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Kommentar zum Fall Wevelsiep : Berufung erwünscht

  • -Aktualisiert am

Sein Fall sorgte für Aufsehen: Derege Wevelsiep hat die vier Frankfurter Polizisten wegen Körperverletzung im Amt angezeigt. Bild: Rainer Wohlfahrt

Im Fall Wevelsiep blieb auch nach dem Urteil Vieles im Dunkeln, eine Berufung täte gut. An den Fall knüpft aber eine weitere Frage an, die die Frankfurter Polizei in Erklärungszwang bringt.

          Es ist ein Urteil, das mehr Fragen aufwirft, als es Antworten gibt. Der Schuldspruch gegen einen Frankfurter Polizisten, der vor zwei Jahren einen Mann geschlagen haben soll, weil er sich keine Handschellen anlegen lassen wollte, hat wenig zur Erhellung der Frage beigetragen, ob der Beamte von rassistischen Gefühlen bestimmt war.

          Der Mann, der nach dem Polizeieinsatz eine Wunde an der Schläfe hatte, stammt aus Äthiopien, seine Haut ist dunkel. Das gehört dazu, um zu begreifen, um was es geht. Derege Wevelsiep, Deutscher, Elektroingenieur, hat von Anfang an sehr öffentlich kundgetan, er sei als vermeintlicher Ausländer so behandelt worden. Darin hatte ihn die dümmliche Bemerkung einer Fahrkartenkontrolleurin bestärkt, man sei „hier nicht in Afrika“.

          Polizei in Erklärungszwang

          Es mag für den Richter schwierig gewesen sein, die von Emotionen aufgeladene Situation in der U-Bahn-Station Bornheim-Mitte nachträglich zu bewerten. Die Aussagen der vier Polizisten standen gegen die Aussage Wevelsieps. Ihm glaubte der Richter, soweit es einen Schlag betraf. Rätselhafterweise aber nicht, was einen zweiten Schlag und einen Tritt anbelangte. Der Rassismusvorwurf wurde en passant abgehandelt.

          Das bringt die Frankfurter Polizei in Erklärungszwang. In einer Stadt, in der viele Kulturen und Ethnien weitgehend friedlich miteinander leben, muss die Ordnungsmacht besonders sensibel sein. Andererseits ergeben sich etwa in der Drogenszene täglich Situationen, die bestätigen, dass bestimmte Tätergruppen vorwiegend aus bestimmten Ländern kommen. Den Verfolgungsdruck auf sie zu reduzieren, nur weil man sonst Gefahr liefe, rassistische Motive unterstellt zu bekommen, ist keine Lösung. Selbstverständlich darf es auch hier nicht zu Übergriffen kommen.

          Im „Fall Wevelsiep“ ging es nur darum, ob eine Monatskarte übertragbar sei. Weshalb die Beamten den einer Beleidigung der Kontrolleurin Verdächtigen fesseln und zu viert zu seiner Wohnung chauffieren mussten, ist im Dunkeln geblieben. Eine Berufung würde dem Fall guttun.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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