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Das Verbraucherthema : Teure Zahlendreher

Sind so viele Zahlen: Und manchmal passieren Fehler. Bild: dpa

Geht eine Überweisung schief, ist guter Rat teuer. Für die Suche nach dem Geld verlangen Banken hohe Gebühren. Im schlimmsten Fall ist es ganz futsch.

          Der Betrag ist zum Glück überschaubar. 101,70 Euro wollte die Postbank-Kundin an ihre Freundin mit Konto bei der Deutschen Kreditbank (DKB) online überweisen. Wegen eines Zahlendrehers in der Iban-Nummer, wie die Kontonummer mit 22 Stellen seit den neuen einheitlichen Richtlinien im europäischen Zahlungsverkehr heißt, kam das Geld jedoch nicht dort an, wo es hinsollte.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Grundsätzlich bietet das Iban-Verfahren, das unter anderem Überweisungen ins Ausland schneller und einfacher macht, einen guten Schutz vor Fehlbuchungen. Dafür steht eine zweistellige Prüfziffer zwischen Länderkürzel und den eigentlichen Kontodaten, die sich aus Bankleitzahl und Kontonummer errechnet und laut deutschem Bankenverband keine Zahlendreher zulässt. Ist ein Dreher in der Zahlenreihe, führt dies automatisch zu einer anderen Prüfziffer.

          Bankdaten wichtiger als richtiger Name

          Pech ist, wenn die falsch eingetippten oder auf Papier notierten Zahlen zu einem Konto führen, dass es tatsächlich bei einer Bank gibt. Dann hat der Kunde keine Handhabe mehr gegen die Bank, sobald die Gutschrift auf dem fremden Konto ist. Die Bank hat einen Zahlungsvorgang dann ordnungsgemäß ausgeführt, wenn Bankleitzahl und Kontonummer stimmen, unabhängig davon, ob der Name auf dem Überweisungsträger auch der des Kontoinhabers ist. „Der Name spielt kein Rolle mehr“, sagt Peter Lassek, Rechtsberater bei der Verbraucherzentrale Hessen. Seit Oktober 2009, der Umsetzung der sogenannten Zahlungsrichtlinie, ist das so. Seitdem haben nicht mehr die Namens-, sondern die Nummernangaben Vorrang.

          Die Buchung ist laut Lassek zwar rechtlich gesehen nach wie vor eine fehlerhafte Buchung, aber für die Rückführung des Geldes ist der Kunde verantwortlich. Anders als bei früherer Rechtslage erfolge die Rückholung nur noch auf Kosten, Risiko und Eigeninitiative des betroffenen Kunden, erklärt der Rechtsanwalt. „Man kann allerdings von der Bank verlangen, dass diese sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten darum bemüht.“

          Berufen auf das Bankgeheimnis

          Dazu zählt Lassek auch den Versuch des Kunden, über die Bank an den Namen und die Adresse des falschen Zahlungsempfängers zu kommen. „Nur so kann der Verbraucher seinen Anspruch auch durchsetzen“, argumentiert Lassek. Im Gesetz sei jedoch kein solcher Anspruch auf Auskunft klar formuliert. Das heißt: Die Banken berufen sich - auch mit Rückhalt beim Bankenverband - auf das Bankgeheimnis.

          Diese Erfahrung musste auch die Postbank-Kundin bei der Suche nach dem verlorenen Geld machen. Mit Hinweis auf das Bankengeheimnis weigerte sich die DKB, die Daten des Empfängerkontos herauszugeben. Nun versucht die Kundin, das Geld über ihre Hausbank, die Postbank, zurückzuholen. Dazu muss sie einen Antrag auf Rückholung stellen. Die Postbank verlangt dafür 21 Euro plus Portogebühren. Das liegt im Rahmen des Üblichen. Bei Fehlbuchungen ins Ausland verlangen Banken bis zu 55 Euro, wie Verbraucherschützer berichten. Eine Sprecherin des Bankenverbandes hält die Gebühren für angemessen: „Es steckt durchaus Arbeit dahinter.“

          Schnell reagieren ist wichtig

          Eine Rückbuchung ist nur mit Einverständnis des Zahlungsempfängers möglich. Verbraucherberater Lassek empfiehlt, in so einem Fall, die Empfängerbank direkt anzuschreiben, den Fall kurz zu schildern und das Geldhaus zu bitten, den Rückforderungsbrief an den Kontoinhaber weiterzuleiten.

          So oder so - eine Garantie, dass man sein Geld zurückbekommt, gibt es in keinem Fall. Die Rückholung kann laut Lassek scheitern, wenn der falsche Empfänger das Geld schon vom Konto abgehoben hat und es nicht mehr verfügbar ist. Oder wenn das Empfängerkonto nach der Überweisung geschlossen wurde.

          Umso wichtiger ist es, schnell zu reagieren. Gute Karten hat der Online-Banking-Kunde, der einen Fehler sofort bemerkt. Er sollte dann umgehend seine Hausbank benachrichtigen, rät Lassek. Dort liege das Geld für etwa 24 Stunden im System. „Die Bank kann die Überweisung also noch stoppen.“ Das gelte auch für terminierte Buchungen.

          Bei der Verbraucherzentrale Hessen laufen im Übrigen wenige Beschwerden zu Fehlbuchungen ein. Meist drehten sich die Fragen in der Beratung um die Gebühren, die Banken für die Arbeit bei der Rückholung berechneten.

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