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Patricia Andreae (cp.)

Fehlende Gewerbeflächen : Offenbarungseid der Stadt

Geprägt von Hochhäusern und Büroraum: Frankfurt Bild: dpa

Ein weiteres Unternehmen verlässt Frankfurt. Die Stadt muss dafür eine Lösung finden. Denn jeder Wegzug bedeutet auch den Wegfall von Steuereinnahmen und Arbeitsplätzen.

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          Wieder verlässt ein Unternehmen Frankfurt. Allerdings ist die Spedition Fermont mit rund 100 Mitarbeitern ein kleinerer Betrieb als der Ventile-Hersteller Samson oder die Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg mit jeweils fast 2000 Beschäftigten. Aber es ist ein Familienunternehmen, das seinen Sitz seit fast 130 Jahren in der Stadt hat und sich nun gezwungen sieht, wie schon manch anderes ins Umland zu ziehen.

          Für die Region gibt es daher keinen Verlust zu beklagen, und das ist zunächst einmal beruhigend. Für Frankfurt ist die Nachricht allerdings unerfreulich, weil es Fermont nicht etwa darum geht, einen geringeren Hebesatz zu nutzen und Gewerbesteuer zu sparen, sondern schlicht fehlende Flächen den Ausschlag gaben. Dass sich die Unternehmensleitung der Spedition von der Stadt nicht ausreichend verstanden und beraten fühlte, ist nicht schön. Dass aber offenbar tatsächlich keine Flächen zur Verfügung stehen, um Unternehmen in der Stadt zu halten oder ihnen Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten, ist ein Offenbarungseid. Wenn nur noch Büroraum vermittelt werden kann, dann gibt es für Gewerbe und Industrie in Frankfurt kaum noch eine Perspektive.

          Keine leichte Gemengelage

          Im Kampf um die Flächen schlagen die Wellen allerdings schnell hoch. Führt man wie der IHK-Präsident kürzlich ins Feld, dass Frankfurt reichlich landwirtschaftliche Flächen habe, von denen man Teile für Gewerbe nutzen könnte, beispielsweise bei einem Generationswechsel auf dem Hof, dann regt sich sofort Widerstand. Die Bauern führen die Versorgung mit Lebensmitteln ins Feld, Umweltschützer die Versiegelung von Flächen und die Frischluftzufuhr für die Stadt, und Anwohner fürchten um Verkehr und Lärm.

          Keine leichte Gemengelage für die Politik. Doch sie muss Lösungen finden. Denn jeder Wegzug bedeutet auch den Wegfall von Steuereinnahmen und Arbeitsplätzen. Und da spielt es keine Rolle, ob die Unternehmen nur ein paar Kilometer weiter in eine Nachbargemeinde ziehen oder gleich ganz das Weite suchen.

          Patricia Andreae
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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