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Fashion Week in Frankfurt : Schnitt nach vorn

Produzierte auch eigene Gesichtsmasken: Modemacherin Christiane Wegner setzt auf „Leidenschaft und Motivation“ und sieht in der Fashion Week „eine gewisse Chance. Bild: Helmut Fricke

Frankfurt traut sich mit der Modewoche etwas zu. Die Erwartungen der Läden, Designer und Restaurants sind hoch. Kann das klappen?

          5 Min.

          Ein Laufsteg auf dem Eisernen Steg? Davor graust es den Frankfurter Modemachern. Was soll das bringen außer billigem Applaus? Die Fußgängerbrücke über den Main ist schmal, da wäre gerade einmal Platz für zwei Sitzreihen, und nach einer Viertelstunde wäre die Schau vorbei. „Der Eiserne Steg wird zum schönsten Laufsteg Europas und die Zeil zur längsten Modemeile“, hatte Wirtschaftsdezernent Markus Frank im Juni verkündet, als die Messegesellschaft bekanntgab, dass mit Unterstützung der Stadt im Juli 2021 erstmals eine Frankfurter Modewoche stattfinden soll.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Aber so einfach ist das nicht. Die Idee des Dezernenten ist zugleich zu klein und zu groß gedacht. Zu klein, weil es gar nicht so einfach wäre, möglichst viele Multiplikatoren im Publikum unterzubringen und gute Bilder aufzunehmen. Und zu groß, weil sich das Fachpublikum nicht so gerne unter die Menschen mischt, schon deshalb, weil es sich dann nicht mehr wie Fachpublikum fühlt.

          Und dann noch die Idee mit der Zeil! Eine Schau dort halten wirklich alle Modemacher, die man dazu befragt, für ausgemachten Unsinn, gar für gefährlich, denn: Will Frankfurt nun eine Modewoche? Oder will Frankfurt einen Vergnügungspark zur Volksbelustigung?

          „Es ist doch eine gewissen Chance“

          Christiane Wegner, Modemacherin im Stadtteil Sachsenhausen, würde der Stadt daher gerne etwas anderes vorschlagen: Warum nicht eine große Leinwand an den Eisernen Steg hängen und am Abend von einem Boot aus Modefilme darauf projizieren lassen? Dann könnten sich die Messegäste in den Lokalen am Fluss bei Bier und Wein auch noch visuell anregen lassen.

          Wegner gehört zur wachsenden Designerszene in der Stadt, die sich von der Frankfurt Fashion Week Unterstützung verspricht. „Ich hege weder große Hoffnungen noch große Befürchtungen“, sagt sie ironisch. „Aber es ist doch eine gewisse Chance. So etwas muss wachsen. Und man braucht viel Leidenschaft und Motivation.“

          Bei der Modemacherin von der südlichen Seite des Mains fehlt es daran nicht. Im kommenden Jahr ist sie seit 30 Jahren im Geschäft. Das muss gefeiert werden, und das wird sie vermutlich – so Corona es erlaubt – mit ihren vielen Kundinnen zur Modewoche tun. „Wir werden nie Paris, Mailand oder London sein“, sagt sie über die Ambitionen Frankfurts. „Aber das ist ja auch gar nicht nötig. Wir dürfen mal den Mut haben, Eigenes zu entwickeln.“

          Viele Erwartungen an die Modewoche

          Dabei ist die internationalste Metropole Deutschlands, für die das Wort „Multikulti“ gewissermaßen erfunden wurde, keine Provinzstadt. Christiane Wegner hat Kundinnen, die in New York leben, und wenn sie zu Besuch nach Frankfurt kommen, dann kaufen sie wieder bei ihr ein. In den Läden an der Goethestraße wird Englisch gesprochen, im Louis-Vuitton-Geschäft kann man sich auch auf Chinesisch bedienen lassen, und bei Hermès klingen die Verkäuferinnen très français.

          Die Corona-Pandemie hat zwar auch das Frankfurter Geschäftsleben arg mitgenommen. Aber schon jetzt im Herbst herrscht fast wieder business as usual, und samstags ist die Zeil voller Menschen. Allerdings ist wegen der Pandemie auch der Online-Handel mit Mode und Luxus gewachsen, was den stationären Handel in Mitleidenschaft zieht.

          Insofern erhoffen sich Läden, Marken, Designer und nicht zuletzt Restaurants, Clubs und Veranstalter viel von der Modewoche im Juli. „Die Messe wird hoffentlich viele Modejournalisten nach Frankfurt bringen“, sagt René Storck, der sein Geschäft am Oeder Weg im Nordend hat und schon Schauen in Berlin und Paris veranstaltet hat. „Die Messe wird stark in die Stadt ausstrahlen, das hilft uns allen.“

          Frankfurt kann viele Vorteile für sich verbuchen: Die Stadt liegt in der Mitte Deutschlands, der Flughafen ist groß und leicht zu erreichen, die Messe liegt zentral. „Und noch einen Vorteil haben wir hier“, sagt Storck: „Frankfurt ist klein, alles ist hier sehr konzentriert.“ Viele mögliche Locations für Schauen, Präsentationen und Abendveranstaltungen sind von der Messe nur wenige Autominuten entfernt.

          All das hatte Berlin nicht. Die dezentrale Hauptstadt ist eine Stadt der weiten Wege, des so lange fehlenden Großflughafens und des wirtschaftlich schwachen Umlands. Die Besucher der Modemessen und der Berlin Fashion Week haben sich jahrelang darüber hinweggetröstet, indem sie den kulturellen Mehrwert der Hauptstadt, die vielen kleinen Labels und das gute Nachtleben zu genießen suchten.

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