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FAZ.NET-Hauptwache : Unangenehme Fragen, Unglaubwürdige Reue, Gute Besserung

Ein Bild von Walter Lübcke auf einem Platz der Ehrentribüne beim Hessentag in Bad Hersfeld am Sonntag. Bild: dpa

Erika Steinbach weist eine Mitschuld am Tod von Walter Lübcke zurück. Eine Psychiaterin gibt in einem Gutachten Auskunft über Ali B.s Charakterbild. Das und was sonst noch wichtig ist in der Region, steht in der FAZ.NET-Hauptwache.

          Guten Morgen!

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Erika Steinbach muss sich im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Mord an Walter Lübcke sehr unangenehme Fragen anhören. Die ehemalige CDU-Politikerin hatte im Februar die umstrittenen Äußerungen Lübckes zum Umgang mit der Flüchtlingskrise offenbar ohne Anlass auf Twitter und Facebook wieder aufgegriffen – nach mehr als drei Jahren. Die zum Teil extremen Kommentare, die bis zu Todesdrohungen reichten, ließ sie unkommentiert stehen, auf Facebook waren sie auch gestern noch zu sehen. Auf Anfrage dieser Zeitung wies Steinbach den Vorwurf zurück, eine Mitverantwortung am Tod des Regierungspräsidenten zu haben. An ihrem Vorgehen kann sie nichts Unrechtes erkennen. Welche Rolle ihre aufwiegelnden Botschaften möglicherweise gespielt haben, werden die Ermittlungen zeigen. Man muss hoffen, dass Steinbach wenigstens in ihrem Innersten Reue spürt, die niedrigen Instinkte ihrer Follower und Freunde im Netz angesprochen zu haben.

          Reue hat Ali B. nur einmal geäußert, und das klang wenig überzeugend. Der 22 Jahre alte Iraker hat gestanden, Susanna F. aus Mainz in der Nacht vom 22. auf den 23. Mai 2018 umgebracht zu haben. Zwei Wochen vor dem geplanten Termin der Urteilsverkündung hat im Prozess am Wiesbadener Landgericht die Psychiaterin ausgesagt, die insgesamt 15 Stunden mit dem Angeklagten gesprochen hat, um in einem Gutachten ein Charakterbild von Ali B. zeichnen zu können. Unsere Gerichtsreporterin Anna-Sophia Lang ist ihren erschütternden Ausführungen gefolgt. Demnach ist der Angeklagte faul, ausgesprochen selbstbezogen, völlig empathielos und zugleich übertrieben selbstsicher. Er habe einen „ausbeuterisch-parasitären Lebensstil“ und gebe die Schuld immer anderen, zum Beispiel Deutschland, „weil man hier alles machen darf“. Man muss hoffen, dass ihn das Gericht sehr deutlich eines Besseren belehrt.

          Für die Gesundheit der städtischen Finanzen in Frankfurt spielt der französische Pharmakonzern Sanofi eine überragende Rolle. Zuletzt war das Werk im Industriepark Höchst für Gewerbesteuerzahlungen in Höhe von 200 Millionen Euro im Jahr gut, das ist etwa ein Zehntel der Gesamtsumme. Und da kann es dem Kämmerer gar nicht gefallen, wenn der wichtigste Umsatzbringer des Unternehmens schwächelt, nämlich Lantus, ein Arzneimittel für Zuckerkranke. Und wenn Sanofi deshalb Forscher-Stellen für Diabetes-Medikamente abbaut. Genau das passiert aber, wie Wirtschaftsredakteur Thorsten Winter erfahren hat. Wie schwerwiegend die Konsequenzen sind, ist noch nicht ganz klar. Wir wünschen Sanofi jedenfalls gute Besserung.

          Und außerdem spricht sich die Koalition im Frankfurter Römer für die Verlängerung von drei Straßenbahnlinien ins Umland aus +++ hat es während eines Vortrags des Philosophen Jürgen Habermas einen Fehlalarm in der Goethe-Universität gegeben +++ wird der Luisenplatz im grün regierten Darmstadt künftig mit Videokameras überwacht +++ ist der Zahnarzt aus Mörlenbach, der gemeinsam mit seiner Frau seine beiden Kinder getötet hat, zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

          Einen angenehmen Tag wünscht Ihnen

          Ihr Matthias Alexander

          Der Tipp zum Wochenende

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