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Vorkehrungen zu Fastnacht : Cowboys unter Verdacht?

  • -Aktualisiert am

Im närrischen Gedränge werden sich in diesem Jahr viele genauer anschauen, wer in der Nähe feiert. Bild: Cornelia Sick

Wie sicher sind die Umzüge an den tollen Tagen? Wie hält man sich Grapscher vom Leib? Von Pfefferspray rät die Polizei allerdings ab, indes treffen die Behörden in Frankfurt und Mainz diese Vorkehrungen.

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          Die Narren in der Region blicken schon seit Wochen erwartungsvoll auf die Fastnachts-Feierlichkeiten. Die Kostüme sind gekauft, die Schminke steht parat, und den Ohrwurm von den Schunkel-Melodien wird man auch nicht mehr los. Bei aller Vorfreude auf die „tollen Tage“ - viele Karnevalsfreunde werden sich in diesem Jahr mit einem mulmigen Gefühl ins Getümmel stürzen. Vor allem Frauen dürften die Ereignisse aus der Kölner Silvesternacht im Hinterkopf sein. Ihnen drängt sich die Frage auf, ob es sich noch unbesorgt und fröhlich feiern lässt angesichts der schwelenden Gefahr sexueller Belästigung: Will der attraktive Cowboy wirklich nur mit mir tanzen? Für eine Frankfurter Frauengarde war die Furcht vor Übergriffen sogar Anlass, die Teilnahme am Fastnachtsumzug abzusagen.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          „Es muss niemand Angst haben, zur Fassenacht zu gehen“, sagt hingegen Markus Frank (CDU). Frankfurts Ordnungsdezernent erwartet an Karneval keine Zustände wie zum Jahreswechsel in Köln. Die Behörden täten alles für einen sicheren Verlauf der Fastnacht. So werde die Polizei bei den Umzügen durch die Innenstadt und Heddernheim eine deutlich erhöhte Präsenz zeigen und sei auch für sexuell motivierte Attacken sensibilisiert. Frank ruft dazu auf, sich den Frohsinn nicht durch die derzeitige Lage vermiesen zu lassen. „Wir müssen demonstrieren: Es ist unsere Stadt.“

          Von Pfefferspray wird abgeraten

          Die Polizei will das bunte Treiben nicht nur mit uniformierten, sondern auch mit zivilen Einsatzkräften überwachen. Weil Übergriffe gegen Frauen an Silvester auch in Frankfurt laut Zeugenaussagen überwiegend von nordafrikanisch aussehenden jungen Männern ausgegangen sind, behalte man solche Gruppen gezielt im Auge. Ein Sprecher sagte, man wolle Rechtsverstöße aller Art im Keim ersticken. Weil rote Nasen und kurze Rocke für die meisten Flüchtlinge gewöhnungsbedürftig sein dürften, plant die Polizei, sie vorab über das Brauchtum aufzuklären. Das schließe den Hinweis ein, Frauen respektvoll zu begegnen.

          Wenn Besucherinnen trotz aller Vorkehrungen bedrängt werden, sollen sie laut um Hilfe rufen, empfiehlt Klaus-Dieter Strittmatter. Der Geschäftsführer des Frankfurter Präventionsrates sagt, am aussichtsreichsten sei es, dabei Umstehende anzusprechen. Umgekehrt solle man gezielt nachfragen, wenn man den Verdacht hege, dass eine Person ungebührlich angegangen werde. Eine Diskussion mit dem Angreifer gelte es jedoch um jeden Preis zu vermeiden. Trete man in Interaktion mit dem Täter, biete man ihm eine Angriffsfläche. Von Pfefferspray raten sowohl Polizei als auch Strittmatter dringend ab. „Unter Stress ist es schwierig, Reizgas präzise zu versprühen“, sagt Strittmatter. Es könne schnell passieren, dass die Situation eskaliere oder dass man selbst und Unbeteiligte getroffen würden.

          Mehr noch als in Frankfurt haben sich in der Fastnachts-Hochburg Mainz die Zeiten geändert. Weit entfernt scheinen jene Tage, an denen dezent geschminkte Schutzmänner den Zugweg säumten, um gar zu raffgierige Kinder kraft Amtes in die Schranken zu weisen; und nicht viel mehr zu tun hatten als die eigene Polizeimütze gegen übermütige Narren zu verteidigen. Im ungünstigsten Fall sollen an Rosenmontag in Mainz seinerzeit bis zu 300 Kappen geraubt und als Fastnachts-Trophäen mit nach Hause genommen worden sein.

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