden. Hier sei in den vergangenen Jahren wie bei den Lotsen an der falschen Stelle gespart worden, klagt GdF-Chef Matthias Maas.

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