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Fall Tristan : Ein blutiger Fingerabdruck als wichtigste Spur

  • -Aktualisiert am

Tatort Unterführung: Polizisten mit Spürhunden untersuchen die Fundstelle von Tristans Leiche. Bild: dpa

Der Mord an Tristan Brübach machte die Ermittler lange ratlos. Jetzt kann er vielleicht aufgeklärt werden. Das ist inzwischen bekannt.

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          Ein Jahr nach dem Mord an seinem 13Jahre alten Sohn Tristan äußerte sich der Vater, Bernd Brübach, im März 1999 erstmals öffentlich zu dem Verbrechen und seinen Gefühlen. „Ich will gar nicht so sehr wissen, wer Tristan getötet hat, ich suche ständig nach einem Grund“, sagte er damals. „Ich kann mir einfach keine Situation vorstellen, in der es zu so einer Tat kommen muss.“ Für die Polizei war der Tod des Jungen ohne Beispiel in der Kriminalgeschichte. Wohl niemals zuvor, so hieß es, habe ein Mörder einen Leichnam an einem öffentlich zugänglichen Ort und mitten am Tag zerstückelt. Jetzt wird geprüft, ob der mutmaßliche Serienmörder Manfred S. auch für dieses Verbrechen verantwortlich sein könnte.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der grausam zugerichtete Körper des Jungen wurde am 26.März 1998 kurz vor 16Uhr in einem 130Meter langen begehbaren Wasserdurchlass unter dem Bahnhof in Frankfurt-Höchst gefunden. Der Mörder hatte Tristan die Kehle durchgeschnitten und dem Toten dann Muskelfleisch und Hoden entnommen. Die Leichenteile transportierte er wahrscheinlich im Rucksack des Jungen ab. Nach Einschätzung der Ermittler benötigte der Mörder bis zu 20Minuten für die Ausführung seines blutigen Werks. Vor dem Verlassen des Tatorts stellte er Tristans Turnschuhe auf die Brust der Leiche.

          Oktober 1999 wurde Grabstätte Tristans geschändet

          Immerhin hatten die Ermittler den Teil eines blutigen Fingerabdrucks, den der Mörder am Tatort zurückließ. Die zeitweise bis zu 100Beamte starke Arbeitsgruppe „Tristan“ überprüfte Tausende von Abdrücken in deutschen und ausländischen Fahndungskarteien, 2000 in der Umgebung des Tatorts lebende Männer gaben ihre Abdrücke freiwillig zur Kontrolle ab. Das Bundeskriminalamt (BKA) recherchierte in Europa, Asien und Nordamerika, bei der Fremdenlegion in Frankreich, bei den amerikanischen Streitkräften in Deutschland und unter Kriegsverbrechern aus dem ehemaligen Jugoslawien. Spezialisten des BKA erstellten ein Täterprofil. Das Bild, das sich auf diese Weise ergab, sprach für einen männlichen Einzeltäter, einen aggressiven jähzornigen Typen im Alter zwischen 17 und 30 Jahren, der vermutlich nicht in einer festen Partnerschaft lebe.

          Die Analytiker nahmen an, dass der Täter in der Umgebung seines Opfers wohnte und es vermutlich gekannt, wenn auch nicht notwendigerweise eine enge Beziehung zu ihm gehabt habe. Nur wenige Tage nach dem Jahrestag der Tat, Ende März 1999, wurde Tristans Rucksack in einem Waldstück bei Niedernhausen entdeckt. Weil sich darin eine Deutschland-Straßenkarte in tschechischer Sprache befand, wurden in den folgenden Wochen Tschechen, die an der nahegelegenen Baustelle der ICE-Trasse Frankfurt-Köln arbeiteten, kontrolliert. In Tschechien und der Slowakei wurden Fahndungsfilme ausgestrahlt, doch auch das brachte keine neuen Hinweise.

          Im Oktober 1999 schreckte die Meldung von der Schändung der Grabstätte Tristans die Öffentlichkeit auf. Die Blumen waren fein säuberlich ausgestochen, das Grab war bis zu einer Tiefe von 1,20 Meter ausgehoben und die Erde auf einer Kunststoffplane neben dem Holzkreuz aufgehäuft worden. Der Sarg des Jungen blieb unberührt, vielleicht weil der Täter gestört worden war. Vermutungen über eventuelle Beweggründe reichten von einer „Schwarzen Messe“ bis hin zur Tat eines Verrückten. Spekulationen, Tristans Grab könne von seinem Mörder geöffnet worden sein, wiesen Staatsanwaltschaft und Polizei zurück: So etwas liege „jenseits der Vorstellungskraft“.

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