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Fashion Week in Frankfurt : Neue Vorwahl für die Mode

Kann Frankfurt Mode? Eine Frage der Betrachtung. Bild: Getty

Die Berlin Fashion Week wird kleiner, weil ein Teil nach Frankfurt umzieht. Die damit verbundenen Hoffnungen sind groß, sind sie realistisch? Und wie modeaffin ist Frankfurt? Eine Erkundung.

          5 Min.

          Anita Tillmann wählte starke Worte. Sie formte sie zu einem Satz, der Bestand haben wird, egal was passiert und gleichgültig, ob sie damit irgendwann, in ein paar Jahren vielleicht, anerkennend zitiert werden wird oder eher nicht. „Ziel ist es nicht, sich mit deutschen Städten zu messen, sondern mit Mailand und Paris.“ So sprach die Geschäftsführerin des Messeveranstalters Premium Group, als sie am Montag bekanntgab, dass Teile der Berlin Fashion Week nach Frankfurt umziehen und fortan Frankfurt Fashion Week heißen werden. Vom 6. bis 8. Juli 2021 soll die erste Veranstaltung stattfinden, von 2022 an soll es zwei im Jahr geben, die dann jeweils eine Woche dauern sollen.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Offenbar über Monate hinweg hatte Tillmann mit der Stadt und der Messe Frankfurt verhandelt; am Ende waren Bürgermeister Uwe Becker und Wirschaftsdezernent Markus Frank, beides CDU-Politiker, stolz auf einen Handel, der zum materiellen wie immateriellen Wohle der Kommune sein soll. Frank sprach von Zeil und Eisernem Steg als Laufsteg, Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) von einer einmaligen und internationalen wirtschaftlichen Chance, alle meinten den Imagegewinn, den die Stadt mittelfristig erzielen könne und der sie langfristig als Ziel für Touristen wie Firmen attraktiv mache, sie meinten aber auch die unmittelbaren Einnahmen und Effekte.

          Unfassbar überrascht gewesen

          Die Gespräche zu dem Umzug hatten im Verborgenen stattgefunden und die Verkündung kam für die Modebranche aus heiterem Himmel. Sie sei unfassbar überrascht gewesen, sagt Kerstin Görling. Ihr gehört in Frankfurt die Boutique Hayashi, Görling kauft Marken wie Red Valentino und Isabel Marant und Dice Kajek ein. Die Veranstaltungen in Berlin hat sie seit Jahren nicht besucht, ihre Orientierungspunkte sind Paris und Mailand, zu einer Fashion Week Frankfurt sagt sie gleichwohl: „Ich finde es toll für die Stadt.“

          Skeptisch äußerte sich gleich nach Bekanntwerden der Nachricht die Mainzer Designerin Anja Gockel; in 25 Jahren in der Branche habe sie Bedenklicheres nicht gehört. In einem Gespräch mit dieser Zeitung befand sie: „Mode und Frankfurt, das ist wie Schwarz und Weiß, das passt einfach nicht zusammen“, und mehr noch: „Die Stadt sollte die Finger davon lassen, denn sie könnte sich die Finger verbrennen und am Ende eventuell eine ganze Branche in den Abgrund stürzen.“

          Zu einem guten Verhandlungsklima beigetragen

          Unklar war zu diesem Zeitpunkt und ist es noch, ob nicht nur die Handelsmessen, sondern womöglich im Zuge dessen alle Segmente des Berliner Mode-Zirkus namens Fashion Week nach Frankfurt umziehen. Von der Spree an den Main kommen werden die Messen „Neonyt“, die einen Schwerpunkt auf ökologisch und fair produzierten Textilien hat, und die Veranstaltungen „Premium“ und „Seek“. Die „Neonyt“ ist eine Marke der Messe Frankfurt, womöglich, meinen Beobachter, hat das zu einem guten Verhandlungsklima beigetragen. Keine Umzugsabsichten geäußert hat die von dem Stuttgarter Autobauer Mercedes Benz gesponserte „Mercedes Benz Fashion Week“ mit ihren Laufstegschauen. Während auf den Messen vor allem alltags- und massentaugliche Ware gezeigt und verkauft wird, stehen die Schauen für den Glamour, auch für das Handwerk, für die Verbindung, die Mode und in einem weiten Sinne die Kunst haben. Dass dieser Teil der Berlin Fashion Week offenbar keine Pläne hat, sich zu verändern, dass Designer gesagt haben, sie wollten am Standort festhalten und nicht woanders zeigen: Das haben Lokalpatrioten in der Hauptstadt in den vergangenen Tagen gerne mit einem Coolness-Faktor begründen, der in Berlin höher sei als in Frankfurt, auch mit einem allgemein fürs Modische günstigeren Klima.

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