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Fall Susanna : Hilfloser Staat, martialischer Staat

Bild: dpa

Die Show um die Rückkehr von Ali Bashar wirkt wie ein verzweifelter Versuch der Sicherheitsbehörden, das verheerende Bild aufzuhellen, das sie in dem Fall abgegeben haben. Dazu ist aber mehr notwendig. Ein Kommentar.

          1 Min.

          Die Rückkehr des mutmaßlichen Mörders Ali Bashar war eine große Show. Mit dem Helikopter wurde er eingeflogen, begleitet von einem schwerbewaffneten Spezialkommando, wie man es sonst nur bei der Vorführung von Terrorverdächtigen kennt. Der Staat wollte Stärke demonstrieren, anders kann man die Szene vor dem Polizeipräsidium Westhessen nicht interpretieren. Es mag gut gemeint gewesen sein, nach dem Motto: „Seht her, wir können auch anders.“ Aber wenn man bedenkt, welche Vorgeschichte dieser Fall hat, wie viele Fragen zu klären sind, was für ein schwaches Bild die Sicherheitsbehörden allesamt abgegeben haben, dann wirkte diese Inszenierung wie ein verzweifelter Versuch, dieses verheerende Bild mit möglichst martialischem Auftreten aufzuhellen.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein souveräner Staat brauchte solche Bilder nicht. Ein souveräner Staat hätte von Anfang an so gehandelt, dass Ali Bashar gar nicht erst die Gelegenheit gehabt hätte, ohne Papiere und möglicherweise mit einer falschen Identität einzureisen, Gewalttaten und vielleicht einen Mord zu verüben, um dann, wieder mit falschem Namen, auszureisen. „Hätte, würde, könnte“ werden nun einige sagen. Tatsache ist aber, dass Ali Bashar kein Einzelfall mehr ist. Auf erschreckende Weise offenbart sich, dass es ein furchtbares Problem gibt mit einigen zugewanderten jungen Männern. Und offenbar auch ein Defizit in den Behörden, die noch immer keine Strategie gefunden haben, wie man auf diese jungen Männer und auf ihr Auftreten dieser Gesellschaft gegenüber reagiert.

          Es wird aber auch zu überlegen sein, wie die Polizei künftig handelt, wenn Mädchen als vermisst gemeldet werden. Es darf keine Rolle spielen, aus welchem sozialen Umfeld jemand kommt. Es darf nicht der Eindruck entstehen, es gebe Vermisste erster und zweiter Klasse. Wenn ein 14 Jahre altes Mädchen nicht mehr nach Hause kommt, dann muss die Polizei in jedem Fall dieselben Maßstäbe anlegen. Erfahrene Ermittler mögen eine Ahnung haben, ob hinter einem Verschwinden ein Verbrechen steckt, frühreife Eigenständigkeit oder Rebellion gegenüber dem Elternhaus. Im Zweifel zählt aber das Gespür der Mutter mehr. Das hat sich in diesem Fall auf tragische Weise bewahrheitet.

          Es sind also Lehren zu ziehen aus diesem Fall, bei den Behörden wie in der Politik. Nach Freiburg, nach Kandel und nach anderen Taten, bei denen Mädchen von Männern mit einem patriarchalischen Weltbild und Neigung zur Gewalt getötet wurden, war der Aufschrei groß. Konsequenzen gezogen wurden aber nicht. Das ist aber dringend notwendig, auch um zu verhindern, dass sich der Unmut gegen alle Flüchtlinge entlädt.

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