https://www.faz.net/-gzg-9mqz8

FAZ.NET-Hauptwache : Wahnsinn, Westend, Wildschwein

Räumung des besetzten Hauses Grüneburgweg 113 im Jahr 1971. Einer der damaligen Demonstranten: „Wir Hausbesetzer waren manchmal besserwisserisch.“ Bild: Barbara Klemm

Es ist Zeit sich an vergangene Krawalle von vor 50 Jahren zu erinnern, Fußball zu schauen und über das Kopftuch zu diskutieren. Das und was sonst noch wichtig ist in Rhein-Main steht in der FAZ.NET-Hauptwache.

          Guten Morgen!

          Paul aus London ist FC-Chelsea-Fan. Ist als Haltung nicht zwingend, aber möglich. Paul ist zu 98 Prozent sicher, dass sein Verein heute Abend gegen Eintracht Frankfurt gewinnt und in das Finale der Europa League einzieht. Well, Paul, wahrscheinlich waren die Anhänger des FC Barcelona bis vorgestern Abend zu 105 Prozent sicher. Als echter Fan war Paul vor einer Woche natürlich beim Hinspiel in Frankfurt. Alt-Sachsenhausen fand er ganz nett, aber am stärksten beeindruckt haben ihn die Atmosphäre im Stadion und die Fanszene der Eintracht. „Unfassbar, Wahnsinn“, schwärmt er. Abwarten, wer heute gegen 23 Uhr „Wahnsinn!“ stammelt. Unser Eintracht-Watcher Daniel Schleidt ist schon seit gestern in London, vor dem Stadion an der Stamford Bridge hat er Paul kennengelernt.

          Das waren noch Zeiten, als Demonstranten Krawatte trugen. Vor 50 Jahren wurde die Aktionsgemeinschaft Westend gegründet, und ihr ist es zu verdanken, dass die Bausubstanz des Viertels gerettet wurde. Es gab außer Demonstrationen auch Straßenschlachten, aber einer, der damals eher auf der Krawall-Seite dabei war, sagt heute: „Wir Hausbesetzer waren manchmal besserwisserisch“, der bürgerliche Teil der Protestierenden habe die Zusammenhänge in der Stadtplanung viel besser durchschaut und die Probleme deutlich benannt. Rainer Schulze erinnert heute in der Rhein-Main-Zeitung an jene Zeit.

          Wer eine Meinung über das islamische Kopftuch hat, ist wie Paul, der Chelsea-Fan: zu 98 Prozent überzeugt, so oder so. Auch die, die sich zur Konferenz „Das islamische Kopftuch – Symbol der Würde oder der Unterdrückung?“ an der Goethe-Universität angemeldet hatten, neigten nach dem Eindruck unserer Berichterstatterin Marie Lisa Kehler entschieden der einen oder anderen Sichtweise zu. Dabei ist die Forderung nach „Zwangsentschleierung“ nach Ansicht einer Debattenrednerin ebenso diskriminierend wie die nach „Zwangsverschleierung“. Darum geht es im Aufmacher auf der Rhein-Main-Titelseite.

          F.A.Z.-Newsletter Familie
          F.A.Z.-Newsletter „Hauptwache“

          So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

          Und außerdem bleibt das Paul-Ehrlich-Institut definitiv in Langen, dürfen Wildschweine nicht im heimischen Vorgarten gehalten werden, hat das Verwaltungsgericht Gießen entschieden, haben Unbekannte in Schwalbach mit einer Serie von Brandstiftungen einen Schaden von mehreren zehntausend Euro angerichtet.

          Einen unbeschwerten Tag wünscht Ihnen

          Ihr Werner D’Inka

          Heute in „Leben in Rhein-Main“

          Die Titelseite ist heute ein bisschen wie „Dalli-Klick“: Der Abgebildete ist nur halb zu sehen, dennoch erkennt man ihn sofort. Es ist Martin Mosebach, um dessen Roman „Westend“ es im zehnten Jahr des Festivals „Frankfurt liest ein Buch“ geht. In „Leben in Rhein-Main“ geht es noch um viel mehr, es seien nur die Stichworte Dido, Deutscher Sekttag und Ruderfest genannt – kurzum: das pralle Leben.

          Wetter

          Von Südwesten her ziehen Gewitterschauer auf, teils mit stürmischen Böen. Wärmer als 13 Grad wird es nicht. In der Nacht lockert es auf und die Luft kühlt auf 10 Grad ab.

          Geburtstag haben heute Petra Roth (CDU), Stadtälteste und Ehrenbürgerin, ehemalige Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt, Trägerin der Wilhelm-Leuschner-Medaille und der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt (75); Stefan Quandt, Vorstandsvorsitzender des Vereins der Freunde des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (53); Heino von Winning, Sprecher des Geschäftsführung der Unternehmensgruppe Rhein-Main-Deponie, Flörsheim-Wicker (67); Annegret Reinhardt-Lehmann, Geschäftsführerin der Wirtschaftsinitiative Frankfurt/Rhein-Main (65); Michael Antenbrink, von 2006 bis Oktober 2018 Bürgermeister der Stadt Flörsheim, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Main-Taunus (64); Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse (58); Jutta Dönges, Geschäftsführerin der Deutschen Finanzagentur GmbH, Frankfurt (46).

          Weitere Themen

          Üble List, Arger Feind, Armer Tropf

          FAZ.NET-Hauptwache : Üble List, Arger Feind, Armer Tropf

          Wie Landwirte ihre Schafe vor der Ausbreitung des Wolfs schützen und welche Auswirkungen die trockene Hitze des letzten Jahres auf den Wald haben. Das und was sonst noch wichtig ist in der Region, steht in der FAZ.NET-Hauptwache.

          EKG für unterwegs Video-Seite öffnen

          Infarkt oder nicht? : EKG für unterwegs

          Eine App fürs Handy und ein Kabel mit Elektroden - Cardiosecur hat ein mobiles EKG entwickelt. Gründer und Geschäftsführer Markus Riemenschneider erklärt im Video, wie das Ganze funktioniert.

          Topmeldungen

          Ehemaliger Lebensmittelladen in Loitz: Der Solidaritätszuschlag dient in erster Linie zur Finanzierung der Kosten, die die deutsche Wiedervereinigung verursacht hat. (Archiv)

          Wortbruch der Union : Soli-Schmerzen

          Dass ein Teil des Soli bleibt, dürfte für die Betroffenen finanziell zu verschmerzen sein. Nicht aber der Wortbruch der Union – und das bittere Gefühl, das ihr Sondereinsatz für das Land nicht einmal wertgeschätzt wird.
          Trotz Sanktionen: Schweißer arbeiten Anfang April im Karosseriebau des Mercedes-Benz Werks im Industriepark Jessipowo bei Moskau

          Russland-Sanktionen : Der Preis des Zurückweichens

          Die Russland-Sanktionen waren ein Signal. Deren Aufhebung wäre es erst recht – die EU würde damit demonstrativ vor Moskaus Politik der Gewalt und Drohung zurückweichen.
          Der frühere Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Olivier Blanchard. (Archiv)

          EZB-Konferenz in Sintra : „Es gibt keine Schuldenkrise“

          Die Eurozone braucht eine expansive Finanzpolitik und weniger strenge Schuldenregeln, sagt der Ökonom Olivier Blanchard bei der EZB-Konferenz in Sintra. Strukturreformen alleine genügten nicht, um das Wirtschaftswachstum zu beleben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.