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Ausgezeichnete Arbeit: Katharina Iskandar berichtet über Fälle von Rechtsextremismus und Terrorismus im Rhein-Main-Gebiet.

Kommentar : Fastnacht feiern ohne Angst

Vereint christliche Tradition mit ausgelassener Feierei: Fastnacht, andernorts Karneval genannt Bild: Wonge Bergmann

Islamistische Gefährder haben zum Ziel, die westliche Gesellschaft anzugreifen. Der Karneval hat eine entsprechende Symbolkraft. Wie fast kein anderes Fest vereint er christliche Tradition mit ausgelassener Feierei.

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          Zwei Jahre ist es her, dass der Karnevalsumzug in Braunschweig abgesagt wurde wegen akuter Terrorgefahr. Der Pariser Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ war da gerade erst wenige Wochen her. Dennoch erschien die Entscheidung, so konsequent sie auch war, vielen zu weitreichend.

          Seitdem hat es weitere Anschläge gegeben, etwa in Paris, Brüssel, Nizza, Berlin. Wenn die Polizei nun verkündet, die Fastnachtsumzüge in der Rhein-Main-Region unter besonderen Schutz zu stellen, wird es wohl kaum noch jemanden geben, der sich fragt, warum.

          Listen sogenannter Gefährder lang

          Klar ist, dass die Sicherheitsbehörden diesen immensen Aufwand nicht betreiben würden, wäre die Sorge vor Anschlägen nicht groß. Festnahmen wie die des mutmaßlichen Terroristen Haikel S., der im Rhein-Main-Gebiet eine Terrorzelle aufgebaut haben soll mit dem Ziel, in naher Zukunft einen Anschlag zu verüben, zeigen, dass in der Region Menschen leben, die zu einer solchen Tat imstande wären.

          Haikel S. ist kein Einzelfall. Die Listen sogenannter Gefährder sind lang. Und das sind nur die, die polizeilich erfasst sind. Hinzu kommen jene Personen, die die Polizei mit ihren Instrumenten (noch) nicht greifen kann, die aber im Blick des Verfassungsschutzes oder anderer Nachrichtendienste stehen.

          Islamistische Gefährder haben zum Ziel, die westliche Gesellschaft anzugreifen, wo immer sie die Gelegenheit dazu sehen. Dass der Karneval eine entsprechende Symbolkraft besitzt, ist unbestritten. Wie fast kein anderes Fest vereint er christliche Tradition mit ausgelassener Feierei. Es ist nur konsequent, gerade die Fastnachtsumzüge, die bis zu eine halbe Million Menschen an der Zugstrecke versammeln, in besonderem Maße zu schützen.

          Das sollte auch jenen bewusst sein, die Sicherheitskonzepte wie in diesem Jahr für überzogen halten und auch sonst gerne kritisieren, dass dem Thema Terror zu viel Aufmerksamkeit gewidmet werde. Sich aus dem öffentlichen Raum zurückzuziehen, Veranstaltungen gar ganz abzusagen ohne konkreten Anlass wäre der falsche Weg. Mit Augenmaß dafür zu sorgen, dass die Menschen wenn schon nicht unbeschwert, so doch sicher feiern können, das ist die Aufgabe der Sicherheitsbehörden. Und zugleich auch ihre derzeit größte Herausforderung.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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