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Familienunternehmen : Mein Vater, der Chef

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Kanzlei-Partner: Manfred Benkert, Sohn Manfred junior und Tochter Claudia Bild: Eilmes, Wolfgang

Konfliktfrei kann die Zusammenarbeit von Vätern mit ihren Kindern nie sein. Aber dass es dennoch gutgehen kann in der gemeinsamen Firma, zeigen drei Beispiele.

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          Sein Sohn habe immer gesagt: „Ich mache alles, nur nicht Jura wie mein Vater“, erzählt der Frankfurter Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer Manfred Benkert. Sein Junior, der nicht nur denselben Namen, sondern auch das gleiche Lächeln wie er trägt, studierte tatsächlich zunächst BWL, wechselte dann zu Jura, ging in die Immobilienbranche und machte sich selbständig. Am Ende landete er aber doch in der Kanzlei des Vaters, die der vor fünf Jahren gemeinsam mit einer seiner drei Töchter gegründet hatte.

          „Leicht ist es, ein Reich zu regieren, aber schwer eine Familie“, behauptet ein chinesisches Sprichwort. Das Verhältnis zwischen Kindern und ihren Vätern ist psychologisch ein weites Feld, das fast nie ohne Konflikte zu beackern ist. Solchen familiären Auseinandersetzungen auch noch am Arbeitsplatz ausgesetzt zu sein ist für viele eine abwegige Vorstellung. Manfred Benkert junior war ebenfalls skeptisch, als er sich für den Einstieg in die Kanzlei des seit 30 Jahren erfolgreichen Vaters entscheiden sollte. Auch, weil das Scheitern eines solchen Projektes sich nicht nur auf die Karriere, sondern immer auch aufs Familienleben auswirkt. Als Selbständiger verlegte er zunächst sein Büro in die Kanzlei-Räume des Vaters in der Schillerpassage, testete die größere Nähe aus. Und auch als er sich fast ein Jahr später für eine engere Zusammenarbeit entschieden hatte, sollte der Einstieg keine Familiensache werden. Seine Partnerschaft besiegelte der heute Siebenunddreißigjährige mit dem Kollegen seines Vaters, als der auf Geschäftsreise war.

          „Der ist nur da, weil er der Sohn ist“

          Michael Wisser führt heute die Geschäfte der Wisag allein. Die Entscheidung, ins Unternehmen seines Vaters einzutreten, fiel auch ihm nicht leicht. „Söhne haben oft Probleme mit dominanten Vätern, die ihnen keinen Raum lassen, sich selbst zu entwickeln“, stellt er fest. Sein Vater Claus Wisser gilt bis heute als der Patriarch im Unternehmen. Er war es, der als Ein-Mann-Betrieb mit Gebäudereinigungen begann und daraus die Wisag-Gruppe mit mehreren zehntausend Mitarbeitern und drei Geschäftszweigen entwickelte. Sein Sohn Michael übernahm die Firma im Jahr 2009, der mittlerweile siebzigjährige Vater rückte in den Aufsichtsrat auf.

          Die Wisag gilt als Musterbeispiel für eine gelungene familiäre Nachfolgeregelung. Dennoch zögerte auch Michael Wisser, der BWL studiert und bereits als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer unter anderen bei Arthur Andersen gearbeitet hatte, es sich beruflich im Schoß der Familie bequem zu machen. Auf seiner Pro-und-Contra-Liste als Entscheidungshilfe überwogen bei weitem die Argumente, die gegen den Einstieg sprachen: „Ich habe mich gefragt, warum soll ich mich freiwillig in eine Situation begeben, in der mir jemand von morgens bis abends sagt, was ich zu tun habe, und in der alle anderen denken, der ist nur da, weil er der Sohn ist.“ Der ausschlaggebende Punkt auf der Pro-Seite lautete aber schließlich: „Blut ist dicker als Wasser.“

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